Ein starkes Team: Theresa Weiß, Anna Stanka, Elisabeth Kleber und Barbara Wagner (von vorne) verstehen sich nicht nur am Schießstand, sondern auch privat gut.
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Ein starkes Team: Theresa Weiß, Anna Stanka, Elisabeth Kleber und Barbara Wagner (von vorne) verstehen sich nicht nur am Schießstand, sondern auch privat gut.

SCHIESSEN

Die Ausnahme im Oberland - SV Peiting tritt in der Luftgewehr-Bezirksoberliga mit vier Frauen an

  • vonChristian Heinrich
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Der SV Peiting ist in der Luftgewehr-Bezirksoberliga eine Besonderheit. Der Verein tritt mit vier Frauen an. Ein Ende dieser Tatsache ist nicht in Sicht.

Peiting – „Es fehlt irgendetwas“, sagt Elisabeth Kleber. Nachdem sich Deutschland seit Anfang November im Teil-Lockdown befindet, muss die Luftgewehrschützin des SV Peiting auf ihre Lieblingsbeschäftigung verzichten. Der Rundenwettkampf in der Bezirksoberliga ist erst einmal ausgesetzt bis zum 31. Dezember. Wie und wann es danach weitergehen soll, weiß kein Mensch. Sicher ist nur, dass es in dieser Saison weder einen Aufsteiger noch einen Absteiger geben wird.

Nur einmal hatte der Schützenverein von 1882 das Vergnügen, sich mit dem Gegner zu messen. Da die FSG Partenkirchen ihr Team aus dem Wettbewerb zurückzog, fiel der Saisonauftakt gleich ins Wasser. Zwei Wochen später hatten die Corona-Infektionszahlen in Bayern schon ein solch hohes Niveau erreicht, dass die Auseinandersetzung mit dem SV Prem als Fernwettkampf ausgetragen wurde. „Wir waren ganz zufrieden“, räumt Kleber ein, auch wenn das Schießen mit 14 Ringen Unterschied verloren ging.

Das Quartett aus Peiting gilt im Oberland als Ausnahmeerscheinung. Kein anderer Verein beordert in der Bezirksliga vier Damen an den Start. Mit Emanzipation hat das Ganze nichts zu tun. Eher damit, dass im Ort die Burschen lieber Fußball oder Eishockey spielen und um das Schützenheim einen großen Bogen herum machen. Nur ein paar Buben bringen es mit der Flinte auf ein gewisses Niveau, aber es reicht bei weitem nicht aus, um mit den Madeln zu konkurrieren.

Männer im Ort mit anderen Interessen

„Wir würden auch gerne einen Mann aufnehmen“, beteuert Kleber, die als Sportliche Leiterin über die Ausbildung beim SV wacht. Aber was will sie tun, wenn vor allem die Mädchen das Luftgewehr für sich entdecken und voller Ehrgeiz schnelle Fortschritte erzielen? Ändern wird sich an der Weiberwirtschaft in Peiting deshalb erst einmal nichts. „Es kommen eher die Mädels nach, die wir einbauen werden“, konstatiert Kleber, dass sich der Trend noch verstärkt.

Die Konkurrenz wird dies gerne zur Kenntnis nehmen. Als sich die Mannschaft vor ungefähr fünf Jahren formiert hat, war das Erstaunen bei den anderen Vereinen groß, als auf einmal vier Damen in deren Schützenheimen aufschlugen. „Ich glaube, die haben sich schon ein wenig gewundert, dass wir vier Mädels sind“, erzählt Kleber. Noch größer war die Verwunderung, als die Peitingerinnen ihre Zielkünste mit dem Luftgewehr vollführten. Seitdem wissen die Rivalen, dass mit dem Team nicht gut Kirschenessen ist.

Nur der Schützenmeister darf mal aushelfen

Aus der Mannschaft ragt Barbara Wagner heraus, die sich in den Gefilden von um die 390 Ringen tummelt. Hinter der Nummer eins streiten sich Anna Stanka und Elisabeth Kleber um den zweiten Platz in der internen Rangfolge. Vierte im Bunde ist die Kapitänin Theresa Weiß, die an guten Tagen 380 Zähler erreichen kann. „Im Prinzip sind wir echt ein super Team“, ist Kleber stolz auf sich und ihre drei Gefährtinnen. Der gute Geist in der Mannschaft wird dadurch genährt, dass die vier Schützinnen auch privat miteinander harmonieren und manches gemeinsam unternehmen. „Wir verstehen uns alle sehr gut“, sagt Kleber. Männer würden bei dieser trauten Runde vielleicht nur stören. Nur einer besitzt das Privileg, das Quartett zu ergänzen, wenn eine der vier Athletinnen unpässlich ist: Schützenmeister Martin Fischer springt hin und wieder ein. Ansonsten haben in Peiting die Frauen die Schießhosen an.

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