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Im gesamten deutschen Volleyball ruht ab sofort der Ball.

Volleyball in der Corona-Krise

Ausländische Profis wollen heim

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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Volleyball in der Corona-Krise: Ausländische Profis wollen heim.

Unterhaching/Innsbruck Es wird nicht mehr geschmettert, geblockt und gebaggert: Nachdem die Volleyball-Bundesliga (VBL) am Donnerstag Nachmittag verkündet hatte, wegen des Coronavirus die Saison in der 2. und 3. Liga zu beenden, aber im Oberhaus zumindest noch die letzten beiden Spieltage der Hauptrunde über die Bühne zu bringen, um danach über die mögliche Durchführung der Play offs zu entscheiden (wir berichteten), folgte am Abend auch für die höchste Spielklasse das endgültige Aus, um „die erhöhten Risiken der Ansteckung im Sinne der Gesundheit der Spielerinnen und Spieler“ zu vermeiden. Eine Verschiebung mache „der straffe Zeitplan des Volleyball-Weltverbandes (FIVB), der ab dem 19. Mai weiterhin Spiele in der Volleyball Nations League (VNL) vorsieht, (...) unter dem Gesichtspunkt der verlässlichen Planbarkeit unmöglich“, hieß es. Zugleich wurde bekanntgegeben, dass es 2020 keinen Meister und keinen Regelabsteiger gibt. Der wirtschaftliche Gesichtspunkt habe bei der Entscheidung durchaus eine Rolle gespielt, dabei sei zwischen den Zuschauereinahmen auf der einen sowie Hallenmiete und Reisekosten auf der anderen abgewogen worden, so wurde von der VBL verlautbart. Und noch ein anderer Aspekt sei in die Überlegungen mit eingegangen: Einige ausländische Profis hätten darum gebeten, in ihre Heimatländer zurückkehren zu dürfen, solange Reisen aus Deutschland dorthin noch möglich seien.

VBL-Präsident Michael Evers bedankte sich bei den Vereinen „für die konstruktiven Gespräche und die schnellen Beschlussfassungen.“ Man habe Flexibilität bewiesen. „In Zeiten der Unsicherheit ist es wichtig, Einheit zu zeigen und auch eigene Interessen dem Wohl der Gemeinschaft unterzuordnen. Das haben alle Beteiligten vorbildlich getan“, sagte Evers weiter. Liga-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung räumte ein, dass die fehlenden Zuschauereinnahmen aus den Play offs viele Vereine hart träfen und kündigte an, sich auf politischer Ebene für Ausgleichszahlungen einzusetzen, „wie sie in anderen Wirtschaftszweigen möglich oder angedacht sind“.

Kurios aus Sicht der Alpenvolleys Haching war am Donnerstag der zeitliche Ablauf: Sie traten drei Stunden nach der ersten VBL-Mitteilung in Innsbruck vor leeren Rängen gegen die Helios Grizzlys Giesen an, wahrten mit einem 3:0 (25:22, 25:15, 25:20) ihre Minimalchance, sich vom vierten Rang noch nach vorne zu schieben. Knapp eine Stunde nach Spielende kam dann das endgültige Saison-Aus. Alpenvolleys-Sportdirektor Mihai Paduretu zeigte Verständnis: „Die Lage hat sich in den letzten Tagen so oft geändert, dass die VBL das auch nicht vorher wissen konnte. Aber es war die richtige Entscheidung.“ Auch Hannes Kronthaler, Manager der Spielgemeinschaft aus Innsbruck und Unterhaching, befürwortete den Saisonabbruch: „Für den Sport ist es allgemein eine Katastrophe, aber es bleibt keine andere Wahl.“ Paduretu berichtete zudem, dass Simeon Topuzliev und Valentin Blaginov, die Bulgaren in Diensten des Zweitligafünften Alpenvolleys Haching II, zu jenen Spielern zählen, die schnell in die Heimat wollen: „Sie fliegen am Montag nach Sofia und werden wahrscheinlich 14 Tage in Quarantäne bleiben.“ Allgemein beurteilt Paduretu die derzeitigen Gegebenheiten rund um das Coronavirus in einer Mischung aus Gelassenheit und Vorsicht: „Erst mal ist wichtig, dass jeder mit der aktuellen Situation irgendwie zurechtkommt, dann schauen wir in einer Woche weiter. Es kann niemand genau sagen, wie es sich entwickeln wird, es gibt aber laut Internet einige Länder, die die Lage anscheinend in den Griff bekommen haben. Das hoffen wir alle auch.“

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