Schussgewaltig: Markus Gleich gehört zu den besten Abwehrspielern der DEL2. Aufgrund einer Gehirnerschütterung ist der Peitinger aber seit Monaten zum Zusehen verdammt. Foto: Avanti

Nach Gehirnerschütterung

Markus Gleich: „Der Schmerz war immer da“

  • schließen

Peiting - Markus Gleich gehört zu den besten deutschen Verteidigern der DEL2, war Meister und Pokalsieger mit den Bietigheim Steelers. Mitte September zog sich der 28-Jährige eine schwere Gehirnerschütterung zu und hat seitdem kein Pflichtspiel mehr absolviert. Im Interview spricht der Peitinger über seine Leidenszeit, schlimme Kopfschmerzen, die Unterstützung seiner Familie und die Gefahr, in Depressionen zu verfallen.

Herr Gleich, die wichtigste Frage zu Beginn: Wie geht es Ihnen heute?

Es geht aufwärts, danke. Seit ein paar Wochen habe ich keine Kopfschmerzen mehr, habe sogar wieder angefangen zu trainieren. Allerdings nur auf dem Fahrrad und im Kraftraum. Bis ich wieder auf dem Eis stehen kann, wird es aber noch dauern. Geduld ist in meiner Situation das Wichtigste. Man darf nichts überstürzen, muss sich langsam wieder heranarbeiten. Aber bei einer Gehirnerschütterung kann man keine genaue Prognose abgeben. Der Heilungsprozess kann Wochen, aber auch Jahre dauern. Also abwarten, wie sich die Situation in den kommenden Wochen entwickelt. Allerdings muss ich zugeben, dass es langsam wieder kribbelt. Vielleicht kann ich in den Playoffs (beginnen im März, die Red.) wieder auflaufen. Aber wie gesagt. Ich muss und werde geduldig sein.

Können Sie beschreiben, wie Ihr Alltag in den vergangenen Monaten ausgesehen hat?

Ich hatte 24 Stunden am Tag Kopfweh. Wenn ich in der Nacht aufgewacht bin, hat es weh getan, wenn ich nur auf der Couch gesessen, die Wand angestarrt habe, hat es weh getan. Der Schmerz war einfach immer da. Es ist, als hätte ich durchgehend Migräne gehabt – und das fast vier Monate am Stück. Ich konnte zum Beispiel nie länger als zehn Minuten fernsehen, ohne dass die Schmerzen schlimmer wurden. Auch beim Zeitunglesen war nach einer halben Seite Schluss.

Als Leistungssportler sind Sie eigentlich ständig in Bewegung. Hat Sie das Herumsitzen nicht wahnsinnig gemacht?

Doch. Ich mache seit über 20 Jahren Sport, seit sieben Jahren professionell. Wenn dann ein Spaziergang mit der Tochter die einzige echte Bewegung am Tag ist, fehlt einem irgendwann der Ausgleich. Das geht auch an die Psyche.

Besteht die Gefahr, in eine Depression zu verfallen?

Die Ärzte haben mir gesagt, dass es bei Menschen mit langwierigen Gehirnerschütterungen durchaus vorkommt, dass sie Selbstmordgedanken hegen. Das war bei mir nie der Fall. Ich habe immer versucht, positiv zu bleiben, nach vorne zu blicken. Ich konnte mich allerdings auch immer auf die Unterstützung meiner Familie verlassen. Meine Frau und meine kleine Tochter haben mir in der schwierigen Zeit beigestanden und mich auch abgelenkt. Wenn man alleine mit so einer Situation klarkommen muss, ist die Gefahr, depressiv zu werden, sicher höher. Zum Glück ist die schlimmste Phase vorbei.

Wann haben Sie das erste Mal gemerkt, dass es Ihnen besser geht?

Das war zwei Tage nach Weihnachten. Ich war mit meiner Familie zuhause in Peiting und hatte beim Aufstehen keine Kopfschmerzen mehr. Da habe ich mir gedacht, ich probier’s jetzt einfach mal, habe mir mein Mountainbike geschnappt, bin bis zum Windrad am Bühlach gefahren. Es war nur eine kleine Runde, aber als ich gemerkt habe, dass die Schmerzen nicht zurückkommen, habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind.

