Seit Monaten ruht im Amateurbereich der Ball. Wann es weitergeht ist nicht absehbar.
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Seit Monaten ruht im Amateurbereich der Ball. Wann es weitergeht ist nicht absehbar.

 „Im Freien treten so gut wie keine Ansteckungen auf“

Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch: „Fußball ist völlig unbedenklich“

  • vonAlexander Nikel
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Der Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch spricht sich klar für eine Öffnung des Sports aus. Die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft sei kaum vorhanden.

Seit Beginn der Coronapandemie ist der Sport und darunter vor allem auch der Amateurfußball ein häufig diskutiertes Thema. Nach zeitweiser Fortsetzung des Spielbetriebs ruht dieser seit der Winterpause. Der Abbruch der Saison 2019/21 ist nur noch Formsache. Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch spricht sich dagegen für Mannschaftssport aus und hält die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus beim Training und bei den Spielen im Freien für so gut wie ausgeschlossen. „Fußball ist völlig unbedenklich. Bei Indoor-Sportarten muss man genauer hinschauen, aber auch hier ist Angst aus meiner Sicht unangebracht“, sagte der 65 Jahre alte Biophysiker im Interview auf dfb.de. „Sporthallen sind in der Regel sehr groß. Wenn man dort nicht Unmengen an Menschen versammelt und darüber hinaus eine gute Lüftung hat, ist auch Indoor-Sport möglich.“ Die angesprochene Lüftung ist dabei entscheidend.

Gerhard Scheuch ist für die allgemeine Öffnung des Sports- auch Indoor

Scheuch geht sogar noch weiter und spricht eine klare Empfehlung pro Öffnung der Sportmöglichkeiten aus: „Im Freien treten so gut wie keine Ansteckungen auf. In Irland sind in einer Studie 232.000 Infektionsfälle untersucht worden, 260 davon sind unter freiem Himmel aufgetreten. In anderen Worten: 99,9 Prozent der Covid-19-Ansteckungen erfolgen in geschlossenen Räumen. Ich würde Öffnungen für den Sport daher sehr befürworten.“

Selbst Fußball-Training nur in Kleingruppen oder kontaktfrei sei nicht notwendig. „Spielformen, Zweikämpfe, also ein ganz normales Mannschaftstraining sind problemlos möglich“, sagte Scheuch. „Kleingruppen und Training streng auf Abstand ergeben keinen Sinn.“

Gerhard Scheuch über Sportverbot: „Es ist Wahnsinn, was wir aktuell machen“

Auch ein eine Einteilung in Bezug auf das Alter, inwiefern Trainings erlaubt ist, hält Scheuch für unnötig: „Das Alter ist egal, weil es so gut wie keine Ansteckungen im Freien gibt. Von daher könnte man das aufheben.“ Zeitweise war für bis zu 20 Kinder das Fußballspielen erlaubt, für Jugendliche und Erwachsene nur in Zweiergruppen. Auch die englische Variante des Virus sieht er im Zusammenhang mit Sport als nicht gefährlicher an: „Die Mutation ist an der frischen Luft genauso wenig ansteckend wie die alten Varianten. Darum gibt sie der Diskussion zu diesem Thema keine andere Grundlage und Richtung.“

Für das grundsätzliche Verständnis sei wichtig: Ansteckungen würden durch Aerosole, nicht durch Kontakte entstehen. „An der frischen Luft verflüchtigen sich Aerosole sehr schnell, die nötige Konzentration für eine Ansteckung wird dadurch nicht erreicht“, erklärte der Forscher. Darüber hinaus seien die Kontaktzeiten im Fußball ohnehin sehr kurz. „Darum: Lasst die Leute, speziell die Kids, wieder kicken. Es ist ja Wahnsinn, was wir aktuell machen“, meinte Scheuch und fügt an: „Vergesst die Angst. Das Risiko an der frischen Luft wird leider an vielen Stellen heillos überschätzt. Erst kürzlich bin ich ernsthaft gefragt worden: "Wann darf ich wieder rausgehen?" Da bin ich fast vom Glauben abgefallen.“

(Alexander Nikel/dpa)

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