Maurice Schreibmann und der TSV Maccabi München verzichten auf große Feierlichkeiten - um diese kümmert sich der Dachverband Makkabi unter anderem mit den Deutschland Games im September.
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Maurice Schreibmann und der TSV Maccabi München verzichten auf große Feierlichkeiten - um diese kümmert sich der Dachverband Makkabi unter anderem mit den Deutschland Games im September.

Dachverband Makkabi mit diversen Veranstaltungen

1700 Jahre Juden in Deutschland: TSV Maccabi München hält sich zurück

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Makkabi Deutschland, der jüdische Turn- und Sportverband, zelebriert 2021 das 1.700-jährige Jubiläum jüdischen Lebens in Deutschland. Der TSV Maccabi München verzichtet bewusst.

München - In diesem Jahr steht für die jüdische Bevölkerung in Deutschland ein wichtiges Jubiläum bevor: 1700 Jahre jüdisches Leben auf dem heutigen deutschen Gebiet. Makkabi, der Dachverband der jüdischen Turn- und Sportvereine in der Bundesrepublik, zelebriert das Festjahr mit einigen Veranstaltungen - vorausgesetzt, Corona lässt es zu. Der TSV Maccabi München hingegen, der einzige jüdische Klub in der bayerischen Landeshauptstadt, verzichtet bewusst auf Feierlichkeiten anlässlich des Festjahres.

Maurice Schreibmann: „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen“

Maurice Schreibmann, Beisitzer des Vorstandes des TSV Maccabi München, hat eine klare Überzeugung: „Wir sind offen für alle, jüdisch wie nicht-jüdisch, und wollen mit gutem Beispiel vorangehen. Familie ist die Basis von allem.“ Schreibmann ist besonders stolz auf die Jugendarbeit des TSV: „Natürlich ist unsere erste Mannschaft das Aushängeschild, für uns sind aber die Jugendmannschaften viel wichtiger. Nach 17 Jahren haben wir das erste Mal eine sehr gute A-Jugend in der Kreisklasse, die künftig zu den Herren wechselt. In der Jugend gilt bei uns aber trotzdem das Prinzip: Es muss Spaß machen.“

Anlässlich des 1.700-jährigen Jubiläum plant man in München aber nicht viel - man konzentriert sich auf den Verein und auf den Fußball: „Die politische Arbeit, die wir mitinitiiert haben, führt der Dachverband fort. Wir machen aber bei vielen anderen Aktionen, wie beispielsweise ‘Nie wieder!‘, mit. Außerdem machen schon so viele etwas für das Jubiläum, da nutzen wir die Kraft, die wir im Moment haben, lieber für unseren Verein“, führt der Manager des TSV weiter aus.

Makkabi Deutschland: 32. Walther-Bensemann-Gedächtnisturnier im Juli

Seit dem Jahr 321 leben nachweislich Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Der Verein ‘321 - 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e. V.‘ kümmert sich um Workshops, Ausstellungen und mehr. Ziel des Vereins ist es, „jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarkenden Antisemitismus entgegenzusetzen“. Der offizielle Start in das Jubiläumsjahr erfolgte bereits am 21. Februar mit dem Festakt ‘1700 Jahre jüdischen Leben in Deutschland‘, der neben weiteren Reportagen und Dokumentationen live im Fernsehen gezeigt wurde.

Der Dachverband Makkabi ist Mitveranstalter des 32. Walther-Bensemann-Gedächtnisturnier, bei dem auch Zeitzeugen eingeladen sind. Das Turnier wird vom 22. bis zum 25. Juli in Kooperation mit der Initiative ‘Nie wieder!‘, dem Zweitligisten 1. FC Nürnberg und dem ‘Kicker‘ in Nürnberg ausgespielt. Mit dem Projekt ‘Kein Platz für Antisemitismus auf deutschen Sportplätzen‘ nimmt Makkabi an der aufklärenden und bildenden Seite des Events teil. Das Turnier verbindet laut Jule Brahms, Sportreferentin bei Makkabi, „das lebendige Judentum mit der historischen Verantwortung, sich als Deutsche mit der Vergangenheit zu befassen.“

Makkabi Deutschland Games im September

Makkabi organisiert zudem die Deutschland Games, die in diesem Jahr vom 2. bis 5. September in Düsseldorf ausgetragen werden. Neben den 37 deutschen Ortsvereinen lädt der Dachverband auch jüdische und nicht-jüdische Sportler aus den Makkabi-Verbänden in Europa und Israel ein. 

Das Event wird einen jüdischen Rahmen innehalten: So steht beispielsweise koscheres Essen auf dem Speiseplan, zudem wird am Freitagabend das Kabbalat Schabbat gefeiert: „So ermöglichen wir einerseits unseren jüdischen Athleten, ihre Traditionen zu leben und gewähren andererseits den nicht-jüdischen Teilnehmern einen Einblick in das gelebte moderne Judentum“, so Jule Brahms.

Maurice Schreibmann: „Das ist eine deutsche Sache, für die sich die Politik einsetzt“

In München wird alles bewusst eine Nummer kleiner gefeiert, sagt Maurice Schreibmann: „Das Jubiläumsjahr ist in der jüdischen Welt und in der jüdischen Gemeinde hier kein Thema. Das ist eine deutsche Sache, für die sich die Politik einsetzt“. 

Beim TSV will man sich auf das Miteinander aller Menschen unterschiedlichster Geschlechter, Herkünfte oder Religionen durch den Sport konzentrieren. „Ja, wir sind ein jüdischer Verein und ja, wir spielen an Samstagen und Feiertagen nicht. Unsere Vision ist es aber nicht, das Judentum zu promoten oder zu zeigen, dass Maccabi ein jüdischer Verein ist. Wir wollen als ganz normaler Verein agieren. Das ist unsere Vision“, so Schreibmann.

Maccabi München will Antisemiten keine Plattform bieten

Im Kampf gegen Antisemitismus versucht der Verein, alle Vorkommnisse so schnell es geht aufzuarbeiten: „Es kommt leider vor. Wir haben mittlerweile alles gehört und gehen allen Fällen mit den jeweiligen Vereinen nach. Wir machen das aber nicht öffentlich, um die Antisemiten nicht aufzubauschen und um denen keine Plattform zu bieten.“ 

Die meisten Vorfälle können untereinander geklärt werden, heftigere Sachverhalte werden aber beim BFV gemeldet: „Wir versuchen, die Fälle nicht vors Sportgericht zu bringen. Wenn die Beleidigungen aber in Gewalt ausarten, sehen wir keine andere Option“, so Schreibmann.

(Paul Ruser)

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