Ihr Team, die Bietigheim Steelers, eilt in der DEL2 derzeit von Sieg zu Sieg. Wie hart ist es für Sie, nur zusehen zu können?

Ich freue mich, dass es bei den Jungs so gut läuft. Das gibt mir auch mehr Zeit, mich vollständig zu erholen. Wenn wir weiter hinten in der Tabelle stehen würden, hätte ich sicher mehr Druck, schnellstmöglich aufs Eis zurückzukehren. Aber wie gesagt: Bei einer Gehirnerschütterung muss man geduldig sein, sonst erleidet man schnell einen Rückfall. Aber natürlich wäre ich lieber mit meinen Kollegen unten auf dem Eis als oben auf der Tribüne.

Können Sie sich eigentlich noch an die Situation erinnern, die zu Ihrer Verletzung geführt hat?

Ich kann mich nur an die ersten fünf Minuten des Spiels (in Ravensburg, die Red.) erinnern. Danach an nichts mehr. Aber ich habe einen sogenannten Open-Ice-Check kassiert. Ich habe den Gegner nicht kommen sehen, war deshalb nicht vorbereitet. Deshalb war der Einschlag so hart. Klar geworden bin ich aber erst wieder, als ich zuhause in meiner Wohnung in Bietigheim war.

Zuhause? Sind Sie nicht sofort ins Krankenhaus gebracht worden?

Ich wurde noch im Stadion von den Ravensburger Ärzten untersucht und beobachtet. Anscheinend, auch daran kann ich mich nicht erinnern, war ich aber so klar, dass man mich nach Hause geschickt hat. Komischerweise sind die Kopfschmerzen auch erst zwei oder drei Tage später richtig schlimm geworden.

Anfang Dezember war in einer Zeitung zu lesen, dass Ihnen das Karriereende droht.

Als ich das gelesen habe, war ich auch überrascht. Der Journalist, der das geschrieben hat, hat weder mit mir, noch mit jemandem aus dem Verein gesprochen. Ich weiß nicht, woher er seine Informationen hatte, kann aber sagen, dass sie falsch sind. Ich habe nie über das Karriereende nachgedacht.

Eine Gehirnerschütterung und ihre Folgen

Was ist eine Gehirnerschütterung?
Unter einer Gehirnerschütterung versteht man die leichteste Form einer Schädel-Hirn-Verletzung. Meist ist sie eine Folge von Unfällen beim Sport, im Haushalt oder bei der Arbeit.
Wie entsteht eine Gehirnerschütterung?
Das Gehirn befindet sich gut geschützt im Inneren des Schädels und ist von einer Flüssigkeit umgeben. Bei einem stumpfen Schlag gegen den Kopf oder einem Aufprall stößt das Gehirn von innen gegen die Schädelwand. Dabei können Nervenzellen und -bahnen gezerrt, gequetscht oder zerstört werden..
Welche Symptome gibt es?
Charakteristisch für eine Gehirnerschütterung sind unter anderem kurze Erinnerungslücken, die häufig den Zeitraum vor, manchmal auch nach dem Unfall betreffen. Es kann auch sein, dass der Betroffene für kurze Zeit das Bewusstsein verliert. In vielen Fällen führt die Verletzung zu mäßigen, mitunter auch starken Kopfschmerzen, die oft von Schwindel, Übelkeit und Erbrechen begleitet sind. Als Ausdruck der vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns reagieren manche Menschen mit einer Gehirnerschütterung auch empfindlich auf Licht oder laute Geräusche. Auch der Geruchs- und Geschmackssinn kann vorübergehend irritiert sein.
Welche Therapieformen gibt es?
Eigentlich keine. Da eine Gehirnerschütterung weder beim Röngten, noch bei einer Computertomographie zu sehen ist, kann sie nicht behandelt werden. Es gibt lediglich die Möglichkeit, durch schmerzstillende Medikamte oder Physiotherapie die Leiden des Patienten zu lindern. Die wichtigste Maßnahme bei Patienten mit den Symptomen einer Schädel-Hirn-Verletzung ist, ernstere Verletzungen wie z.B. Schädelbruch oder Hirnblutung auszuschließen.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion