+
Daniela Ernst hält sich auf dem Rennrad fit.

Sport in der Corona-Krise

Radfahren und Gymnastik statt Schwimmen

Der TSV Hohenbrunn-Riemerling in der Corona-Krise:  Radfahren und Gymnastik statt Schwimmen.

Riemerling– Das Coronavirus lässt die Sportwelt stillstehen. Wie lange die Situation noch anhält, das kann aktuell keiner beantworten. Die Sportler müssen sich trotz allem fit halten. Keine einfache Situation für die Schwimmer des TSV Hohenbrunn Riemerling und für Cheftrainer Pierre Martin.

Alle Wettkämpfe sind erst mal abgesagt, auch der geplante Höhepunkt der Saison – die Deutschen Meisterschaften Ende April sowie die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften Ende Mai. Die Trainer müssen in ihrer Saisonplanung Änderungen vornehmen, die komplette Planung ist aufgrund des Coronavirus durcheinandergebracht worden. Auch das anstehende Trainingslager auf Kreta in den Osterferien ist abgesagt worden. Pierre Martin erklärt, wie er mit der aktuell schwierigen Situation umgeht: „Erst mal geht es darum, die Saison soweit es geht im Blick zu haben und nicht einfach aufzugeben und zu denken wir machen jetzt vier Monate keinen Sport und starten dann nach den Sommerferien wieder durch.´ Es ist wichtig, trotzdem motiviert zu bleiben, die Schwimmer bestmöglich mit Trainingsplänen zu versorgen und zu schauen, dass die Athleten weiterhin sportlich aktiv bleiben und an ihrer Ausdauer arbeiten.“

Kein Schwimmbad hat mehr offen, der gemeinsame Trainingsbetrieb ist schon seit einigen Tagen eingestellt. Trotzdem müssen die Sportler weiter trainieren. So sollen sie täglich joggen oder Fahrrad fahren und auch an ihrer Athletik viel arbeiten. Der Trainer der Riemerlinger Haie sagt: „Die Schwimmer bekommen jede Woche einen Wochentrainingsplan von mir, da steht für jeden einzelnen Tag die Übungen drauf, die sie machen sollen.“

Der Coach kann es zwar nicht kontrollieren, ob seine Athleten sich an seine Vorgaben halten, er steht aber im ständigen Kontakt mit ihnen. Pierre Martin weiß aber auch, dass es zurzeit für einige schwierig ist, sich zu motivieren. Der 31-Jährige hat deswegen auch eine Idee: „Ich habe die Mannschaft motiviert, mir Videos zu schicken, wie sie sich sportlich betätigen und welche neuen Übungen sie ausprobieren.“

Die Überlegung ist, einige Videos auch auf der Instagram-Seite der Haie zu posten, damit Schwimmer, die sehr enttäuscht über die Umstände sind, dadurch neue Motivation schöpfen können. „Viele Schwimmer sind geknickt, vielleicht motivieren die Videos sie“, hoff Martin.

Die 18-jährige Alina Hermeking machte den Anfang und hat ein Video aufgenommen, wie sie auf der Terrasse auf einem Balance Board Kniebeugen mit Springen durchführt. Die angehende Abiturientin erzählt: „Ich habe das Balance Board schon öfters beim Klettern genutzt, um meine Balance zu trainieren. Dann habe ich es zu Hause nachgebaut und mir gedacht, dass man auf dem Board auch ein kleines Work-out machen könnte und mir Übungen dafür überlegt.“

Der Trainer zeigt sich von dem Video beeindruckt: „Es ist super, wenn sich die Schwimmer jetzt sportlich neue Herausforderungen suchen und Dinge ausprobieren.“

Auch Jette Lenz, mehrfache bayerische Jahrgangsmeisterin, will versuchen andere Schwerpunkte zu setzen. „Ich finde es cool, dass man in dieser Zeit auch viele neue Dinge ausprobieren kann, um sich fit zu halten und ich bin trotz der Umstände ziemlich motiviert weiter zu trainieren. Ich muss mich auch einfach bewegen“erzählt sie. Die Kraulschwimmerin ist deswegen weiterhin fleißig am Trainieren: „Seit die Schwimmbäder geschlossen sind, mache ich täglich Athletiktraining, TRX und Stabilisationsübungen mit den Plänen, die wir bekommen. Wenn das Wetter schön ist, gehe ich auch raus zum Joggen und zum Fahrrad fahren.“

