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Auf eine erfolgreiche Premieren-Saison in der ProB: (v.l.) Jugendkoordinator Sebastian Beckenbauer, Chef-Trainer Mario Matic, der neue Co-Trainer Milos Kandzic und TSV-Vorstand Bernd Schubert stehen für das Team des Aufsteigers TSV Oberhaching. 

Start ins Abenteuer Profi-Basketball

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Die Basketballer des TSV Oberhaching haben offenbar ihre Hausaufgaben gemacht. Wenn sich am kommenden Samstag mit dem Saisonauftakt der Zweiten Liga ProB gegen die scanplus Baskets Elchingen der Vorhang für künftig höherklassige Basketballweihen des TSV Oberhaching hebt, dann sind die Vorarbeiten auf und neben der Hallenfläche in Deisenhofens Grundschul-Sportzentrum abgeschlossen.

Oberhaching – TSV-Vorstand Bernd Schubert und der sportliche Leiter Mario Matic haben mit einem kleinen Team aus zumeist ehrenamtlichen Werklern während der letzten Monate ein kleines sportlich-organisatorisches Wunder zusammengezimmert. Klar, erst haben die Riesen vom Kyberg die Erste Regionalliga Südost dominiert und den Meistertitel eingefahren. Doch der Marsch in den Unterbau der Deutschen Basketball-Bundesliga wäre ohne das riesige Engagement von Verein, Gemeinde und Sponsoren nicht möglich gewesen.

Sie haben es geschafft. Das Abenteuer Basketball im Profizirkus kann beginnen. Während andere Clubs in der Zweiten Basketball-Bundesliga bereits ganze „Staffs“ für Merchandising und Logistik beschäftigen, ist die umfassende Arbeit rund um die Spielfläche in Oberhaching noch Sache einer kleinen wackeren Dutzends. Beim Ortstermin vor dem Ligastart müssen die Werbebanner und Liga-Logos in der Halle erst noch angebracht werden. „Das soll die nächsten Tage geschehen. Ich bin ohnehin fast nur noch in der Halle“, erzählt der umtriebige Vorstand Bernd Schubert. „Aber es geht ja auch ein Traum in Erfüllung“, gesteht der Macher hinter den Kulissen. Der Traum, den einstigen Kreisligisten nach Serienaufstiegen bis in die oberste Amateurliga, die Erste Regionalliga, nun auch noch einen entscheidenden Schritt weiter zu führen: auf Profiniveau.

„Lustig ist, dass bei uns aber kein Profi spielen wird“, erklärt Mario Matic. Der Mann ist Trainer, sportlicher Hintergrund-Zampano und Planer für dies und das in Personalunion.

Über die Höhe des Etats für die neue Spielzeit auf ungewohntem Terrain lassen sie auch bei hartnäckiger Nachfrage nichts verlauten. Nur so viel: „Wir sind die absolut Kleinsten in dieser Liga“, so Matic und Schubert unisono.

Während etwa der Premieren-Gegner Ehingen als einer der Meisterschaftsfavoriten auf einen vollen Profikader setzt, bauen sie auf dem Kyberg vorrangig auf den Regionalliga-Meisterschaftskader. Lediglich an wenigen personellen Stellschrauben wurde gedreht (wir berichteten). Vorrangig junge, hungrige Talente sollen mit starkem Teamspirit und einigen Leitwölfen den sportlichen Spagat zwischen Mini-Etat und Klassenerhalt schaffen. „Wir bauen auf den Teamgedanken, bei uns sind die Jungs auf und neben dem Feld Freunde“, bemüht Matic Persönliches. „Wir werden nicht gleich wieder absteigen, nachdem wir uns mühevoll nach oben gekämpft haben“, ergänzt Schubert kämpferisch.

