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TSV Oberhaching: Tropics wachsen über sich hinaus

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Von: Harald Hettich

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Echter Höhenflug: Janosch Kögler steuerte 25 Punkte zum grandiosen Sieg seiner Oberhachinger Tropics bei.
Echter Höhenflug: Janosch Kögler steuerte 25 Punkte zum grandiosen Sieg seiner Oberhachinger Tropics bei. © Robert Brouczek

Oberhaching – Es war wie bei Asterix und seinen Galliern im an sich so ungleichen Kampf gegen die Römer. Nur dass beim Zweitbundesliga-Basketball-Match in der Deisenhofener Sporthalle die heimischen Underdogs der Tropics aus Oberhaching in die Rollen der Gallier schlüpften und der vorher in sechs Partien ungeschlagene Tabellenführer EPG Baskets Koblenz aus der alten Römerstadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel die ungeliebte Rolle der arg überforderten römischen Legionäre spielen musste.

Den Gästen aus Rheinlandpfalz flogen zwar keine Hinkelsteine, sondern nur exakt zielgerichtete Basketbälle um die Ohren

Am Ende mussten sich die Koblenzer Liga-Topfavoriten gefühlt haben, als sei Obelix leibhaftig über sie hinweggestapft. 87:64 (37:32) leuchtete das finale Resultat in stolzen Lettern von der elektronischen Anzeigetafel. Feierstimmung pur und laute Sprechchöre sorgten in der coronabedingt leider eher spärlich besetzten Halle für echte Freudenmomente. „Das war das beste Match unserer gesamten ProB-Zeit“, jubelten TSV-Trainer Mario Matic und Vorstand Bernd Schubert gemeinsam.

Es war ein ganz besonderer und sehr spezieller Basketballabend am Kyberg. Melancholie hatte auch ihren Platz in der Halle. Allerdings nur vor der Partie, als Langzeit-Kapitän und Zweitliga-Aufstiegs-Wegbereiter Moritz Wohlers aus dem aktiven Dienst der erfolgreichen Basketball-Familie entlassen wurde. Mit dem ersten Sprungwurf wich diese Melancholie freilich einer spürbar wilden Entschlossenheit der Gastgeber. In einem zunächst von beiden Seiten nervös geführten Auftakt-V iertel arbeiteten die Gelben erkennbar noch an ihren Wurfautomatismen, während die Defense bereits ordentlich stand. 19:20 lag das Matic-Team nach der ersten Zehnminuten noch knapp in Rückstand.

Im zweiten Abschnitt nimmt das Oberhachinger Spiel Fahrt auf

Als sich Oberhachings Go-to-Guy Janosch Kögler im zweiten Abschnitt zunehmend besser befreite aus der taktischen Zonen-Umklammerung der Gäste, nahm auch das Spiel der Landkreis-Riesen entscheidend Fahrt auf. Kögler taktete den Matchfluss, variierte Tempo und Handling und zauberte reihenweise erstklassige Anspiele in die wurfbereiten Arme seiner Mitspieler. Die waren in breiter Front gut aufgelegt. Früh zeigte sich, dass Neuzugang Moritz Noeres nach einigen Anlaufschwierigkeiten spätestens mit dieser Partie angekommen war in Oberhaching. 14 Punkte und vier Rebounds standen für den Newcomer am Ende zu Buche. Eine Marke, die der auch von ganz weit draußen treffsichere und beim Rebound glänzende neue Kapitän Peter Zeis mit einem klassischen Double-Double aus 17 Punkten und zehn Rebounds noch toppen sollte. Weil Bernhard Benke, Fynn Fischer, Thomas Pethran und Zeis die Zone unter den Körben extrem verdichteten und Kögler gegen Ende von Halbzeit eins auch seinen Wurfarm auspackte, war die Fünf-Punkte-Pausenführung für den krassen Außenseiter längst kein Zauberwerk mehr. Wer jetzt einen Wutansturm der aufstiegswilligen Gäste in Halbzeit zwei erwartete, sah sich getäuscht. Benke und Fischer vor allem brachten die Angriffslust der Koblenzer mit ihrer ansonsten so starken US-Phalanx im dritten Abschnitt nahezu zum Erliegen. Einzig EPG-Topscorer Marivn Heckel (15 Punkte / 5 Rebounds) erreichte Normalform. Ganz anders die Tropics in breiter Phalanx: Der wuchtige Joker Thomas Pethran steuerte zehn Punkte bei und bewies auch in der Defense Bundesliga-Klasse. Dazu wirbelte Kögler durch den Saal und zu 20 Zählern in Durchgang zwei. Auch Philipp Bode kam mit seiner schwierigen Playmaker-Rolle erstklassig zurecht und zauberte allein sieben Assists in die Tiefe des Angriffsraums. Beim 57:44 für die Tropics nach drei Vierteln rieben sich viele verwundert die Augen. Koblenz versuchte zwar durch eine aggressive Ganzfeldpresse, den Gegner zu Fehlern zu zwingen und die Frequenzen zu erhöhen, doch die Matic-Truppe hatte perfekt getunt immer die richtigen Antworten. Während man die Intensität in der Defense weiter hochhielt, zauberte der Game-Plan der Kybergriesen immer neue, schlüssige Offense-Varianten hervor. Ein Match, das besonders auch mit Blick auf die Oberhachinger Variabilität viel Hoffnung verbreitete. Mitte des Schlussviertels hatte Koblenz endgültig aufgesteckt. Die letzten Minuten wurden zum Genuss-Schaulauf des Heimteams, das den Vorsprung immer weiter vergrößerte. „Glückwunsch an mein Team. Die Jungs sind heute über sich hinausgewachsen und haben ein echtes Basketballwunder geschafft“, betonte Matic stolz. Und seine Jungs brauchten nicht einmal Hinkelsteine dazu.

TSV: Kögler (25 Punkte / 5 Rebounds / 2 Steals), Zeis (17 /10), Noeres (14 /4), Pethran (10/4), Bode (7/7), Fischer (7/4), Jukic (2/-), Hollemann (1 Steal)

Abschied einer Leitfigur: Moritz Wohlers beendete seine Karriere und wurde verabschiedet.
Abschied einer Leitfigur: Moritz Wohlers beendete seine Karriere und wurde verabschiedet. © Robert Brouczek

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