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Mit 27 Jahren befindet sich Janosch Kögler vom TSV Oberhaching in der Hochphase seiner Basketball-Karriere.

Basketball

„Die Euphorie ist wieder volle Kanne da“

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Für große Siege gibt es manchmal auch nur kleine Belohnungen. Das war dann im Fall von Janosch Kögler immerhin eine Flasche Bier, die er mit den Oberhachinger Basketball-Kollegen in der Kabine ausgetrunken hat.

Oberhaching –  Die Pandemie und ihre Verästelungen rauben erfolgreich den Zauber der kleinen Dinge. Aber einen Siegestrank werden sie ja wohl noch einnehmen dürfen. Einen ungeschlagenen Tabellenführer, am Samstag war das Koblenz, bezwingt man nicht allzu oft. Mit einem Mal, sagt Kögler, „ist die Euphorie wieder volle Kanne da“.

Die Tropics aus Oberhaching rücken auf Playoff-Platz acht vor, Kögler führt weiterhin die Liste der besten deutschen Werfer in der 2. Liga ProB an. Wobei man das nicht so genau sagen kann, weil das Virus offenbar auch das Statistikportal der Liga befallen hat. Allerlei Datensätze gehen ab, um die Zahlen vergleichen zu können. Feststellen kann man aber: Janosch Kögler, mit 27 Jahren gerade in der Hochphase seiner Karriere, gehört zu den prägenden Figuren dieser doch einzigartigen Drittligasaison.

19 Punkte erzielt er bislang im Schnitt nach sechs Partien. Für einen Mann, der den Großteil seines Schaffens weg vom Profibasketball verbracht hat, ist das ein enormer Aufstieg.

Kögler, um diesen Vergleich zu bedienen, ist so etwas wie ein Selfmade-Profi. Streng genommen darf er sich gar nicht Vollzeitsportler nennen, weil er nebenher arbeitet, wie viele bei den Tropics. Aber das passt schon in dem Sinn, dass sich der 1,90-Meter-Mann von den Niederungen der Sportart bis in die Dritte Liga hochgearbeitet hat.

Die Rolle des Förderers fällt Mario Matic zu, Trainer in Oberhaching. Für diese Spielzeit hat sich der Coach mal wieder ein neues Sudoku ausgedacht, das sein Schüler lösen muss: Er soll jetzt den Spielaufbau mitkoordinieren. Das hat er zwar früher mal daheim beim SV Germering und auch in jungen Jahren beim FC Bayern gemacht, aber natürlich nicht annähernd auf diesem Niveau. Man muss wissen: Die meisten Klubs der Pro B schaffen sich für diese verantwortungsvolle Aufgabe Importspieler an – wie etwa Koblenz. Oberhaching hatte für diesen Job vorige Saison noch drei gelernte Aufbauspieler, John Boyer, Chris Würmseher, Justin Hedley, die aber alle gegangen sind. Also schulte Matic ein paar andere um. „Mir gibt das Vertrauen, wenn der Coach hinter einem steht“, sagt Kögler. Im Grunde musste sich nur die mentale Schranke heben, über die passende Technik verfügt der Germeringer ohnehin. Sobald man ein, zwei Mal an seinem Gegenspieler vorbeikomme, „hast du die Sicherheit“, erklärt er. Gegen Koblenz füllte sich der Selbstvertrauensspeicher bereits nach fünf Minuten. Am Ende kam er auf zehn Punkte und vier Vorlagen.

Am Beispiel Janosch Kögler lässt sich ganz gut aufzeigen, was sich bei den Tropics vom ersten Jahr aufs zweite gewandelt hat. Eine Saison brauchten sie zum Akklimatisieren. Sie hielten oft wacker mit, aber das reicht nicht.

Wer in die Playoffs möchte, und das hat sich das Team zum Ziel gesetzt, muss auch gewinnen. „Samstag hat uns gezeigt, dass wir jeden schlagen können“, sagt Kögler. Die Mannschaft ist gereift, sie trainiert jetzt auch regelmäßig mit zehn oder mehr Mann dreimal die Woche. Das sind dann kleine Zuckerschübe, die mehr Leistung bewirken und die auch die Konkurrenz wahrnimmt.

Janosch Kögler hat gemerkt, wie ihn die Gegner auf einmal anders anpacken. Sie haben ja auch gesehen, wie er am ersten Spieltag Speyer gleich einmal 27 Punkte einschenkte, viele davon direkt in Korbnähe - seine große Stärke. Sie pflastern jetzt den Weg dorthin zu, zwingen ihn zu werfen. „Das hab’ ich schon gespürt.“ Daran wird er arbeiten. Basketball ist eine Evolution. Und Köglers finale Stufe ist noch lange nicht erreicht.

Die Tropics entwickeln sich
Schritt für Schritt
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