Bild aus Vor-Corona-Tagen: Beim Turnier des LRFV Burggen (hier ein Foto von 2019 mit Brigitte und Lea Schnack) waren die Jüngsten in der Führzügelklasse dabei. Der Verein hat sein für Juli geplantes Jubiläumsturnier absagen müssen.
+
Bild aus Vor-Corona-Tagen: Beim Turnier des LRFV Burggen (hier ein Foto von 2019 mit Brigitte und Lea Schnack) waren die Jüngsten in der Führzügelklasse dabei. Der Verein hat sein für Juli geplantes Jubiläumsturnier absagen müssen.

Reiten

Erster Schritt für Reiter gemacht - noch viele Fragen offen

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
    schließen

Seit Montag erfahren die Reiter im Landkreis gewisse Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Trotzdem bleibt vieles noch Ungewissheit.

Landkreis – Zu denjenigen Sportlern, die zumindest gewisse Lockerungen der Corona-Beschränkungen erfahren, zählen die Reiter. Training und vor allem Unterricht ist seit Montag unter Auflagen erlaubt. Von einem Normalzustand sind Ställe und Vereine aber noch weit entfernt. Und es bleibt viel Ungewissheit.

Pferdefreunde Fischen

„Im Verein haben wir noch nicht so eindeutig geklärt, wie wir vorgehen werden“, sagt Johanna Sirch, die bei den „Pferdefreunden Fischen“ die Ausbildung leitet. „Wir fangen langsam wieder an, vermutlich mit Einzelreitstunden für die Fortgeschrittenen.“ Die können allein aufsatteln und kommen mit dem Pferd allein zurecht. Anfänger hingegen „benötigen noch viel Hilfe“, so Sirch. Und das ist ein gewaltiges Problem, denn die Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung sieht für den Trainingsbetrieb eine „kontaktfreie Durchführung“ vor. Bei den „Pferdefreunden Fischen“ können Kinder ab sechs Jahren das Reiten erlernen. Dort gibt es feste Gruppen meist mit fünf Kindern. Erlaubt sind laut Verordnung aber nur Gruppen „von bis zu fünf Personen“, und da gehört der Trainer dazu. Im Falle des Fischener Klubs fällt also ein Kind pro Einheit weg. „Wir sind am Überlegen, ob wir die Teilnehmer durchrotieren“, sagt Sirch.

Die „Pferdefreunde Fischen“ haben sechs Schulpferde, während der vergangenen Wochen kümmerten sich die erfahreneren Reitschüler darum, dass die Tiere bewegt wurden. „Ein Pferd ist kein Sportgerät, das man in die Ecke stellen kann“, sagt Sirch. Neben Betreuung und Bewegung fallen Kosten durch Nahrung, Hufschmied und Tierarzt an. In der Zeit des Lockdowns hatte der Verein „gar keine Einnahmen“, sagt Sirch. In Nöte gerieten die „Pferdefreunde“ deswegen ihr zufolge aber nicht. Sirch würde auch gern wieder an Turnieren teilnehmen. „Man hat dann ein Ziel, das spornt einen an“, sagt die Fischenerin. Die 25-Jährige ist, so wie Vater Robert und die jüngere Schwester Sofia, vor allem in der Vielseitigkeit mit Erfolg unterwegs.

Gut Schörghof

Froh, dass wieder Reitunterricht möglich ist, ist Konstanze Lohrer von der Reitschule auf Gut Schörghof. Mit Blick auf die weiter geltenden Hygienevorschriften sagt sie aber auch: „Es wird nicht einfach.“ Das Team hat sich Lohrer zufolge schon zusammengesetzt und beraten, wie ein vorschriftsmäßiger Ablauf gelingen könnte. Für gewöhnlich tummeln sich in der Reitschule pro Tag zwischen 15 und 20 Kinder und Jugendliche. Es wird auf Gut Schörghof Unterricht in den Bereichen „Dressur“, „Springen“ und „Longe“ angeboten. Nach den Vorgaben des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes muss für jedes Schulpferd ein eigenes Putzzeug benutzt und nach der Benutzung desinfiziert werden. Die Reitschule hat vier Großpferde und vier Ponys, auf denen Reitunterricht angeboten wird. Zum Start der Lockerungen werden erst einmal die Fortgeschrittenen zum Zug kommen.

