Der Horror für Fußballfans: An den restlichen neun Spieltagen der Bundesliga dürfen keine Zuschauer mehr ins Stadion. Die Anhänger können Spiele ihrer Mannschaft nur im Fernsehen verfolgen.
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Der Horror für Fußballfans: An den restlichen neun Spieltagen der Bundesliga dürfen keine Zuschauer mehr ins Stadion. Die Anhänger können Spiele ihrer Mannschaft nur im Fernsehen verfolgen.

Fußball

Zwischen Vorfreude und Skepsis - Fanclubs vor Re-Start der Bundesliga

  • Stefan Schnürer
    vonStefan Schnürer
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Am Samstag nimmt die Fußball-Bundesliga den Spielbetrieb wieder auf. Die Fanclubs im Landkreis sehen dem mit gemischten Gefühlen entgegen.

Landkreis – Auf diesen Moment haben die Fußballfans im Lande sehnlichst gewartet: Am kommenden Wochenende nehmen 1. und 2. Bundesliga nach zweimonatiger Corona-Zwangspause den Spielbetrieb wieder auf. Die Heimatzeitung hat sich bei den Vorsitzenden der drei FC-Bayern-Fanclubs im Landkreis umgehört. Die Freude darüber, dass der Ball endlich wieder rollt, ist aber nicht ungeteilt. Die drei Fanclub-Vorsitzenden blicken dem Re-Start auch mit einer Portion Skepsis entgegen.

Sebastian Rege, seit vergangenem Dezember Vorsitzender des Sindelsdorfer FC-Bayern-Fanclubs „Red Kinis ’99“, besitzt seit fast zehn Jahren eine Saisonkarte für die Bundesligaspiele seiner „Roten“. Mit einer handvoll Fanclub-Mitglieder, die ebenfalls ein Saisonticket haben, fährt Rege zu den Heimspielen in die Allianz-Arena. In dieser Saison ist es aber anders: Statt der üblichen 17 Partien bekommen der Sindelsdorfer und seine Kameraden nur 13 Partien zu sehen. Die verbleibenden vier Heimpartien des FC Bayern gegen Frankfurt, Düsseldorf, Mönchengladbach und Freiburg finden vor leeren Tribünen als sogenannte Geisterspiele statt. Rege kann verstehen, dass die Bundesliga wieder startet, damit die finanziellen Nöte der Vereine nicht noch größer werden. „Aus Sicht der Fans finde ich es aber nicht richtig“, sagt Rege. „Meine Freude hält sich in Grenzen“, so der Sindelsdorfer Fanclub-Vorsitzende.

„Emotionen gehen verloren“: Sindelsdorfs Fanclub-Vorsitzender Sebastian Rege (hier mit FC-Bayern-Star Thomas Müller) hält nicht viel von Geisterspielen.

Saison soll zu Ende gespielt werden

Kritisch sieht Rege auch das Verhalten von so manchem Bundesligaprofi während der Coronakrise: Manche waren nicht zu einem Gehaltsverzicht zu bewegen, andere missachteten Hygiene- und Abstandsregeln. „Für den normalen Bürger ist das nur schwer nachvollziehbar“, so Rege. Abgesehen davon, dass er selbst nicht mehr ins Stadion darf, sei auch die Situation für die Spieler nicht schön: „Bei Geisterspielen gehen Emotionen verloren. Da herrscht eine Atmosphäre wie bei einem Trainingsspiel.“ Reges Einschätzung nach wird dieser Zustand noch geraume Zeit anhalten: „Fußball live werde ich in diesem Kalenderjahr nicht mehr sehen.“ Ginge es nach ihm, würde die Saison abgebrochen und es gäbe weder Meister noch Absteiger. Den Re-Start der Bundesliga will Rege zu Hause am Fernseher verfolgen.

