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Konzentriert bis in die Zungenspitze: Klubmitglied Leon Resch (14) nimmt an Deutschen Meisterschaften teil.

Blickpunkt: Trial in Grasbrunn 

Balancieren wie die Bergziegen

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Anders als sonst im Motorsport geht’s beim Motorrad-Trial nicht um Geschwindigkeit, sondern um Geschicklichkeit. Und um Balance und Technik. Eine Trial-Hochburg in Bayern liegt etwas versteckt nahe Grasbrunn – in einer Kiesgrube.

Grasbrunn – Leon Resch steht auf den Fußrasten seines Motorrads, lässt die Maschine leise zwischen Vorder- und Hinterrad hin- und herwippen und blickt – so sieht es zumindest aus der Distanz aus – leicht skeptisch auf den hüfthohen Felsquader vor ihm. Das Ganze hat etwas von einem Stillleben, bis der 14-Jährige plötzlich den Gasgriff dreht und sein Gefährt geradewegs auf den Stein zusteuert, so als wolle er mitten hindurch fahren. Doch stattdessen schiebt sich das Vorderrad den Felsen empor, einen Moment lang steht die Maschine senkrecht in der Luft, ehe sie schon im nächsten Augenblick elegant auf dem Felsquader landet und dort umgehend wieder zum Stillstand kommt.

Und weiter geht’s: Wie eine Bergziege klettert Leon mit seiner Maschine über Baumstümpfe, Steine und Traktorreifen, ehe er den kompletten Parcours überwunden hat – hier, bei der Trial-Schule des ADAC auf dem Grasbrunner Trainingsgelände von Leon Reschs Heimatverein, dem 1. Münchner Trial Club (MTC). Gut 50 Fahrer sind erschienen, mehr als die Hälfte davon Jugendliche, um unter der Anleitung von ausgebildeten Trainern zwei Tage lang an ihrer Technik auf dem Trial-Motorrad zu feilen.

Die Geübtesten von ihnen – so wie Leon Resch, der voriges Jahr bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft mitgefahren ist – zeigen wahrhaft atemberaubende Kunststücke, wenn sie mit ihren Maschinen den sechs Meter hohen Hügel hoch- und runterfahren und dabei diverse Hindernisse zumeist mühelos überqueren. Aber auch Anfänger kommen hier zum Zug: Nur einen Steinwurf vom langgestreckten Übungshügel entfernt, inmitten von Kiesbergen, bietet der MTC ein Schnuppertraining für Kinder und Erwachsene an, die wahlweise mit dem Elektro-Trial oder einem Motorrad Pylonen umkurven und erste Hindernisse überqueren.

„Für uns ist das eine gute Möglichkeit, um das eine oder andere neue Mitglied zu gewinnen“, sagt German Frei. „Und natürlich wollen wir auch Werbung für unseren tollen Sport machen.“ Dieser möge von außen vielleicht „cool aussehen“, sagt der Vorsitzende des MTC, dessen Vereinsgelände sich auf dem Areal eines Kieswerks südlich von Grasbrunn befindet. „Aber in Wahrheit ist es ein sehr konservativer Sport. Man muss sich vor allem gut konzentrieren, und es braucht viel Körperbeherrschung, Balance und Disziplin.“

Tatsächlich zählt bei Trial-Wettkämpfen – anders als beim Motocross, mit dem es gerne verwechselt wird – nicht etwa die Geschwindigkeit, mit der ein Fahrer eine sogenannte Sektion bewältigt. Vielmehr geht es darum, diesen Parcours mit seinen Hindernissen fehlerfrei zu meistern – also mit möglichst wenigen Strafpunkten, die man etwa erhält, wenn der Fuß den Boden berührt oder der Fahrer sich mit der Hand abstützen muss. „Gerade Kinder und Jugendliche lernen beim Trial sich zu konzentrieren“, sagt German Frei. „Wir bekommen immer wieder die Rückmeldung von Eltern, dass ihre Kinder sich dann auch in der Schule leichter tun.“

Bereits im Alter von sieben Jahren können Kinder an den Sport herangeführt werden – nicht auf einem der speziellen, bloß rund 70 Kilo leichten Trial-Motorräder, sondern auf einer Maschine mit Elektromotor. „Ich bin ohnehin überzeugt, dass Elektro-Trials die Zukunft sind“, sagt der Klubchef. „Momentan gibt es noch das Problem, dass die Elektromotoren zu träge sind – und das ist entscheidend, schließlich geht es bei unserem Sport um Zentimeter. Aber die Hersteller arbeiten daran, und ich denke, dass das nur eine Frager der Zeit ist, bis es entsprechend ausgereifte Elektro-Trials geben wird“, sagt German Frei.

Fragt man die Teilnehmer, was aus ihrer Sicht den Reiz am Motorrad-Trial ausmacht, dann haben die Antworten wenig zu tun mit den üblichen Motorsport-Klischees von Gas und Gummi. „Ich mag die Herausforderung, und dass ich meine Fähigkeiten Stück für Stück verbessern kann“, sagt etwa Robin Weißert aus Ottobrunn, der gemeinsam mit seinem Vater vor gut einem Jahr mit dem Trial-Sport begonnen hat. Parallel dazu spielt der 14-Jährige Fußball – „und das ist so ziemlich das Gegenteil vom Trial“, sagt Robin. „Da bist du Teil eines Teams. Hier bist du ganz auf dich allein gestellt und musst die Herausforderung vor allem im Kopf schaffen.“

Kontakt

www.mtc-trial.de

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