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Abwarten, was passiert: Tobias Potye sagt: „Mein Sportlerleben fühlt sich an wie auf Eis gelegt.“

Coronakrise stoppt den Aschheimer Hochspringer bei seinem Anlauf auf Olympia

Tobias Potye: „Das Virus hat mir ein Berufsverbot erteilt“

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
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Ende Februar – also gut zwei Wochen, bevor das Coronavirus ganz Europa lahmlegte – wähnte Tobias Potye die schwierigste Phase seiner Karriere endlich hinter sich.

Aschheim – Der Hochspringer aus Aschheim, der für die LG Stadtwerke München startet, hatte 2019 wegen einer hartnäckigen Knieverletzung keinen einzigen Wettkampf bestreiten können. Doch Anfang dieses Jahres meldete er sich zurück, überquerte in der Halle immerhin 2,20 Meter und holte Silber bei der Deutschen Meisterschaft.

Wobei all das „eigentlich nur die Vorbereitung auf die Sommersaison“ sein sollte, wie der 25-Jährige stets betonte. Mitte März sollte es ins Trainingslager nach Südafrika gehen; kurz darauf wäre der U20-Europameister von 2013 dann in die Türkei geflogen, um sich dort den letzten Schliff für die Wettkämpfe zu holen. Danach – so hatte er sich das vorgestellt – sollten wieder jene Höhen drin sein, die er vor seiner langen Pause gesprungen war, als er seine Bestmarke auf 2,27 Meter schraubte. Und mit diesen Leistungen wollte Tobias Potye schließlich nach Tokio fliegen, zu Olympia, und sich seinen Traum erfüllen, den so viele Sportler träumen, aber nur so wenige erreichen.

Ja, das war der Plan, bevor das Coronavirus eine Pandemie auslöste, das öffentliche Leben stilllegte, „und mir quasi ein Berufsverbot erteilt hat“, so formuliert es Potye. Denn er, der das Training jetzt so dringend bräuchte, ist zum Nichtstun verdammt, weil alle Hallen und Anlagen gesperrt sind. „Mein Sportlerleben fühlt sich an wie auf Eis gelegt“, sagt der 1,98-Meter-Schlaks. Anfangs habe er noch regelmäßig Stabilisationsübungen zu Hause gemacht und sei für Steigerungsläufe und Sprinteinheiten ins Freie gegangen. Doch inzwischen habe er das heruntergefahren, weil es „nicht so viel bringt“, wie er sagt. „Als Hochspringer musst du sehr spezifisch trainieren, aber im Moment geht das nicht.“ Zwar sehe man auf Social-Media-Plattformen wie Instagram zurzeit zig Hobbysportler und auch ambitionierte Athleten, die Fotos und Videos von ihren Heimtrainings posten, sagt Potye. Jedoch sei der Eindruck, der dabei vermittelt werde, „völlig irreführend“. Denn gerade über einen längeren Zeitraum sei es unmöglich, abseits der Halle und auf eigene Faust adäquat zu trainieren.

Von daher hofft Tobias Potye inständig, dass Kaderathleten wie er bald wieder in die Werner-von-Linde-Halle können. Und natürlich: „Dass dieses Jahr noch Wettkämpfe stattfinden“. Schließlich würden – wenn das nicht noch geändert wird – im Herbst die Kaderplätze und Fördergelder neu vergeben. Und sollte Potye bis auf die wenigen Wettkämpfe in der Halle keinerlei Ergebnisse für die zurückliegenden zwei Jahre vorweisen können, „dann würde mich das womöglich hart treffen“, sagt er. „Deshalb kann man nur hoffen, dass die Vergabe nach hinten verschoben wird – so wie Olympia.“

Die Entscheidung, dass Tokio 2020 nun erst im Sommer 2021 über die Bühne gehen wird, nennt Potye „auf jeden Fall richtig“. Und auch ihm persönlich kommt die Verschiebung entgegen, räumt sie ihm doch mehr Zeit ein, um sich auf sein großes Ziel vorzubereiten. Wobei der 25-Jährige zurzeit keine Ahnung hat, wann er mit dieser Vorbereitung loslegen kann – „und das ist besonders für den Kopf keine leichte Situation“, sagt er offen. Denn auch die Uni bietet dem Student aktuell keine Ablenkung: Die letzte Prüfung, die er in seinem Studiengang Multimedia und Fine Arts noch schreiben muss, wird bloß im Sommersemester angeboten. Und so arbeitet Tobias Potye in diesen sportfreien Tagen intensiv an einem Web-Projekt, das sich mit Trainingsszenarien im Hochsprung beschäftigt. „Das macht mir Spaß“, sagt er, „und es tut gut, beschäftigt zu sein“.

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