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Sprint in die deutsche Spitzenklasse: Fabian Olbert aus Kirchheim.

„Tokio ist für mich nicht unrealistisch“

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
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Spinter Fabian Olbert vom Kirchheimer SC im Interview: Die Olympischen Spiele sind sein Ziel.

KirchheimDas Jahr 2020 ist für Fabian Olbert eine Achterbahnfahrt gewesen. Einerseits verbesserte der Leichtathlet aus Kirchheim seine 100-Meter-Zeit auf 10,38 Sekunden und schlug im Halbfinale der nationalen Hallen-Meisterschaften sogar Deutschlands Rekordsprinter Julian Reus. Andererseits ließ die Corona-Krise Olberts Träume von der U20-Weltmeisterschaft in Kenia platzen. Und dann brach sich der 19-Jährige im Sommer auch noch das Schlüsselbein. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt der Sprinter zurück – und voraus.

Herr Olbert, Ende Juli sind Sie in Regensburg gestürzt und haben sich das Schlüsselbein gebrochen – die bisher schlimmste Verletzung Ihrer Karriere. Wie geht es Ihnen inzwischen?

Ich bin zwei Tage nach dem Rennen am Schlüsselbein operiert worden. Eine Woche später folgte dann noch eine weitere OP an der Hand. Das alles ist aber gut gelaufen, schon 14 Tage später habe ich mit der Reha begonnen, und inzwischen habe ich so gut wie keine Probleme mehr. Lediglich die Beweglichkeit in der Hand ist noch leicht eingeschränkt.

Wie sehr haben Sie die Verletzung und die Reha in ihrer Entwicklung zurückgeworfen?

Schwer zu sagen. Von der Leistung her bin ich aktuell besser als davor, würde ich behaupten. Allerdings weiß ich natürlich nicht, wie es gewesen wäre, wenn es die Verletzungspause nicht gegeben hätte.

Vor dieser Zwangspause haben Sie in der deutschen Sprintszene für Furore gesorgt, vor allem in der Halle. Was war Ihr sportliches Highlight in diesem Jahr?

Der Höhepunkt war sicher das Halbfinale über 60 Meter bei den Deutschen Meisterschaften…

… das Sie in 6,65 Sekunden gewonnen haben – vor Julian Reus, dem deutschen Rekordhalter im 100-Meter-Lauf.

Das war, rein emotional, sicher der schönste Moment in diesem Jahr. Insgesamt ist es in der Halle super für mich gelaufen. Mit der Freiluftsaison war ich dagegen nicht hundertprozentig zufrieden. Allerdings bin ich da ja schon vor dem Saisonhöhepunkt ausgeschieden.

Also vor den Deutschen Meisterschaften im August, die Sie verletzungsbedingt verpasst haben. Ebenfalls nichts wurde es mit dem erhofften Start bei der U20-Weltmeisterschaft in Kenia, die im Juli stattfinden sollte, dann aber wegen der Corona-Krise abgesagt wurde…

Das war für mich natürlich enttäuschend, denn die WM wäre ein Highlight gewesen – gerade, weil es mein letztes Jahr in der U20 war.

Und wie sieht Ihre Planung für 2021 aus?#

Das hängt natürlich stark von der Corona-Situation ab. Im Januar sind erst mal alle Wettkämpfe abgesagt worden. Und weil wir auch nicht ins Trainingslager fahren können, trainieren wir jetzt daheim in der Werner-von-Linde-Halle.

Dort dürfen Sie aber weiterhin normal trainieren?

Ja, für uns Kaderathleten ist das erlaubt. Insofern betrifft mich die Corona-Pandemie zwar in meiner Freizeit – so wie alle Menschen. Aber rein sportlich hat sich dadurch nicht viel für mich verändert.

Einmal angenommen, dass ab Februar wieder Wettkämpfe stattfinden dürfen. Was sind Ihre Ziele im kommenden Jahr?

In der Halle ist das große Ziel die Deutsche Meisterschaft Ende Februar. Außerdem gibt es auch noch eine Europameisterschaft, aber da muss ich erst mal schauen, ob es dafür reicht.

Gleiches gilt auch für Olympia?

Ich glaube, dass Tokio nicht komplett unrealistisch für mich ist. Im Sprint stehen die Chancen ja nicht schlecht, dass man sich über die Staffel qualifiziert – schließlich werden da sechs Leute mitgenommen. Allerdings ist die Konkurrenz riesig, und prinzipiell setzen die Trainer eher auf erfahrenere Athleten. Ich denke, für mich ist es aber am schlauesten, mich einfach nur auf mich und meine Entwicklung zu konzentrieren. Und dann muss ich einfach schauen, was passiert.


Das Gespräch führte
Patrick Stäbler.

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