Alpenvolleys haben das Nachsehen

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Fast hätten sich Unterhachings Volleyball-Fans über ein Wiedersehen mit Tom Strohbach freuen dürfen. Doch im letzten Moment haben die Hypo Tirol Alpenvolleys Haching den Kanadier Jerome Cross als letzten Spieler für den neuen Bundesliga-Kader verpflichtet.

Unterhaching/Innsbruck – Von 2011 bis 2014 schlug Tom Strohbach für Generali Haching auf, er wurde mit dem Team 2013 Pokalsieger. Nach der Zwischenstation TV Rottenburg kehrte er 2016 nach Oberbayern zurück, spielte bis 2018 für den TSV Herrsching. Der 36-fache Nationalspieler hätte den Alpenvolleys somit als Identifikationsfigur, aber auch sportlich helfen können, wie deren Manager Hannes Kronthaler weiß: „Ein deutscher Spieler aus der Region, das hätte gepasst. Und wenn er fit gewesen wäre, wäre er in den Play offs eine Verstärkung gewesen.“

Im Moment ist Strohbach alles andere als fit: Er wurde vor fünf Wochen an der Hüfte, vor drei Wochen am Fuß operiert. Die Alpenvolleys hätten ihn trotzdem gerne verpflichtet, die Kosten der medizinischen Betreuung übernommen, dazu laut Kronthaler zunächst „ein Taschengeld“ bezahlt und ihm, voraussichtlich ab 1. Dezember, „einen richtigen Vertrag mit Option auf ein weiteres Jahr“ offeriert. „Ein besseres Angebot hätten wir ihm nicht machen können.“

Das sieht Strohbach im Grunde genauso, zumal der 27-Jährige, der ab Herbst das Masterstudium in Psychologie in Angriff nehmen will, einen Studienplatz in Innsbruck hätte bekommen können. Doch das könnte auch in München klappen, und diese von Strohbach bevorzugte Aussicht ließ die Zusammenarbeit platzen. „Die Zulassungsbescheide gibt es zwar erst im September, aber die Kaderplanung muss früher erfolgen“, weiß er selbst. „Und das Studium in München mit einem Engagement in Innsbruck zu verbinden, ist so gut wie unmöglich. Alle Spieler wohnen in Innsbruck.“

Mihai Paduretu, Strohbachs ehemaliger Hachinger Trainer, bedauert die Entscheidung zwar: „Tom hätte als Ex-Hachinger perfekt gepasst, er hätte zudem viel Sicherheit in der Annahme und Abwehr gebracht und im Angriff mit Danilo Gelinskis schnellem Passspiel gut harmoniert.“ Doch der Alpenvolleys-Sportdirektor betont auch: „Wenn er die Möglichkeit hat, an der LMU, einer Top-Uni in Deutschland, seinen Master zu machen, dann habe ich volles Verständnis.“

Kronthaler sieht es etwas anders: „Ich habe da keinen Groll. Aber es ist schade, eine Vergeudung von Talent. Er ist im besten Volleyball-Alter, war aber noch in keinem besseren Verein als Herrsching, er hat eigentlich noch gar keine Karriere gehabt. Und ich glaube, er wird nicht weitermachen.“

Strohbach räumt selbst ein, nicht zu wissen, ob er noch bereit sei für die Doppelbelastung Studium an der Präsenz-Uni und Volleyball, die ihn schon seine ganze Laufbahn begleitet habe, mit Ausnahme des vergangenen Jahres, als er sich für das Engagement beim italienischen Erstligisten Vibo Valentia ein Urlaubssemester nahm.

Strohbachs Absage ist die Chance für den Kanadier Jerome Cross. Dass der 23-Jährige international völlig unerfahren ist, belegt schon die Tatsache, dass er die Kopie eines 2017 abgelaufenen Reisepasses schickte: „Ich war ja noch nie außerhalb Kanadas engagiert“, sagt er. Der Angreifer vom Camosun College soll zunächst als zweiter Diagonalspieler hinter Paulo Victor Costa da Silva lernen und dann möglichst durchstarten. „Von den Videos, die ich gesehen habe, ist das ein wahnsinniges Talent. Wir müssen nur schauen, wie er sich in eine Profimannschaft eingliedert und ob er sich bei uns wohlfühlt“, sagt Alpenvolleys-Trainer Stefan Chrtiansky.

Rubriklistenbild: © svj

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