Ein Gespann, das weiter nach oben will: Dressurreiterin Juliane Nuscheler und der zehnjährige Wallach „Karl Louis“, die für den RV Waldhauser Hof starten.
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Ein Gespann, das weiter nach oben will: Dressurreiterin Juliane Nuscheler und der zehnjährige Wallach „Karl Louis“, die für den RV Waldhauser Hof starten.

REITEN

Erstmals siegreich auf Drei-Sterne-Niveau - Juliane Nuscheler und „Karl Louis“ haben wieder einen Schritt gemacht

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Es war ein Novum für Juliane Nuscheler und „Karl Louis“. Erstmals hat die Altenstadterin einen Wettkampf auf Drei-Sterne-Niveau gewonnen. Und dabei soll´s nicht bleiben.

Altenstadt – In Corona-Zeiten darf es auch beim Jubeln auch mal eine Nummer kleiner sein. Hauptsache, es darf überhaupt gejubelt werden. Als Juliane Nuscheler in München-Riem die Intermediaire-II-Prüfung gewonnen hatte, gab es zumindest eine „Siegerehrung zu Fuß“. Mit Maske, aber ohne Pferd traten die sieben Platzierten ins Viereck. „Das war schon schön“, berichtet die 27-Jährige. Bei ihrem ersten Drei-Sterne-Sieg einige Wochen davor in Babenhausen – Nuscheler hatte mit „Karl Louis“ eine Grand-Prix-Prüfung für Nicht-Profis mit 69,3 Prozent gewonnen – gab es aufgrund der damals noch schärferen Corona-Auflagen gar keine Siegerehrung. „Leider“, sagt Nuscheler. Ihre Goldschleife erhielt die Altenstadterin abseits des Vierecks ausgehändigt. „Ich habe den Sieg trotzdem genossen.“ Am Turnier selbst gab es ja absolut nichts auszusetzen. „Das war super aufgezogen.“

Die Corona-Pandemie hat auch bei den Reitern das Sportjahr durcheinandergewirbelt. Nuscheler und ihr erst zehnjähriger Wallach haben hingegen konsequent eine Richtung beibehalten: nach oben. Im vergangenen Jahr war das Duo erstmals auf Drei-Sterne-Niveau angetreten – das ist in der Dressur die höchste Stufe. Und nun sind schon zwei Siege eingefahren. In München-Riem und Babenhausen nahmen Nuscheler und „Karl Louis“ an insgesamt sechs Drei-Sterne-Wettbewerben teil. In allen wurden sie platziert (das heißt, sie landeten im vorderen Drittel), die Resultate pendelten zwischen 68,5 und 70 Prozent. Für Nuscheler ist das auch eine Bestätigung ihrer Arbeit: „Wir sind auf einem richtig guten Weg.“

Man hockt da nicht nur drauf.

Juliane Nuscheler über den körperlichen Einsatz, den der Reiter während eines Ritts im Sattel leisten muss.

Zufrieden ist die 27-Jährige aber noch längst nicht: „Es geht immer mehr.“ Sie sei noch nie aus dem Viereck geritten, erzählt Nuscheler, „und der Trainer hat gesagt: Es war eine perfekte Runde.“ Durch die Kritik „lerne ich“. Der Coach, Uwe Schwanz, auf dessen Reitanlage bei Sauerlach Juliane Nuscheler und ihre jüngere Schwester Bettina ihre Pferde eingestellt haben, ist in Bayern eine Szenegröße. In München-Riem holte er mit „Hermes“ in der Grand-Prix-Kür den dritten Platz. Der Sieg ging an Team-Weltmeisterin Jessica Bredow-Werndl (mit „Ferdinand BB“), die jüngst bei der DM in Balve im Special Olympiasiegerin Isabell Werth hinter sich ließ.

Ihr Pferd, sagt Juliane Nuscheler, habe eine hohe Grundqualität. Darüber hinaus sei „Karl Louis“ sehr ehrgeizig, „das ist für mich von Vorteil“. Und es hilft auch, wenn an einem Turnierwochenende drei Prüfungen anstehen. Denn das ist sowohl für den Reiter als auch das Pferd „generell anstrengend“ – nervlich wie körperlich. Der Reiter muss während einer Prüfung ganz schön arbeiten, damit das Pferd sein Können auch den Richtern zeigen kann. „Karl Louis“ habe seine Stärken in der Passage und der Trabtour. „Es hat viel mit Körperspannung zu tun. Man hockt da nicht nur drauf“, sagt Nuscheler. Zugleich soll ein Ritt nach außen hin leicht aussehen, im Idealfall sind die Hilfen des Reiters kaum sichtbar.

Reiten mehr als nur ein Hobby

Um zusammen in Sachen „Leistung“ weitere Schritte nach vorn zu machen, „muss ich selbst besser reiten“, sagt Nuscheler. Da das Drei-Sterne-Niveau für sie noch relativ neu sei, „reite ich oft auf Sicherheit“. Sie müsste da mehr Risiko eingehen. „Es ist noch nicht das Optimum“, so Nuscheler.

Das, was sie macht, ist mehr als nur ein Hobby. „Es ist eine Leidenschaft, sonst macht man es wohl nicht“, sagt die 27-Jährige mit einem Schmunzeln. Die Arbeit mit einem Pferd, noch dazu in dieser Leistungsklasse, bedeutet hohen Zeitaufwand. Hinzu kommt der Beruf als Projektmanagerin bei einem Modeunternehmen. Nuscheler hat es sich so einrichten können, das sie flexibel agieren kann. Vom Team der Reitanlage Waldhauser Hof bekomme sie entsprechende Unterstützung, lobt Nuscheler. Auch die Berufskollegen seien aufgeschlossen. Neben dem Reiten betreibt Nuscheler viel Ausgleichssport – dazu gehören der Gang ins Fitness-Studio, Joggen und Bergtouren. „Und Freunde habe ich auch“, sagt sie lachend mit Blick auf den vollen Terminkalender.

Es soll weiter nach oben gehen

Mit „Karl Louis“ will sich die Altenstadterin weiter verbessern, um auch mal in einem Special und einer Kür konkurrenzfähig zu sein. „Das ist noch einmal ein anderes Kaliber“, sagt Nuscheler – betont aber auch: „Da will ich hinkommen.“ Die Drei-Sterne-Prüfungen unterscheiden sich in der Abfolge und der Bewertung der Lektionen, was sich in Unterschieden in der Schwierigkeit niederschlägt.

Um auf hohem Niveau ganz vorn zu landen, „muss alles passen“, sagt Nuscheler. Da sind zum einen die Anforderungen wie Piaffe, Passage und Galopp-Traversalen und da ist zum anderen die Konkurrenz. Beim Turnier im August in Thann kamen Nuscheler und „Karl Louis“ in der Intermediaire-II auf 68,026 Prozent. Für eine Platzierung reichte das an diesem Tag nicht. Umso schöner ist dann die Erfahrung, wenn – wie in München und Babenhausen – am Ende sogar eine Goldschleife herausspringt. Derlei Erfolge spornen an, „die behält man sehr gern im Gedächtnis“.

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