Grübeln über den nächsten Zug: Max Hess bei seinem Remis gegen Großmeister Falko Bindrich. Foto: Arne Jachmann/DSB
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Grübeln über den nächsten Zug: Max Hess bei seinem Remis gegen Großmeister Falko Bindrich.

Fide-Meister vom Schachclubs Garching belegt bei DM den dritten Platz

Zwangspause beflügelt Max Hess

  • vonGuido Verstegen
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Es ist sein bis dato größter Erfolg: Max Hess vom Schachclub Garching 1980 hat bei den Deutschen Meisterschaften in Magdeburg den dritten Platz belegt – und dabei nur gegen den späteren Sieger Luis Engel verloren. Dass er eine Woche später bei den Bayerischen Meisterschaften in Rosenheim dann als Titelverteidiger Dritter wurde, konnte der 23-Jährige angesichts des überraschenden Triumphzuges bei der DM verschmerzen.

Garching – Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Zwangspause hat Max Hess allem Anschein nach gut genutzt, zumindest hat ihn die Krise nicht ausgebremst. Obwohl genau das sein Gefühl war im März dieses Jahres: „Corona hat mir damals den Wind aus den Segeln genommen“, sagt er rückblickend. „Es war ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar, und der Durchbruch schien überfällig.“

Jetzt – also sechs Monate später, ohne jede Spielpraxis im persönlichen Duell am Brett – hat der 23-Jährige genau das geschafft. Der Fide-Meister aus den Reihen des Schachclubs Garching 1980 ist auf dem Sprung in die Klasse der internationalen Meister, hat mit dem dritten Rang bei der Deutschen Meisterschaft eine wichtige Norm erfüllt, wäre nach Elo-Punkten schon drin (2420 statt der erforderlichen 2400) und verpasste mit seiner Platzierung im Hotel Maritim in Magdeburg hauchdünn die Qualifikation für die renommierten German Masters – dort starteten nur der neue Deutsche Meister Luis Engel (Hamburger SK von 1830) und der Vize Alexander Graf (SF Deizisau).

Vor seiner DM-Premiere war Max Hess „einfach nur froh, dass es wieder losgeht mit echten Wettbewerben“, jetzt freut er sich über seinen „Riesenerfolg“. Neun Partien absolvierte er in dem Turnier nach Schweizer System, führte sich mit dem Auftaktsieg gegen Rolf Hundack (Bremer SG von 1877) gleich gut ein und ließ sich nach seinem Remis gegen Thies Heinemann (Hamburger SK von 1830) auch von der Niederlage gegen den späteren Deutschen Meister Luis Engel (ebenfalls Hamburg) nicht beeindrucken. Hess: „Luis ist erst 17 und hat ein fantastisches Turnier gespielt, aber ich habe ihm mit Schwarz einen langen Kampf geliefert.“ Es blieb Hess‘ einzige Niederlage bei immerhin fünf Duellen mit Großmeistern und einer Partie gegen einen internationalen Meister (insgesamt je vier Siege und Remis). Mit der in seinen Augen besten Turnierleistung besiegte er zum Abschluss auch Fide-Meister Thilo Ehmann (SF Sasbach) sowie den Ex-Nationalspieler und Großmeister Alexander Graf (SF Deizisau), der mit 0,5 Punkten Vorsprung auf Hess Zweiter wurde.

Auf die Frage nach den Gründen für seinen Erfolg fand Max Hess eine überraschende Antwort. „Ich habe noch nie so wenig Schach gespielt wie in Zeiten von Corona“, stellte er lächelnd fest – und fügte hinzu: „Klar, ich hab’s auch online versucht und war auch in einer Online-Liga dabei, aber irgendwann ist mir das alles auf den Geist gegangen.“

Und so liegt die Ursache vermutlich im unbefangenen Auftreten des Mathematik-Studenten an der TU München, der sich selbst als „intuitiven, durchaus unorthodox agierenden Schachspieler“ einschätzt: „Ich habe mich in Magdeburg einfach wohl gefühlt und bin jeden Morgen zum Laufen raus.“ Er habe gegen stärkere Gegner in der Vergangenheit oft „nicht das nötige Präzisionslevel erreicht“, das sei diesmal eben anders gewesen. Mit den Corona-üblichen Abstandsregeln und der beim Turnier vorgeschriebenen Maskenpflicht – nur am Brett fiel der Mund-Nasen-Schutz weg – hatte der gebürtige Kemptener keine Probleme, auch wenn das ständige Maskentragen im Hotel mitunter schon eine Herausforderung war.

Schließlich wohnte Max Hess zwei Wochen am Stück im Hotel, gleich im Anschluss an die DM stand die Bayerische Meisterschaft auf dem Plan: „Mit dem Zug ging es nach München, dort hat mich ein befreundeter Schachspieler aufgegabelt und mit dem Auto nach Rosenheim mitgenommen – daheim in Garching war ich zwischendurch gar nicht.“

2019 hatte Hess in Rosenheim noch den Titel abgeräumt, diesmal reichte es nur zu Platz drei. Traurig war er deshalb nicht: „Das passt schon so.“ Er habe gleich in der zweiten Runde eine Partie „ganz blöd verloren“, zudem habe ihn eine unter der Woche anstehende mündliche Online-Prüfung an der Uni mehr beschäftigt, als ihm lieb war. Als die überstanden war, lief es für ihn am Brett deutlich besser. Hinter dem punktgleichen Alexander Belezky (FC Bayern München, beide 6,5) und dem neuen Titelträger Philipp Müller (SK Rochade Augsburg, 7,5) wurde Max Hess Dritter, zwei aufregende Schach-Wochen fanden ihr Ende. Die nächsten Turniere können kommen, und auch an der Uni geht es weiter – in den kommenden Wochen nimmt der 23-Jährige seine Masterarbeit in Angriff.

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