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Geduld ist gefragt beim TSV Unterhaching. Das weiß auch Trainer Patrick Steuerwald. Foto: Günther Panhans

Volleyball

Steuerwald ist als Lehrer gefordert

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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Lernen ist manchmal ein mühseliger Prozess. Gerade Schüler und Studenten wissen davon ein Lied zu singen, von denen die Volleyball-Mannschaft des TSV Unterhaching ja einige zu bieten hat. Die mussten in der Bundesliga-Partie bei den United Volleys Frankfurt erfahren, dass auch um sportliche Fortschritte mitunter zäh gerungen werden muss. Beim 0:3 (16:25, 18:25, 14:25) gelang es den Hachingern trotz ordentlicher Phasen nicht, nahtlos an die sichtbare Entwicklung der ersten drei Partien anzuknüpfen.

Unterhaching–   „Die Satzergebnisse waren zu hoch, da müssen wir uns an die eigene Nase fassen“, räumte Trainer Patrick Steuerwald selbstkritisch ein.

Steuerwald, 34, ehemaliger Nationalspieler mit 125 Länderspielen, ist sozusagen der Chefpädagoge der TSV-Klasse. Und ein guter Lehrer ist ja bekanntermaßen viel wert auf dem Weg zur angestrebten Reife. Deshalb dürfen sich die Hachinger nach der durchwachsenen Leistung zumindest mit der Einschätzung von Daniel Malescha trösten, der sich geradezu als Steuerwald-Fan outete: „Nano war ein Jahr mein Zuspieler in Herrsching. Ich fand ihn da schon genial. Er hat mir viel geholfen, das Spiel zu verstehen, auch in Friedrichshafen, wo er letztes Jahr mein Co-Trainer war“, charakterisierte Frankfurts Angreifer den Haching-Coach. Und weiter: „Er ist ein geiler, lustiger Typ, wie man so sagt, aber auch mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Er hat unglaublich viel Ahnung von Volleyball, und eine angenehme Art, das rüberzubringen.“

Maleschas Lobeshymne verspricht also beste Aussichten für den langfristigen Hachinger Lernerfolg. Dass er Geduld mit seiner jungen Truppe braucht, weiß Steuerwald selbst am besten: „In den nächsten zwei, drei Spielen wird sich nicht viel ändern, das ist ein langfristiger Prozess. Wir zeigen immer wieder, dass wir es drauf haben, aber wir müssen es über längere Zeit durchhalten. Es fehlt die Konstanz.“

Malescha brachte den Unterschied zwischen beiden Teams so auf den Punkt: „Wir haben mehr Druck und weniger Fehler im Aufschlag gemacht. Und in schwierigen Situationen machen wir den Punkt, wo die Hachinger doch den einen oder anderen Fehler mehr machen als wir.“

Die Gründe für diese Diskrepanz liegen allerdings auf der Hand, und dafür steht gerade Malescha beispielhaft: Der 26-jährige Nationalspieler war vor der Saison von Rekordmeister VfB Friedrichshafen eigentlich als Diagonalspieler nach Frankfurt gewechselt.

Weil aber Tim Grozer, wichtiger Außen- und Annahmespieler der United Volleys verletzt war, musste er diesmal den Bruder von Superstar Georg Grozer ersetzen. „Ich habe das in der Jugend schon mal gespielt und beim Beachen nehme ich auch ab und zu an“, erklärte Malescha seine mehr als solide Leistung, die ihm die goldene MVP-Medaille als wertvollster Spieler einbrachte.

Seine etatmäßige Position war indes alles andere als verwaist: Da hatten die Frankfurter mit dem 37-jährigen Jochen Schöps einen Mann mit der Erfahrung von 318 Länderspielen in petto. Diese Kluft in puncto Routine war für die Hachinger um ihren MVP Jonas Sagstetter einfach noch unüberbrückbar, vor allem zu Beginn und am Ende des Spiels.

„Wir haben gebraucht, um reinzufinden, haben es dann viel besser gemacht, uns reingekämpft. Aber wir haben zu viele unnötige Fehler gemacht, waren zu hektisch. Die Frankfurter haben uns einfach die Bälle gegeben und auf unsere Fehler gewartet“, bilanzierte Steuerwald.

Einen Selbstläufer sah Malescha in dem glatten Sieg allerdings auch wieder nicht: „Wir hatten die Unterhachinger taktisch gut analysiert, das ist schon Arbeit. Wir mussten klar und deutlich unser Spiel runterspielen, sie von Anfang an unter Druck setzen. Gerade im zweiten Satz hat man gesehen, wenn sie mithalten, es bei ihnen läuft und du selber die Sachen nicht so genau ausspielst, dann machen die schon auch Punkte.“

Und weil Steuerwald und seine Klasse die Mühen des Lernens nicht scheuen, sollten es im Rückspiel schon einige Zähler mehr sein.

Daniel Malescha
als wertvollster
Spieler geehrt

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