Zweikampftraining: Der Peitinger Tim Schmid (links) versucht sein Glück gegen den gestandenen Fußballprofi Andreas Görlitz (in weiß). Peitings Kapitän Christoph Schleich beobachtet das Geschehen ganz genau. foto: schelle

Fußballprofi Andreas Görlitz: Von Rott nach Washington?

Rott/Peiting - Fußballprofi Andreas Görlitz, gebürtig aus Rott, hat kürzlich beim TSV Peiting mittrainiert. Dem Rechtsverteidiger winkt ein Engagement in den Vereinigten Staaten.

Geld und Medienpräsenz haben ihn in all den Jahren nicht sonderlich beeinflusst: Andreas Görlitz wirkt bescheiden. Als „Normalgebliebener“ könnte man ihn bezeichnen. Der Fußballprofi aus Rott spielte in seiner bisherigen Laufbahn erste und zweite Bundesliga. 1860 München, Bayern München, Karlsruher SC und der FC Ingolstadt waren seine vier Stationen.

Ingolstadt ist nach jetzigem Stande auch sein letzter Verein im Profifußball - vorerst. „Das vergangene Jahr hat für mich in diesem Club einfach nicht mehr gepasst. Die Konstellation war mir zu unehrlich“, betont Görlitz, für den eine Vertragsverlängerung ohnehin nicht in Frage gekommen wäre. „Ich bin selbst ins Büro gegangen und habe gesagt, dass es für mich in Ingolstadt keinen Sinn mehr macht.“

Wertvollere Erfahrungen sammelte der rechte Außenverteidiger unter anderem mit den Bayern in der Champions-League oder als Debütant in der deutschen Nationalmannschaft. „Das Championsleague-Finale und das erste Mal bei der Nationalmannschaft zählen auf jeden Fall zu den zwei prägendsten Erlebnissen in meiner Karriere“, sagt Görlitz. Geprägt haben ihn jedoch nicht nur die schönen Momente seines Fußballerlebens.

Auch die Phase während seiner schwersten Verletzung, einem Kreuzbandriss, hat sich bis heute in sein Gedächtnis eingebrannt. Aber er hat gelernt, damit richtig umzugehen und kann die schwierigen Zeiten richtig einschätzen. „Verletzungen gehören zum Fußball dazu, aber es gibt Schlimmeres. Ich war in vielen Krankenhäusern und SOS-Kinderdörfern unterwegs. Wenn man ein bisschen demütig ist, bemerkt man erst, wie gut es einem in Wirklichkeit geht.“

So genießt der Hobby-Gitarrist zur Zeit seinen Heimataufenthalt in vollen Zügen. „Familie und Freunde waren mir immer sehr wichtig.“ Ob die Kässpatzen seiner Mutter oder das Proben mit der Band „Room77“: Gründe für einen Besuch zuhause gibt es zu Hauf. „Ich nenne das Glück, dass ich immer sehr heimatnah fußballspielen konnte.“ Dazu zählt er auch sein entferntestes Engagement beim Karlsruher SC. „Das waren auch nur zweieinhalb bis drei Stunden Fahrt.“ Jedes zweite Wochenende machte er sich damals auf den Weg. Dahoam bleibt eben dahoam.

Fit hält sich der 31-Jährige aktuell mit Radfahren, Bergläufen und seit kurzem auch wieder mit Fußballspielen. „Ich hatte ein Problem mit der Ferse, deshalb bin ich zuletzt sehr viel Rennrad gefahren, um die Ausdauergrundlage nicht zu verlieren“, erklärt Görlitz.

Das Spiel mit dem runden Leder geht mittlerweile aber wieder. Allerdings auf für ihn sehr ungewohntem Terrain. Görlitz trainierte beim Bezirksligisten TSV Peiting mit. Ein echtes Highlight für die Spieler aus der Marktgemeinde um Trainer Martin Grelics. Und der hat den Deal schließlich auch eingefädelt: Denn Grelics ist ebenfalls wohnhaft in Rott und offensichtlich in gutem Kontakt mit seinem prominenten Nachbarn.

In dieser Woche steht Görlitz als Vorbild und Motivator den Peitinger Fußballern aber schon nicht mehr zur Verfügung. Am Montag ging sein Flieger nach Washington. Der dortige Verein D.C. United ist an ihm interessiert. Der Verein spielt in der Major Soccer League, der höchsten Fußballliga in den Vereinigten Staaten und Kanada. Ein beliebtes Ziel für Altstars zum Karriereausklang.

Doch zählt Andreas Görlitz mit 31 Jahren bereits zu den Auslaufmodellen im Profifußball? „Es wären mit Sicherheit noch zwei, drei Jahre auf hohem Niveau drin, aber die Zeiten haben sich definitiv geändert.“ Die Spieler werden immer jünger. Ein Indiz für die ausgezeichnete Nachwuchsarbeit. „Früher waren die Vereine auf der Suche nach erfahreneren Spielern“, sagt der Rotter. Heutzutage würden die Mannschaften auf junge Leute setzen, die in der Tat immer eher zu absoluten Top-Leistungen fähig sind.

Deshalb blickt Görlitz bereits voller Vorfreude Richtung Washington. „Das mit Amerika wäre eine coole Option, die ich mir auf jeden Fall anschauen möchte.“ Dort beginnt für ihn vielleicht schon in wenigen Tagen ein komplett neuer Lebensabschnitt. Schließlich wäre es für Görlitz der erste Verein im Ausland. Der erste Verein fernab seiner von ihm so geschätzten Heimat in Rott am Lech.

Johannes Schelle

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