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Trainingslager des internationalen Entwicklungs-Camps

Vizeweltmeister Gerald Asamoah zu Gast in der Sportschule Oberhaching 

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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Es ist Mittag, die Trainingsstunde geht zu Ende, und Dr. Rainer Koch, einer der Gastgeber, schaut vorbei, um eine Rede zu halten. Doch erst mal kommt er gar nicht dazu.

Oberhaching – Der 60-Jährige wird in den Kreis integriert, um mitzusingen und mitzutanzen. Koch, Richter mit Halbtagesstelle, Präsident des Bayerischen Fußballverbandes, Vize beim DFB und bald wohl auch der deutsche Vertreter in den Gremien von UEFA und FIFA, wird zur bunten Runde zwangsgesellt. Die Teilnehmer des siebentägigen Kurses „Sport für Entwicklung“ stammen aus Albanien, Kolumbien, Ghana, Indonsien, Jordanien. Kenia, Libanon, Mazedonien, Marokko, Namibia, Palästina, Senegal, Togo, Uganda, natürlich auch aus Deutschland, sie sind Trainer im Fußball, Schwimmen, Basketball, Taekwondo, Handball, Leichtathletik, Ultimate Frisbee, Capoeira, Turnen, Volleyball. Auch Britta Heidemann steht auf dem Rasenplatz der Sportschule Oberhaching, die deutsche Fechtolympiasiegerin, mittlerweile in der Athletenkommission des IOC vertreten, sagt begeistert: „Die Kraft des Sports ist unerschöpflich.“

Einer der Platzwarte in Oberhaching wunderte sich über diese Gruppe, wollte Näheres wissen. Zur Erläuterung: Schon zum dritten Mal gab es diese „Sport für Entwicklung“-Woche, sie ist ein Projekt mit mehreren Trägern: DFB, Deutscher Olympischer Sport-Bund, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung plus der GIZ, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Einer, der immer kommt, ist Gerald Asamoah, geboren in Ghana, als Zwölfjähriger nach Deutschland gekommen und Fußball-Nationalspieler geworden, Vizeweltmeister 2002. Er ist auch Schalker durch und durch, Teammanager der zweiten Mannschaft, und sieht generös drüber hinweg, dass eine der afrikanischen Teilnehmerinnen einen Borussia-Dortmund-Beutel trägt. „Die kenne ich schon“, sagt Asamoah und lacht.

Zu Clemens Tönnies, dem Mann aus seinem Verein, der die Nachrichtenlage mit rassistischen Sprüchen beherrscht hatte, will er jetzt nichts mehr sagen. Aber es ist zu spüren, wie über dieser Auflage des Camps die Mission steht, ein anderes Bild zu entwerfen aus dem deutschen Sport. Und überhaupt: Wie Sport Menschen zusammen bringt. Gerald Asamoah: „Die Leute hier kennen sich nicht, wenn sie herkommen, aber es geht ganz schnell, dass man den Eindruck gewinnt, sie würden sich seit Jahren kennen.“ Es ist nicht nur ein Austausch der Kulturen, sondern der Sportarten. Also kein reines Fußball-Camp. Zum Aufwärmen hat man ein paar Taekwondo-Moves gemacht.

„Die Internationalität der Kurse motiviert“, findet Rainer Koch. Er erläutert den tieferen Sinn der Zusammenkunft. Der deutsche Sport wolle ein Partner sein und für Themen sensibilisieren, „wir fühlen uns verantwortlich für die Welt“. Kochs Beispiel: „Zwei nebeneinander stehende Bäume. Am linken bringe ich einen Zettel an: Am Freitag von 14 bis 15 Uhr Informationen zur Prävention von HIV. Am rechten Baum: Am Freitag von 14 bis 16 Uhr Fußball.“ Seine Einschätzung: „97 Prozent werden sich für Fußball entscheiden.“ Seine Lösung; „Aber weil man nicht zwei Stunden durchspielen kann, machen wir Pausen, in denen wir Bildungsinhalte anbringen.“ Vor allem HIV- und Gewaltprävention.

Die Teilnehmer sind Trainer- und Trainerausbilder, sie geben, was sie in Oberhaching erfahren haben, weiter; sie sind Multiplikatoren. Koch geht noch den ganzen Teilnehmerkreis ab. Handschlag und Erkundigung: „Where do you come from?“ - „From Germany.“ Heiterkeit, Applaus und noch ein Gruppenfoto. Koch sagt: „Kommen Sie wieder!“

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