Neben der Reitschule gibt es auf dem Anwesen von Baronin Annabel von Bechtolsheim auch „Einsteller“, die ihre Pferde dort untergebracht haben. In den Zeiten des Lockdowns wurden über ein „elektronisches Reitbuch“ Slots zu je 90 Minuten vergeben; maximal vier Reiter durften gleichzeitig auf die Anlage. Diese strenge Handhabung „dürfen wir nun auflösen“, sagt Lohrer. Es können mehr Personen kommen und auch länger bleiben. Allerdings ist weiter eine Dokumentation nötig, wer wann vor Ort war, um Infektionsketten nachverfolgen zu können. Unklar ist, ob die Ferienkurse für Kinder von acht bis 18 Jahren auf Gut Schörghof stattfinden können. „Wir warten ab, aber ich sehe eher schwarz“, sagt Lohrer. Auflagen wie in Hotels werden schwerlich einzuhalten sein. In den Ferienkursen übernachten mehrere Kinder in einem Zimmer.

Ende Juni sollte auf Gut Schörghof auch ein Reitturnier – die oberbayerische Meisterschaft im Vierkampf – über die Bühne gehen. Abgesagt ist es noch nicht. „Wir wären als Sportler schon froh, wenn wir uns messen könnten“, sagt Lohrer.

LRFV Burggen

Der Ländliche Reit- und Fahrverein (LRFV) Burggen hat sein Jubiläumsturnier (geplant für Ende Juli) und auch den Rosstag (geplant für September) schon abgesagt. Um ein Reitturnier ohne Verlust veranstalten zu können, ist laut Vorstandsmitglied Diana Rauch eine Bewirtung nötig. Es sei nicht abzusehen, ob das im Juli angeboten werden könne. „Das war uns daher zu heiß“, sagt Rauch. Heuer wollte der LRFV gar ein Drei-Tages-Turnier anbieten mit Dressur bis zur Klasse Zwei-Sterne-M und Springen bis zur Klasse L – die Genehmigungsgebühr von 400 Euro wurde schon bezahlt. Zumindest hat sich der Verein eine Option offen gehalten, das Turnier im Herbst auszutragen. Es gibt Überlegungen seitens der Behörden, Turniere ohne Zuschauer und ohne Siegerehrung zuzulassen – doch für den LRFV macht so etwas keinen Sinn. „Wenn keiner kommen darf, ist es auch für Sponsoren uninteressant“, sagt Rauch.

Dass es seit Ende März deutschlandweit gar keine Wettbewerbe gibt, „ist für die Sport-Reiter hart“, sagt Rauch, die gleich hinzufügt: „Es ist Jammern auf hohem Niveau.“ Dennoch gilt: Für die Sportpferde, die ein entsprechendes Programm gewohnt sind, ist so eine Pause „nicht gut“. Die Burggenerin freut sich daher, dass seit Montag „endlich die Phase der Notversorgung beendet ist“. Bis dato war ein spezifisches Training nicht erlaubt.

Während der Lockdown-Phase hatte der LRFV auf seinem Reitplatz im Ort sich selbst besonders strenge Auflagen auferlegt. Auf dem 1200 Quadratmeter großen Platz wären eigentlich sechs Reiter-Pferd-Paare erlaubt gewesen. Der Burggener Klub ließ nur drei Reiter samt Pferd gleichzeitig zu. Mittels einer App wurde das Ganze organisiert. „Das hat super geklappt“, sagt Rauch. „Wir lagen weit unter den Vorgaben der Reiterlichen Vereinigung.“ Anders als auf Reitanlagen mit Pensionsställen ist das Abstand-Halten bei den Burggenern kein Problem. Die Sportler kommen entweder direkt zum Platz geritten oder bringen die Pferde per Anhänger. Das Reiterstüberl war freilich zu und ist bis auf Weiteres auch geschlossen.

Gut Kerschlach

Auf Gut Kerschlach agierten die Einsteller, die dort ihre Tiere untergebracht haben, während des Lockdowns „sehr vernünftig“, sagt Sabine Hackauff, die Leiterin des Bereichs „Pferdewirtschaft“. Feste Zeiten, während derer die Pferde betreut werden können, mussten gar nicht verteilt werden. Es wurde vorab ein Notfallplan erstellt, wie die Pferde bewegt werden können, wenn die Ausgangsbeschränkungen noch strenger gefasst worden wären – er kam zum Glück nicht zum Einsatz. Rund 100 Pferde sind derzeit auf der Reitanlage untergebracht.