Auch Alfred Schwab, Vorsitzender des 1997 gegründeten FC-Bayern-Fanclubs „De Eberfinger“, kann sich nicht vorstellen, dass Fußball in diesem Jahr noch vor Zuschauern gespielt wird. „Das Oktoberfest haben sie ja auch schon abgesagt“, sagt Schwab. Er kann verstehen, dass die Bundesliga aus finanziellen Gründen fortgesetzt wird. Hartgesottene Fanclubs würden ja gegen Geisterspiele Stimmung machen, für ihn seien sie „aber schon okay“, so Schwab. Er wünscht sich, dass „die Saison zu Ende gespielt wird“ und die Entscheidungen auf dem Rasen und nicht am grünen Tisch fallen. „Ich könnte es aber auch verstehen, wenn abgebrochen wird“, so der Vorsitzende des Eberfinger Fanclubs.

Gibt Wichtigeres als Fußball

Die Entwicklung des Profi-Fußballs mit ihren schwindelerregenden Gehältern und Ablösesummen stimmt Schwab ebenso nachdenklich wie das Bild, das der Fußball in Corona-Zeiten abgibt: „Da gibt es wirklich Wichtigeres als Fußball“, sagt er. „Aber ich bin jetzt Anfang Vierzig, da bist du vielleicht nicht mehr so euphorisch.“

In den vergangenen Jahren war es bei den Eberfingern Tradition, dass sie für das Bundesliga-Eröffnungsspiel der Bayern, das jeweils an einem Freitag ausgetragen wurde, Karten bekamen und mit einer Busladung in die Allianz-Arena fuhren. Das machen sie vor allem deswegen, dass auch Kinder mitfahren können. „Wir sind ein sehr familiärer Fanclub“, so Schwab.

„Saison zu Ende spielen“: Eberfings Fanclub-Vorsitzender Alfred Schwab (re., hier beim Besuch von Xabi Alonso, li.) hofft, dass alle Entscheidungen auf dem Rasen fallen.

Auch für die Saison 2020/21 haben die Eberfinger bereits ihre Bewerbung für Tickets eingereicht.

Bundesliga lediglich abgewickelt

Peter Hippauf, Vorsitzender der „Red-White Kings“ aus Schwabniederhofen, besitzt bereits seit etwa 25 Jahren eine Dauerkarte für Spiele des FC Bayern. Er ist glühender Anhänger der „Roten“, der sie öfter – zusammen mit 15 bis 17 Mitstreitern, die er als „harten Kern“ bezeichnet – auch zu Auswärtspartien begleitet. Auch für die Partie am Sonntag bei Aufsteiger Union Berlin hatten Hippauf und seine Kameraden aus dem Fanclub Tickets organisiert. „Spiele ohne Zuschauer kann man als leidenschaftlicher Fan nur schwer ertragen“, sagt Hippauf. Da ist es für ihn nur ein schwacher Trost, dass ihm die Bayern das Geld für die Heimspiele ohne Zuschauer unverzüglich und unbürokratisch erstattet haben.

Seiner Ansicht nach wird mit dem Re-Start ohne Zuschauerbeteiligung die Bundesliga

„Bundesliga wird abgewickelt“: Schwabniederhofens Vorsitzender Peter Hippauf (hier mit Javi Martinez) will keine Spiele ohne Zuschauer.

„lediglich abgewickelt“, so der Schwabniederhofener Vorsitzende. Er ist überzeugt: „Den Spielern wird das keinen Spaß machen.“ Gehe es nach den Fans, muss die Saison abgebrochen und im kommenden Herbst komplett neu gestartet werden. Hippauf hat durchaus Verständnis für denjenigen Teil der Bevölkerung, der sich gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in den Bundesligen ausspricht: „Ich habe ja auch kein gutes Gefühl dabei.“ Er ist eigenem Bekunden nach ein Mensch, der prinzipiell positiv denkt. „Aber es fällt mir schwer, daran zu glauben, dass ich heuer nochmal ins Stadion gehe“, so Hippauf. Den Re-Start der Bundesliga will er sich „im stillen Kämmerlein anschauen“, doch eines steht fest: Geld für Bezahlsender wie Sky oder den Streamingdienst DAZN wird er auf gar keinen Fall ausgeben.

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