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Der Wille zum Neuanfang muss aus dem DFB kommen

Kommentar zur Fritz Kellers Abgang: Schlussworte voller Klarheit

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
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„Mein Rücktritt wird die Probleme innerhalb des DFB nicht lösen“, sagt Fritz Keller zum Abschied. Ein Kommentar von Günther Klein vom Münchner Merkur.

München - Fritz Keller hat zu seinem Abschied vom Deutschen Fußball-Bund eine Erklärung verschickt, die gelungen ist. Kein Relativieren seines unsäglichen Freisler-Vergleichs, als Konsequenz daraus der Rücktritt als DFB-Präsident – dennoch wird der Winzer aus Freiburg nicht den Weg in die soziale Ächtung gehen müssen. Denn er liefert eine treffliche Analyse: Wie dieser Verband aufgestellt ist, wo die Fehler liegen, an welchen Machtstrukturen er, Keller, gescheitert ist. Fritz Keller hat sich dadurch die Chance erhalten, dass man ihn nicht als gesellschaftlich und im Fußball verbrannt wahrnimmt.

Seine klaren Schlussworte stehen nur halt im Gegensatz zu seinen teils irrlichternden Auftritten zuvor – wie zuletzt dem, als er an der Seite seines Gegenspielers Dr. Rainer Koch in unangenehmem Ton die Politik zur sofortigen Genehmigung eines breiten Amateurspielbetriebs nötigen wollte. Oder zu seinen naiven Anbiederungen, der DFB* mit den über sieben Millionen Menschen, die er repräsentiert, könnte ein eigenes Testnetz aufbauen. Aus beiden Vorhaben ist nichts geworden.

Es braucht Veränderungen beim DFB, die weit über ein personelles Revirement hinausgehen

Eigentlich hätte Fritz Keller*, der bis dahin ein zufriedenes Leben beim SC Freiburg*, in der zweiten Reihe des Profifußballs, führte, sich dieses Amt als DFB-Boss nicht aufbürden lassen dürfen. Er sah darüber hinweg, dass die, die ihn holten, gar nicht daran interessiert waren, dass er ein Präsident mit Einfluss sein würde. Seine kraftvollen Worte vom Aufräumen, seine Ankündigung von Reformen wurden beim DFB-Bundestag 2019 auch scheinheilig von denen beklatscht, die Keller als integre Vorzeigefigur missbrauchen wollten. Er dachte wohl, dass er sich mit Persönlichkeit und guter Sacharbeit über statuarische Grenzen würde hinwegsetzen können – das war Kellers Irrtum. Nun schreibt er: „Mein Rücktritt wird die Probleme innerhalb des DFB nicht lösen.“ Ein wahrer Satz.

Es braucht Veränderungen, die weit über ein personelles Revirement hinausgehen. Darum ist es auch nicht gewinnbringend, wenn man die Diskussion über die Zukunft des Verbandes rein über die Spitzenpersonalie führt. Manche Vorschläge, die derzeit zu hören sind und bis zu Bundeskanzlerin Angela Merkel reichen, weil die doch ab Herbst Zeit habe, haben schon was von Comedy und entwerten das Amt weiter. Der Wille zum Neuanfang muss aus dem DFB kommen. (GÜNTER KLEIN, Guenter.Klein@merkur.de)

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