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Abflug nach Guinea: Victor Mansaré ist am Sonntag in München in den Flieger gestiegen.

Landesliga-Handballer Victor Mansaré spielt beim Africa-Cup

Ein Ismaninger geht für Guinea auf Torjagd

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Wer steht am Verkaufsstand? Wer putzt nach dem Spiel die Halle? Und wer organisiert die Pizza fürs Team? All diese Fragen haben die Handballer des TSV Ismaning am Freitag in ihrer internen Whatsapp-Gruppe diskutiert – so weit, so gewöhnlich am Vorabend eines Spiels. Doch dann meldete sich Victor Mansaré zu Wort – und in der Folge sei der Chat „explodiert“, berichtet der Rechtsaußen des Landesligisten.

Ismaning– Das lag nun weniger daran, dass Mansaré seinen Kollegen mitteilte, dass er keine Pizza brauche, da er es nicht zum Spiel schaffen werde. Der Grund war vielmehr der Satz, der danach folgte: „Ich fliege nämlich zum Africa Cup.“

Genauer gesagt ist Victor Mansaré am Sonntag erst mal nach Guinea geflogen, wo er zur dortigen Nationalmannschaft stößt. Gemeinsam geht es dann am Donnerstag weiter nach Tunesien – zur Afrikameisterschaft. Bei diesem Turnier, bei dem es auch um WM- und Olympia-Tickets geht, trifft Guinea im Auftaktmatch auf Ägypten, den zigfachen Titelträger und Weltranglisten-14. Und mittendrin wird Victor Mansaré vom Landesligisten TSV Ismaning sein. Der weder einen guineischen Pass besitzt noch je zuvor das Land besucht hat, aus dem sein Großvater stammt. Und auch ein offizielles Länderspiel für Guinea hat der gebürtige Coburger nicht bestritten. Noch nicht.

„Als ich die Nachricht bekommen habe, dass ich beim Africa Cup dabei bin, war ich erst mal etwas überfordert“, erzählt Mansaré. „Aber ich habe mich natürlich riesig gefreut. Das ist einfach der Wahnsinn!“ Schließlich habe er trotz seiner Nominierung für den vorläufigen Turnierkader nicht mit einer Zusage gerechnet. Doch dann ging alles ganz schnell: Am Donnerstag schrieb ihm ein Vertreter des guineischen Verbands, dass er sich gegen Gelbfieber impfen solle. Tags darauf fand sich Mansaré in der Whatsapp-Gruppe des Nationalteams wieder, wo er mit „meinen paar Brocken Schulfranzösisch“ freilich nur die Hälfte verstand. Doch dann ploppte dort die endgültige Kaderliste auf – mit seinem Namen. Kurz darauf hatte der Verband einen Flug für Mansaré gebucht, der nur einen Tag später den Flieger in die Hauptstadt Conakry bestieg.

Was ihn in Guinea und später in Tunesien erwartet? „Ganz ehrlich, das weiß ich selbst nicht so recht“, räumt Mansaré ein. Er hatte sich 2016 aus einer fixen Idee heraus via Facebook an das Nationalteam gewandt, dem Coach von seinem guineischen Opa erzählt und war dann – nachdem er dem Trainer einige Handballvideos von sich geschickt hatte – tatsächlich zu einem Freundschaftsspiel nach Paris eingeladen worden. Kurz darauf reiste das Nationalteam Ende 2017 nach München, wo Mansaré bei zwei weiteren Tests gegen den FC Bayern und den TSV Ismaning das Guinea-Trikot trug. Ein offizielles Länderspiel hat der 31-Jährige indes noch nicht bestritten. Diese Premiere will er nun beim Africa Cup feiern, bei dem Mansaré dank einer Genehmigung des Weltverbands IHF für Guinea spielen darf – obschon er nicht Staatsbürger des Landes ist.

Lesen Sie auch: Über eine Facebookanfrage ins Nationalteam

Etwa die Hälfte des Kaders spiele in Guinea, der Rest sei in Frankreich aktiv, sagt der Ismaninger. Er schätzt, dass das Nationalteam „in etwa das Niveau der 3. Liga in Deutschland hat“. Nach dem Auftaktmatch gegen Ägypten bekommt es Guinea bei seinem ersten Africa Cup überhaupt mit Kongo und Kenia zu tun. „Ich hoffe, dass ich ein paar Minuten Spielzeit bekomme“, sagt Victor Mansaré über seine Ziele in Tunesien. Ganz oben stehe aber etwas anders, betont er: „Ich will einfach nur so viele Eindrücke wie möglich mitnehmen.“

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