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Mario Matic

Tropics setzen auf Talente und Erfahrung

  • vonHarald Hettich
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Im Interview mit Cheftrainer Mario Matic wird klar: Tropics setzen auf Talente und Erfahrung

Oberhaching – Am Ende einer durchwachsenen und von der Pandemie geprägten Saison setzten die Basketballer des TSV Oberhaching im Unterbau der Zweiten Bundesliga ProB noch einmal ein echtes Achtungszeichen. Der 63:55-Prestige- und Premierenerfolg gegen den FC Bayern München II stimmte versöhnlich (wir berichteten). Mit allerdings insgesamt nur sechs Siegen aus 22 Saisonpartien landeten die Gelbhemden auf dem enttäuschenden vorletzten Tabellenplatz. Womöglich entgingen die Tropics dem bitteren Gang in die Regionalliga nur, weil der Verband in Pandemiezeiten den möglichen Abstieg für alle Teams gecancelt hat.

Nach zwei Spielzeiten in der ProB bleibt festzuhalten: Es ist noch reichlich Luft nach oben für die Oberhachinger Korbjäger. Bisweilen hängen die Körbe in Liga zwei noch zu hoch.

Das will man auf dem Kyberg künftig ändern. Mit einem Mix aus erfahrenen Kräften und neuem, jugendlichen Begeisterungsschub will man die noch relativ deutliche Leistungslücke zum Zweitliga-Durchschnittsteam möglichst schon in der kommenden Spielzeit schließen. Mit John Boyer ist eine namhafte Verstärkung fast fix. Der Spielmacher wird aller Voraussicht nach aus Vilsbiburg zu den Gelbhemden zurückkehren.

Daneben sind laut Cheftrainer Mario Matic neben diversen Talente-Auffrischungen ein bis zwei weitere namhafte Akteure im Gespräch. Fix ist da aber noch nichts.

Kein Wunder – beginnt doch die nächste Saison erst Ende September. Wir haben mit dem sportlichen Leiter der Tropics über die abgelaufene Saison und vor allem über die Basketballzukunft auf dem Kyberg gesprochen.

Hand aufs Herz, Herr Matic. Hatten Sie sich in der abgelaufenen Saison nicht etwas mehr erwartet als den vorletzten Tabellenplatz und den Klassenerhalt am grünen Tisch?

Es war nicht alles schlecht und nicht alles gut. Auf diesen Nenner würde ich die Dinge bringen. Positiv sehe ich besonders, dass sich einzelne Spieler extrem weiterentwickelt haben. Janosch Kögler ist nicht nur in der bitteren, verletzungsbedingten Abwesenheit von Kapitän Moritz Wohlers zum echten Leader geworden. Er hat sich heuer vor allem zu einem der Top-Spieler der gesamten ProB entwickelt. Eine tolle Saison unseres Topscorers. Oder nehmen wir Philipp Bode. Unser 19-jähriger Youngster musste die Lücke von John Boyer schließen, der nach Vilsbiburg gewechselt war. Am Anfang war der Junge auf der Playmaker-Position mit dieser Aufgabe auf diesem Liga-Niveau schlicht überfordert und brachte gefühlt erst einmal keinen Ball über die Mittellinie. Im Laufe de Saison ist er aber zu einem starken Point Guard gereift. Philipp hat noch jede Menge Potenzial.

Ihnen eilt der Ruf voraus, aus der Not knapper Oberhachinger Finanzmittel eine Tugend zu machen und vor allem die Jugend zu fördern, wenn das nötige „Kleingeld“ für die Arrivierten fehlt. Jetzt kommt wohl dennoch mit John Boyer ein gestandener Recke zurück. Daneben sollen ein bis zwei weitere arrivierte Kräfte folgen. Ist da noch Platz für die Bodes und Dollingers auf dem Feld?

