Alexander Niggl (li.) und Thomas Brenzing von den Herren 40 des TC Peiting im Heimsieg gegen den Münchner SC ein.
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Leistungsfördernder Diskurs: Alexander Niggl (li.) und Thomas Brenzing fuhren mit Peitings Herren 40 einen überraschenden Heimsieg gegen den Münchner SC ein.

TENNIS: TC Peiting in der Landesliga

Ein verschworener Haufen - und erfolgreich obendrein

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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Jahr für Jahr ist der Klassenerhalt das Ziel. Und Jahr für Jahr schaffen dies die Herren 40 des TC Peiting diesen in der Landesliga auch. Das jüngste Heimspiel verlief geradezu dramatisch.

Peiting – Als Thomas Brenzing mit dem Tennis begann, boomte diese Sportart allerorten. Selbst in den entlegenen Regionen wie dem Pfaffenwinkel. Nach der Schule trafen sich die jungen Leute am Tennisplatz. „Da hast gar nichts ausmachen müssen, der ganze Platz war voll“, erinnert sich Thomas Brenzing, mittlerweile 49 Jahre alt und Mannschaftssprecher der Herren 40 des TC Peiting.

Vom roten Sand aus zogen sie weiter ins Freibad. So verging Sommer um Sommer, und aus den kleinen Steffi-Graf- und Boris-Becker-Fans wurden ordentliche Tennisspieler. Wenn sie heute, vier Jahrzehnte später, gegen die Herren-Mannschaft antreten, was manchmal zur Gaudi passiert, haben sie die meisten im Griff. Tennis ist nicht Fußball, es nagt weit weniger am Körper. In der Regel gewinnt schon der, der am besten mit dem Schläger umgehen kann, und nicht der Fitteste.

In diesem Jahr musste das Trainingslager ausfallen

Mittlerweile hat Thomas Brenzing ein Alter erreicht, in dem der Tennisplatz nicht mehr das zweite Zuhause ist. Einmal die Woche trainieren sie noch zusammen, freuen sich über die Getränke danach genauso wie über ihre Siege. Diese Gemeinschaft hat sie immer ausgezeichnet, sonst wären sie nie so weit gekommen. Seit über einem Jahrzehnt treten sie in der Landesliga an, fahren mal nach Neuburg an der Donau, mal an den Bodensee. Damals, als sie in die Altersklasse „Herren 30“ wechselten, beantragten sie beim Verband einen Quereinstieg, um nicht ganz unten anfangen zu müssen. Aber es gab keine freien Plätze. Sie stiegen dann einfach ein paar Mal auf und fanden sich in der Landesliga wieder. Seitdem heißt es Jahr für Jahr: „Der Klassenerhalt ist ganz klar unser Ziel. Wenn wir die Liga nicht halten sollten, geht die Welt aber nicht unter“, so Brenzing.

In dieser Saison, Sommer 2021, ist alles nicht so leicht. Ein Jahr haben die Peitinger pausiert. Den Corona-Quatsch mit vielen Auflagen und wenig Spaß sparten sie sich voriges Jahr. Sie hätten sich 150 Kilometer verschwitzt ins Auto hocken müssen, weil duschen untersagt war. Immerhin setzte der Verband Auf- und Abstieg aus. Peiting blieb in der Landesliga. Ein Jahr danach fühlt sich vieles wie früher an. Gut, das traditionelle Trainingslager in Kroatien entfiel. „Für viele gehört das dazu“, sagt Brenzing. Sie fahren nun an den Gardasee, diesmal aber erst nach der Saison. Man arrangiert sich. Manchen, wie Teamchef Brenzing, hat das Jahr ohne Wettkampf auch gut getan. Er hat sich an der Schulter operieren lassen. Dafür sind die Rosenauer-Brüder weggebrochen. Sie schauen trotzdem zu – Team ist Team. „Wir sind ewig beinand“, sagt Brenzing.

TC Peiting siegt viermal im Extra-Satz

Über die Jahre sind sie zu diesem verschworenen Haufen geworden: Der Kern um Thomas Brenzing kennt sich schon sehr lange. Reiner Hain stieg nach der Eishockey-Karriere wieder ein, Martin Kindermann kam als Lehrer in die Region, Ulf Barlag und Alexander Niggl suchten nach Mitspielern in ihrem Alter und auf ihrem Level. Gemeinsam behaupten sie sich in der Landesliga. Im Grunde ist es jedes Jahr der gleiche Kampf. Die Münchner Großklubs wählen aus einem riesigen Pool aus. Bei Luitpoldpark München etwa stehen 51 Mann auf der Meldeliste. Auf den Spitzenpositionen bieten einige Mannschaften Top-Leute auf, gelegentlich sogar Importkräfte für ein paar Euro. „Bei uns sind keine Granaten vorne dran“, scherzt Thomas Brenzing, „wir sind eher eine ausgeglichene Mannschaft“. Gewiss, ein Reiner Hain oder ein Christian Huber (beide (Leistungsklasse 7) schlagen schon einmal einen solchen Ausnahmekönner. Wie geschehen am vergangenen Sonntag, als Huber den Top-Mann des Münchner SC im Tiebreak 11:9 bezwang.

Auch das ist interessant: Die Fallschirmspringer aus Altenstadt holten beim World Cup in Rijeka zahlreiche Podestplätze. Dressurreiterin Alexandra Maier schaffte beim Optimum in Balve ein besonderes Debüt. Eishockeyspieler Dominik Bittner blickt zufrieden auf seine erste Eishockey-WM zurück.

6:3 gewann der TC Peiting die Partie. Diese kühlen Zahlen schaffen es nicht auszudrücken, welch’ Wahnsinn sich auf der Anlage abspielte. Viermal siegten die Peitinger im Extra-Satz, Huber, Brenzing sowie Martin Sebralla im Einzel, dazu Huber und Niggl im Einser-Doppel. Vor der Partie hatte Thomas Brenzing noch zu Protokoll gegeben: „Die Münchner machen einen sehr ordentlichen Eindruck“, was gewissermaßen auch ein Understatement war, hatte der SC doch seine Auftaktpartie gegen Schießgraben Augsburg mit 9:0 zu seinen Gunsten entschieden. Andere Dinge mögen im Laufe der Jahre wichtiger geworden sein, aber der Ehrgeiz hat nicht abgenommen. „Aufregen kann ich mich schon noch“, witzelt Brenzing.

Feiern und Freuen klappt genauso, wie die Heimpartie am Sonntag gezeigt hat. Nach dem ersten Erfolg dieser Saison sieht es gut aus mit dem Klassenerhalt. Wie lange es noch so weitergeht mit diesem Team, möchte man wissen. „Wir schauen von Jahr zu Jahr, wie’s körperlich geht“, sagt der Mannschaftsführer. Der Älteste stehe mit 75 Jahren noch auf dem Platz, wirft einer ein. Thomas Brenzing nickt. „Wir spielen gerne“, sagt er schließlich. Außerdem ist die Anlage wieder voll belegt. Mit Corona haben einige das Tennis wiederentdeckt. Es ist ein bisschen wie früher.

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