Der Aufwand bis hierher war ohnehin immens. „Die Halle war das größte Problem“, beschreibt Schubert. „Wir mussten uns gemeinsam mit der Gemeinde mächtig strecken“. Heute ist er voll des Lobes. Es wird von der Gemeinde alles ermöglicht, um uns zu helfen.“ Notwendige Umbauten und Fluchtwege wurden im Schnellverfahren kreiert, die Zuschauerkapazität wird die Liga-Forderung von 500 plus erfüllen. Daneben hat sich der Verein auch für die spieltäglichen Abläufe auf die Hinterbeine gestellt. Es wird WLAN für die Berichterstatter geben, ein Catering mit Tagesessen, VIP-Stand, Bier- wie Sekttheke soll den „Event-Charakter“ unterstreichen. Ein DJ soll an Heimspieltagen nach nachmittäglichen Nachwuchsspielen die Halle pünktlich zum Match der „Ersten“ kräftig anheizen. Auch die Video-Technik wurde für die Nachbetrachtung im Web und die Spielanalyse nach Verbandsvorgaben aufgerüstet.

„All diese Aufgaben mussten wir nicht extern vergeben – hier hat sich eine Gruppe von knapp einem Dutzend Ehrenamtlicher zusammengefunden“, zeigt sich Schubert stolz. Wer gar nicht mehr genug kriegen kann von den „Tropics“, der kann sich gleich eine Dauerkarte für die elf Heimspiele der Grundsaison inclusive der Playoffs oder Playdowns zulegen. „Vierzig Euro sind dafür wohl nicht zu viel“, glauben Schubert und Matic. Mit rund 250 Zuschauern am neuen Heimspieltermin Samstag abend plant man im Schnitt. „Das ist im Ligavergleich natürlich ein Riesensprung.“ Genau wie beim Sponsoring. Fünf größere Geldgeber, drei mittlere und verschiedene kleinere Sponsoren und Spender aus der Region hätten laut Schubert zusammen dazu beigetragen, die strengen Etatvorgaben der Liga zu erfüllen. Dafür wurden viele Klinken geputzt. Doch als die potenziellen Geldgeber merkten, mit wieviel Verve hier gearbeitet wird, sei der Unterstützerstrom stärker geworden.

Nun fiebern sie alle dem Startschuss entgegen. Wer mag, kann künftig auch in leuchtenden Fantrikots mitfiebern. Immerhin 80 sind schon verkauft.

Zu tun gibt es dennoch noch immer genug. Flyer-Aktionen in den Gemeinden der Region sollen Lust auf Basketball über die Briefkästen in die Herzen der Sportfreunde zaubern und möglichst viele Schlachtenbummler in die Halle locken.

Mit dem neuen Jugendkoordinator Sebastian Beckenbauer ist den Tropics auch um die Zukunft nicht bange. „Wir haben bisher sieben Nachwuchsteams, die Nachfrage aus der Umgebung ist auch dank unserer intensiven Zusammenarbeit mit den Schulen immens“, sagt Beckenbauer. Einheitliche Trainingspläne sind das Ziel im Nachwuchsbereich. Dazu eine verbesserte taktische und athletische Grundausbildung. „Noch sind die raren Hallenzeiten ein Problem“, gesteht Schubert. Aber durch die Wiedereröffnung der Kyberghalle und jener am Gymnasium entspanne sich die Trainingszeiten-Situation auch für den Gesamt-TSV mit seinen rund 3500 Mitgliedern. „Das Jugendkonzept wird in jedem Fall bleiben - unabhängig auch von einem möglichen, sportlichen Abstieg der ersten Mannschaft“, erklärt Mario Matic. „Wir steigen nicht ab“, grinst Schubert seinem „Toptrainer“ entgegen. „wir wollen gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern nicht nur einmal im Oktober im Audi-Dom spielen“, freut man sich bereits aufs Lokalderby der der besonderen Art. Man darf den Optimismus des TSV insgesamt jedenfalls durchaus teilen. Schließlich haben die Tropics ja ihre vielen Hausaufgaben gemacht.

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