Zunächst einmal ist der Boyer-Deal noch nicht fix. Das hängt auch davon ab, inwieweit uns unsere tollen Sponsoren trotz der Pandemie-Krise weiter unterstützen können. Da höre ich aber positive Signale. Unser Vorsitzender Bernd Schubert steht für die vielen emsigen Akteure im Verein. Dazu steht die Gemeinde Oberhaching voll hinter unserem Projekt. Fakt ist natürlich, dass wir vorrangig junge Spieler aus der Region an die fordernde Aufgabe ProB heranführen wollen. Unser Kooperationsvertag mit der TS Jahn München wird wohl nächste Saison wieder einige Talente zu uns führen. Dazu sind wir mit Benny Schröder und seinem Schwabinger IBAM-Nachwuchs-Bundesliga-Projekt im Dialog, ob er noch ein Jahr in Oberhaching dranhängt. Der 18-jährige ist eines der größten Talente im deutschen und sogar im europäischen Basketball. Mit einem weiteren Jahr in der ProB könnte er noch an athletischen Defiziten arbeiten, ehe sein Weg sicher in eine der großen Ligen führen wird. Regionalliga oder Nachwuchs-Bundesliga wären bei ihm ein Rückschritt. Ich bin da guten Mutes. Aber nur mit Talenten geht es für uns nicht. Zumal Center Bent Leuchten nach starker Saison in Oberhaching jetzt an ein US-College wechselt und auch der Verbleib von Philipp Benke noch längst nicht gesichert ist. Wir brauchen auch Erfahrung auf dem Court.

Woran denken Sie bei all den Neuverpflichtungen für die kommende Sasison?

Gezeigt hat sich in dieser Spielzeit deutlich, dass wir mindestens einen starken Distanzschützen brauchen. Janosch Kögler etwa als Hauptschütze zieht vor allem zum Korb. Unser Spiel ist bisher zu eindimensional und vorhersehbar. Dazu haben Joris Ortega und Peter Zeis nur phasenweise als Scorer voll einbringen können. Wir brauchen da mehr Power von draußen. Da waren wir heuer deutlich zu schwach. Der eine oder andere sehr namhafte Akteur ist bei uns im Gespräch. Ich kann und will aber zu diesem Zeitpunkt noch keine Namen nennen. Daneben gilt es jetzt auch mit dem angestammten Personal Gespräche zu führen. Auch wenn bei Bekteshi, Rauch und Ortega die Zeichen eher auf Abschied stehen. Dazu wird Torsten Walter seine Karriere beenden. Es besteht also Bedarf.

Wie hoch liegt die Messlatte für die kommende Saison?

MM: Das hängt von diversen Komponenten ab. Wieviel können wir investieren, welche wirklichen Verstärkungen bekommen wir. Man muss ja eines sehen. In den Playoffs sind jene Teams, die wie der FC Bayern aus einem riesigen Pool schöpfen oder zumindest ein bis zwei Amerkaner im Team haben, die jeweils 20 Punkte pro Partie garantieren. Das haben wir nicht. Wir müssen vorsichtig und umsichtig an den verfügbaren Stellschrauben drehen und können nur darauf hoffen, dass sich unser inzwischen hervorragender Ruf als Ausbildungsverein für Top-Talente und unser familiäres Umfeld für leistungswillige und starke Oldies weiter auszahlt. Wenn die Mischung passt, sind nächste Saison sogar die Meisterschafts-Playoffs drin.

Bei John Boyer scheint sich dieser tolle Ruf des TSV ja nachhaltig verfestigt zu haben. Drängen dazu aus dem eigenen, mittlerweile professionell betriebenen Nachwuchsprogramm schon ein paar Jungspunde nach oben?

Nein, das ist noch zu früh. Unser Nachwuchskonzept läuft dank Koordinator Sebastian Beckenbauer toll. Aber so etwas braucht Zeit. Bundesliga-Spieler wachsen nicht auf Bäumen. Aber die Jahn-Kooperation mit jungen und hungrigen Spielern zeigt den Weg über den Nachwuchs ja klar auf. Dazu brauchen wir aber auch noch gestandene Kräfte von außen. Damit das „kleine gallische Basketballdorf“ noch möglichst lange Akzente in Liga zwei setzt? Ja, unser Projekt ist auf Dauer ausgerichtet. Auch wenn der Weg ein ungewöhnlicher ist.

Das Gespräch führte
Harald Hettich.

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