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Training unter freiem Himmel: DFB und Landesverbände appellieren an die Politik, organisiertes Sporttreiben vor allem für Kinder und Jugendliche wieder zuzulassen.

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Sportvereine im Corona-Sturm

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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Die Sportverbände sorgen sich um den Nachwuchs: Führt die Corona-Pandemie zu vermehrten Abmeldungen von Kindern und Jugendlichen aus den Vereinen? Angesichts des aktuellen Sportverbots wegen der zweiten Infektionswelle haben wir  uns  Merkur bei einigen Vereinsverantwortlichen im Landkreis zu den Auswirkungen der Krise auf den Juniorenbereich umgehört.

Landkreis –Die Sportverbände sorgen sich um den Nachwuchs: Führt die Corona-Pandemie zu vermehrten Abmeldungen von Kindern und Jugendlichen aus den Vereinen? Der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) beklagte unlängst jedenfalls, dass die Mitgliederzahlen in Bayerns Sportvereinen im Kinder- und Jugendbereich bereits im Frühjahr nach dem ersten Lockdown um fünf Prozent zurückgegangen seien. Angesichts des aktuellen Sportverbots wegen der zweiten Infektionswelle hat sich der Münchner Merkur bei einigen Vereinsverantwortlichen im Landkreis zu den Auswirkungen der Krise auf den Juniorenbereich umgehört.

Mihai Paduretu, Geschäftsstellenleiter des TSV Unterhaching: „Aktuell sind nicht nur die Austritte das Problem, sondern wir bekommen keine neue Beitrittserklärungen mehr. Alle Interessenten wollen erst mal schauen, wie sich die Situation weiterentwickelt. Im Zeitraum Juni bis Oktober konnten wir dank des großen Engagements unserer Abteilungs- und Übungsleiter einiges an Mitgliedern wieder gutmachen, der erneute Lockdown bringt alle Sportvereine aber in eine schwierige Lage.“

Lars Frederick, Volleyball-Leiter weibliche Jugend beim TSV Unterhaching: „In unserem Jugendvolleyball-Bereich gab es keine erhöhte Anzahl an Vereinsaustritten, ganz im Gegenteil! Gerade in den letzten Monaten hatten wir eine erfreulich starke Zunahme an Neumitgliedern. Die letzten zwei Neuanmeldungen habe ich erst am Mittwoch vor den Ferien erhalten, sowie ein Telefongespräch mit weiteren Interessenten geführt. Wir können momentan in den älteren Altersklassen kaum noch neue Mitglieder aufnehmen. Ich halte auch während des Lockdowns möglichst engen Kontakt zu unseren Kindern und Eltern. So halten es alle unsere Trainer. Momentan bieten wir zur Überbrückung des jetzigen Lockdowns Online-Trainingsstunden an. Zudem informieren wir immer wieder per Mail oder WhatsApp über die aktuelle Lage im Verein. Mich können die Kinder oder Eltern jederzeit direkt anschreiben oder anrufen, gerne auch per WhatsApp. Das wird sehr rege genutzt und hilft uns, den Kontakt zu halten und die Identifikation mit dem Verein nicht zu verlieren.“

Dennis Petersen,Jugendleiter des FC Deisenhofen: Wir haben in der Jugend keinen Trend zu mehr Abmeldungen als sonst. Natürlich hört immer wieder jemand auf, wegen der Schule oder wegen Lustlosigkeit, aber alles in allem sind wir sehr gut durchgekommen, haben eher ein leichtes Plus an Mitgliedern. Im oberen Jugendbereich spielen wir auch nicht viel in der Halle, treffen uns vielleicht mal, um Futsal zu spielen. Im unteren Bereich könnte es aber ein Problem werden, wenn man nicht in die Halle kann. Da trainieren wir normalerweise zweimal in der Woche, dazu gibt es alle zwei, drei Wochen ein Turnier. Wenn da langfristig nichts geht, könnte das Auswirkungen haben. Die Jungs würden sich dann etwas anderes suchen, ein anderes Hobby entwickeln, sie müssen ja etwas mit ihrer Zeit machen. Falls es aber wieder erlaubt ist, hätten wir, auch von der Gemeinde her, grundsätzlich sofort die Möglichkeit, Hallenzeiten zu belegen. Allerdings würden wir auf Turniere verzichten, sondern nur Freundschaftsspiele austragen, ohne Zuschauer. Weil die Spiele schnell vorbei sind, wäre damit wohl kein Infektionsrisiko verbunden.“

Rudolf Jaron,Jugendleiter von HT München: „Die Trainingsbeteiligung bei der Jugend war seit dem ersten Lockdown sehr hoch. Dies zeigt zum einen den hohen Stellenwert, den Handball als Mannschaftssportart mit seinem gemeinsamen Training bei unseren Jugendlichen hat, und zum anderen spiegelt es die gute Arbeit im Verein wider. Dadurch haben wir auch eine sehr geringe Anzahl an Abmeldungen. Positiv würde ich auch gern herausstellen, dass wir bisher von den Hauptvereinen TSV Unterhaching und SV-DJK Taufkirchen und beiden Gemeinden sehr gut unterstützt wurden.“

Enrico Tzschoppe, stellvertretender Leichtathletik-Abteilungsleiter und Trainer der U14 und U12 beim TSV Unterhaching: „Eine erhöhte Anzahl an Abmeldungen können wir nicht feststellen. In den Trainingsgruppen U16, U14 und U12 haben wir coronabedingt keinen einzigen Austritt. Die Eltern und Kinder können die Situation gut einschätzen und wissen, dass der Verein nichts dafür kann. Durch E-Mails und Trainingspläne für zuhause hielten wir im Frühjahr und halten wir aktuell den Kontakt zu den Eltern und Kinder. Zudem begannen wir im Mai, zum Zeitpunkt der ersten Lockerungen, umgehend mit dem Kleingruppentraining und in den Sommerferien sind wir sogar in Feriencamps gefahren.

Matthias Schmidt,Fußball-Abteilungsleiter TSV Ottobrunn: Nach dem ersten Lockdown hatten wir keine Kündigungen. Die Trainer haben da gute Arbeit geleistet, ihre Teams zusammengehalten. Da muss ich ihnen ein großes Lob aussprechen. Ihr Engagement ist der wichtigste Faktor, um möglichen Abmeldungen entgegenzusteuern. Im Kleinfeld, beim Fußball-Kindergarten und den G-Junioren, hatten wir sogar einen Zulauf, weil viele Eltern rauswollten mit ihren Kindern. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Es gab jedenfalls keine Eltern, die gesagt haben, wenn ich zehn Euro zahle, will ich auch eine Gegenleistung. Wir haben die Mitglieder auch immer informiert, wie es weitergeht. Geld zurückzuzahlen dürfen wir als gemeinnütziger Verein von der Satzung her gar nicht.“

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