Die Athleten haben bislang in der Saison hart trainiert, sich gequält, Hunderte von Trainingskilometern absolviert, da ist es verständlich, dass die Enttäuschung bei einigen aktuell sehr groß ist. Dazu Coach Martin: „Es gibt zwei Arten, wie die Schwimmer auf die Situation reagieren: Die einen haben sofort angefangen, weiterhin Sport zu machen und sich zu überlegen, welche Übungen könnte ich neu versuchen, wie kann ich mich weiterhin fit halten. Und dann gibt es die Schwimmer, die leider bisschen aufgegeben haben und sich nicht wirklich motivieren können.“

Daniela Ernst gehört zu den Schwimmern, die sofort mit dem Sport weitergemacht hat. Die 15-jährige Rückenspezialistin fährt aktuell sehr viel Rennrad. Sie erzählt: „Ich bin früher schon öfters Rennrad gefahren, weil ich meine Grundlagenausdauer verbessern wollte und Fahrrad fahren mir sehr viel Spaß macht. Da jetzt wieder geeignetes Wetter ist und ich genug Zeit dafür habe, nutze ich das gleich aus.“ Zuvor hat sie dies gemeinsam mit ihrem Teamkollegen Philipp Greßer gemacht. Aufgrund der Ausgangsbeschränkung ist dies jetzt nicht mehr möglich, doch davon lässt sich die 15-Jährige nicht negativ beeinflussen: „Jetzt greife ich halt auf Home-Training zurück.“ Die beiden sind immer zwischen 50 und 70 Kilometer gefahren: „Wenn wir wieder gemeinsam radeln können, wollen wir das auf jeden Fall noch steigern.“

Extra Motivation braucht die Medaillengewinnerin bei Deutschen Jahrgangsmeisterschaften nicht: „Das Schwimmen geht ja dann trotz kurzem Stillstand wieder weiter. Das ist ja jetzt nicht endgültig vorbei.“ Und auch ihr Teamkollege bleibt motiviert: „Auch wenn die Deutschen Jahrgangsmeisterschaften erst mal abgesagt sind, trainiere ich weiter auf mein Ziel hin und möchte es auf keinen Fall aus den Augen verlieren.“

Der Trainer lobt die beiden Rennradfahrer: „Ich finde es echt super, dass sie sich auch gegenseitig so motivieren.“

Obwohl die meisten versuchen sich mit „Home-Training“ fit zu halten, fehlt allerdings das Schwimmtraining. Schwimmer müssen viel im Wasser trainieren, viele Kilometer zurücklegen und mehrere Einheiten die Woche absolvieren. Auch wenn der Trainer der Riemerlinger Haie weiter positiv bleiben will und Trainingspläne zur Verbesserung der Athletik erstellt, weiß er auch, dass das Schwimmtraining einfach fehlt.

Der ehemalige Leistungsschwimmer bleibt realistisch: „Angenommen wir können jetzt einen Monat nicht schwimmen, also bis Ende April, dann brauche ich mindestens sechs Wochen, um alle wieder einigermaßen fit zu bekommen. Sollten die Deutschen Meisterschaften beispielsweise auf Juli verschoben werden, dann kann ich nicht viel von den Athleten erwarten. Es geht eigentlich schon wieder darum, für die nächste Saison zu planen und zu trainieren.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nervenkitzel beim Duell vom Kreidepunkt
Mindestens zehn Schützen, zwei Torhüter und – irgendwann – ein Sieger: An diesem Samstag vor 50 Jahren erfand ein Friseur aus Penzberg das Elfmeterschießen. Seither hat …
Nervenkitzel beim Duell vom Kreidepunkt
Rudolf Oswald: „Infantino hat das System Blatter perfektioniert“
In einem spannenden Online-Vortrag für die VHS-Nord des Landkreises beleuchtete der Historiker Rudolf Oswald die Schattenseiten des von so vielen Menschen geliebten …
Rudolf Oswald: „Infantino hat das System Blatter perfektioniert“

Kommentare