Eine positive Nachricht sind die nun gültigen Lockerungen auch und gerade für die freiberuflich tätigen Reitlehrer, die auf Gut Kerschlach ihre Dienste anbieten. Dazu gehören unter anderem Rahel Schröder, Katrin Lederer, Clarissa Busch, Franziska Gerber und Landestrainer Dirk Meylemans. Der Abstand zwischen Trainer und Reiter ist im Unterricht ohnehin gewahrt, die Kommunikation erfolgt über Funk und Headsets.

Fester Bestandteil im Kerschlacher Kalender sind das Spring- und Geländeturnier (geplant vom 19. bis 21. Juni) und die Dressurprüfung (3. bis 5. Juli). Nach aktuellem Stand finden beide Wettbewerbe statt – die Austragung hängt aber von etwaigen Auflagen ab. „Wir müssen schauen, ob sich letztlich der Aufwand lohnt, das wissen wir derzeit aber nicht“, so Hackauff. Ein Turnier „muss auch Spaß machen“. Schade wäre eine Absage nicht zuletzt für Lokalmatadorin Amelie Hackauff: Geplant war nämlich, dass sie ihr im Vorjahr errungenes Goldenes Reitabzeichen beim Heimturnier überreicht bekommt.

Gut Rosenhof

Für das Gut Rosenhof bei Krottenhill haben die Lockerungen kaum eine Erleichterung zur Folge. Ausbildungsleiterin Anja Beran unterrichtet zahlreiche Reiter aus Ländern wie Österreich, Italien, der Schweiz und den Niederlanden. Die dürfen wegen der geltenden Reisebeschränkungen weiterhin nicht anreisen. Und falls doch jemand den Weg fände, stünde kein Hotel offen, in dem er übernachten könnte. „So gesehen ändert sich für uns gar nichts.“ Immerhin: Einige Reiter aus der Nähe, die bei Beran die klassische Reitkunst erlernen, können wieder kommen.

Die Arbeit auf dem Hof konnte während des Lockdowns in gewohntem Maße weitergehen. Auf Gut Rosenhof kümmert sich ein festes Team mit neun Mitarbeitern um die Pferde und deren Ausbildung sowie die Stiftung, die sich auch für den Tier- und Naturschutz einsetzt. „Da ist keine Gefahr, dass es zu viel Publikumsverkehr gibt“, sagt Beran. In ihrem Stall stehen Pferde ausländischer Besitzer sowie Tiere des baden-württembergischen Haupt- und Landgestüts Marbach und des Circus Krone.

Weiterhin eingeschränkt: Ausbilderin Anja Beran vom Gut Rosenhof muss weiter auf ihre Reitschüler verzichten, die aus dem Ausland kommen.

Allerdings steht der Seminarbetrieb auf Gut Rosenhof still, auch alle externen Vorträge, die Beran regelmäßig hält, mussten ausfallen. Auch diverse Reitkurse in den USA, den Niederlanden und der Schweiz konnten wegen Corona nicht stattfinden. Als Bayern seine Grenzen dicht machte, kam Beran am Tag davor von einer Veranstaltung aus Österreich zurück.

Die Corona-Pandemie ist aus Sicht der Ausbilderin „nicht so schnell vorbei“. Es sei zu befürchten, dass derlei in Zukunft öfter vorkomme. Dem Internet komme in solchen Zeiten verstärkt Bedeutung zu. Beran ist auch dazu übergegangen, Seminare per Livestream anzubieten – was sich oft zu einer „großen Zitterpartie“ entwickelt. „Wir haben hier so eine schlechte Internetverbindung.“ Jüngst war eine Übertragung zum gedachten Zeitpunkt nicht möglich. Die Teilnehmer mussten auf einen späteren Termin vertröstet werden.

Lesen Sie außerdem:

Die Fußball-Vereine reagieren vorsichtig auf die Erlaubnis, im Freien wieder trainieren zu dürfen. 

Die Golfer hingegen genießen es bereits, ihren Sport wieder ausüben zu können.

Auch interessant

Kommentare