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Massenandrang: Lange Schlangen bildeten sich vor dem Stadion der Boca Juniors in Buenos Aires. Der Altenstadter Sebastian Nuscheler war live vor Ort, sparte sich aber das Anstehen.

Sebastian Nuscheler beim Superclasico

Altenstadter bei Chaos-Copa in Argentinien

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Party statt Panik: Sebastian Nuscheler aus Altenstadt erlebt Argentiniens größte Fußball-Fiesta aus nächster Nähe, feiert mit den heimischen Fans. Von den Ausschreitungen rund ums Copa-Finale in Buenos Aires bleibt er verschont.

Buenos Aires – Das Video dauert nur ein paar Sekunden. Unzählige Fußball-Fans in blau-gelben Trikots singen, tanzen und hüpfen in einem voll besetzten Bus hin und her. Die Stimmung ist ausgelassen. Die Menschen feiern eine Riesen-Party. Sebastian Nuscheler (28) steht mittendrin, hält mit der Handy-Kamera drauf. „Eine Busfahrt, die ist lustig, eine Busfahrt die ist schön“, schreibt er, als er das Video auf Instagram hochlädt. 

Der Altenstadter war vor ein paar Tagen nach Argentinien geflogen. Eigentlich, um das zweitgrößte Land Südamerikas zu erkunden, zu wandern, eine neue Kultur zu erleben. Dass er in Buenos Aires mitten in der größten Fiesta des südamerikanischen Fußballs, dem Finale der Copa Libertadores (siehe unten), landen würde? Purer Zufall – und ein unvergessliches Erlebnis.

„Was hier abgeht, ist der Wahnsinn. So etwas habe ich noch nie erlebt. In Europa gibt es nichts Vergleichbares“, sagt er, als ihn die Heimatzeitung am Telefon erreicht. „Ich hatte Gänsehaut, obwohl ich gar nicht verstanden habe, was die Fans singen.“

Der Grund für die Mega-Fußball-Party in Argentiniens Hauptstadt: Im Copa-Finale treffen die Erzrivalen Boca Juniors und River Plate aufeinander. Beide Teams kommen aus Buenos Aires. Es ist, als spielte der FC Bayern im Champions-League-Finale gegen 1860 München. Nur krasser. Viel krasser.

Zuletzt wurde das Duell immer wieder verschoben – aufgrund schwerer Ausschreitungen. Tiefpunkt: Der Mannschaftsbus der Boca Juniors wurde bei der Ankunft am Stadion angegriffen, fast alle Scheiben gingen durch Stein- und Flaschenwürfe zu Bruch. Mehrere Spieler erlitten Verletzungen durch Splitter. Wann die Partie nachgeholt wird, ist aktuell völlig offen.

Nuscheler hat davon gehört. Erlebt hat er den „Final-Horror“, wie einige Medien die Szenarien rund ums Finale beschrieben, zum Glück nicht. Eher das krasse Gegenteil. Im Stadtteil „La Boca“, der Heimat der Boca Juniors, sei von Gewalt nichts zu spüren gewesen. „Die Leute haben friedlich gefeiert. Es war ein großes Fest. Ich habe mich nie unsicher gefühlt“, sagt der Altenstadter.

Mittendrin im Fan-Trubel: Sebastian Nuscheler (r., mit Boca-Kappe) mit Fans und anderen Touristen.

Selbst als am Freitag, am Tag vor dem eigentlichen Final-Termin, beim öffentlichen Training der Boca Juniors mehr als 50 000 Fans auf den Tribünen des Stadion La Bombonera drängten, sei die Stimmung entspannt gewesen. „Vor dem Stadion waren bestimmt noch mal 50 000 Fans, die nicht reingekommen sind. Die Menschen sind friedlich in der Schlange gestanden. Es hat sich nicht mal jemand vorgedrängelt“, sagt er.

Heute reist Nuscheler weiter. Es geht in den Norden. Zum Wandern. Diesmal mit dem Flieger, nicht mit dem Bus. Vielleicht gibt’s trotzdem wieder eine große Party.

Die Copa Libertadores

Die Copa Libertadores ist die Champions League Südamerikas. Organisiert wird der Wettbewerb vom Südamerikanischen Fußball-Verband (CONMEBOL). Von 1998 bis 2016 nahmen auch mexikanische Mannschaften daran teil. Der Sieger qualifiziert sich für die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft und für die kommende Copa Libertadores. Zudem tritt er gegen den Gewinner der Copa Sudamericana um die Recopa Sudamericana, das Pendant zum UEFA Super Cup, an. Das Finale wird, anders als bei der europäischen Champions League, im Hin- und Rückspiel-Modus ausgetragen. Noch nie standen sich River Plate und Boca Juniors im Finale gegenüber. Beide Teams stammen aus der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires – und trotzdem trennen die Vereine Welten. Zwischen den Anhängern beider Vereine entladen sich brutal soziale Spannungen. River Plate (Spitzname: „Los Millionarios“) gilt als Club der Reichen, Boca Juniors als Verein der kleinen Leute. Größter Star der „Bocas“ ist Boca-Star Carlos Tevez (34, früher ManCity, Juve). Bei River Plate steht unter anderem der ehemalige Nürnberger Javier Pinola (35) unter Vertrag.

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