Die aufwendigen Arbeiten erklärt Werner Ramminger, Erster Schützenmeister der FSG Schongau. Im Hintergrund ist die halboffene 100-Meter-Bahn zu sehen.
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Die aufwendigen Arbeiten erklärt Werner Ramminger, Erster Schützenmeister der FSG Schongau. Im Hintergrund ist die halboffene 100-Meter-Bahn zu sehen.

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FSG Schongau baut um: „Wir werden leiser, aber nicht lautlos“

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Um gut mit Nachbarn und Spaziergängern auszukommen, baut die FSG Schongau ihren Schießstand um. Das kostet Zeit und Geld.

Schongau – Es ist so eine Sache mit den Nachbarn. Versteht man sich gut, fühlt man sich wohl. Doch kriselt’s, so ist es für beide Seiten unangenehm. Dann gibt’s zwei Varianten: Kopf durchsetzen, Ärger hinnehmen. Oder dem anderen entgegenkommen. Die Königlich Privilegierte Feuerschützengesellschaft Schongau hat sich für den zweiten Weg entschieden. „Wir wollen gute nachbarschaftliche Verhältnisse“, sagt Werner Ramminger, der seit Mai vergangenen Jahres Erster Schützenmeister des Vereins ist. Und deshalb hat der Verein in den vergangenen Monaten viel Geld, Arbeitskraft und Zeit investiert, um den Lärmschutz zu verbessern.

Denn immer wieder gab es Beschwerden. Mal von Anwohnern aus Herzogsägmühle. Mal von einer Spaziergängerin aus Peiting. Sie störte sich an den Schussgeräuschen entlang des Lechs. Die sind dort nicht neu. Seit den 1960er Jahren befindet sich das Schützenheim unterhalb der Straße, die von Schongau Richtung Herzogsägmühle führt. „Der Schießsport hat sich in der langen Zeit auch verändert, es kamen neue Disziplinen dazu, es wird mehr als früher geschossen“, sagt Ramminger. Er lud die Betroffenen deshalb ins Schützenhaus ein, suchte das Gespräch mit ihnen. „Wir sind im Guten auseinandergegangen“, sagt er.

Schallschutz kostet Verein rund 70 000 Euro

Im vergangenen Jahr begann die FSG mit den Planungen. Dabei stand im Vordergrund, wie die halboffene 100-Meter-Bahn umgebaut werden kann. Dort wird aus dem Haus heraus ins Freie geschossen. Die Anlage nutzen unter anderem die Schongauer Vorderlader-Schützen, in deren Reihen Welt- und Europameister stehen. „Alle ihre Wettkämpfe finden auf solchen Außenanlagen statt, wir haben optimale Trainingsbedingungen“, sagt Ramminger. Denn die Sportler müssen mit Wind, Nässe, Sonne und Schatten zurecht kommen. Um weiter vorn dabei zu sein, „müssen wir trainieren“.

Also investierte der Verein in einen neuen Schallschutz. Rund 70 000 Euro kostet der die FSG. Der Jagd- und Naturschutzverein Schongau und Umgebung, der die Anlage ebenso nutzt, investierte ungefähr die gleiche Summe. Zudem schufteten die Schützen selbst rund 1000 Stunden am Schießstand – allen voran Franz Herzum und Franz Rößle, die besonders viel Zeit in die Arbeiten steckten.

Mittagsruhe ist Pflicht

Doch der Aufwand lohnte sich, ist Werner Ramminger überzeugt. „Es ist jetzt viel leiser am halboffenen Stand“, sagt er. „Man kann sich jetzt im Nebenraum normal unterhalten.“ Um diesen Effekt zu erreichen, wurden neue Wände eingezogen und der Raum mit schallabsorbierendem Material ausgestattet. Zudem hängten die Schongauer Schützen die Decke ab und ließen auf den ersten fünf Metern nach dem Stand eine Kassettendecke errichten. All diese Veränderungen sollen dazu dienen, den Schall zu brechen. „Vorher reflektierte er an den Betonwänden, dadurch war es lauter.“ Bisher bestätigt nur das Gehör der Schützen, dass die Arbeiten erfolgreich waren, eine Lärmpegelmessung steht noch aus.

Von deren Ergebnis hängt ab, wie der Schießbetrieb künftig an der Anlage aussieht. Derzeit ist die Mittagsruhe Pflicht. Zusätzlich wurde beschlossen, dass besonders laute Disziplinen sonntags nicht geschossen werden dürfen – um weiteren Ärger mit den Nachbarn und der Fußgängerin zu vermeiden.

In einem Zug wurde auch der Jugendstand renoviert

Den Umbau nutzte der Verein aber auch gleich, um weitere Renovierungen vorzunehmen. Unter anderem wurde der Stand der Jugend erneuert. „Es sollte immer alles sauber und ordentlich sein“, betont Ramminger. Deshalb seien ohnehin ständig Arbeiten am Gebäude notwendig.

Immerhin herrscht in normalen Zeiten – derzeit gelten auch für Schützen die Corona-bedingten Einschränkungen – Hochbetrieb. Sieben Tage die Woche wird trainiert, wenn auch nicht immer an den Außenständen. Dass die Sportler so oft schießen können, müsse sein, betont Ramminger. „Wir sind einer der erfolgreichsten Vereine Deutschlands in unseren Disziplinen und betreiben Jugendarbeit, natürlich wollen wir weitermachen“, sagt er. Obendrein müssen Schützen eine gewisse Anzahl an Schießtagen im Jahr vorweisen, um ihre Waffen behalten zu dürfen. Ohne Training geht’s also nicht. Eines sei trotz aller Lärmschutz-Vorkehrungen klar, gibt Ramminger zu: „Wir werden jetzt leiser sein, aber nicht lautlos.“

Spenden möglich

Die Arbeiten haben den Verein finanziell sehr belastet. Wer die FSG Schongau unterstützen möchte, kann für den Umbau spenden: IBAN DE28 7035 1030 0000 0109 91, Sparkasse Oberland.

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