Natürlich ging es auch um einen Pokal: Volontär Phillip Plesch (l.) und Redakteur Paul Hopp lieferten sich ein Darts-match nach den Regeln, die bei der derzeit laufenden WM des Verbandes PDC gelten.
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Natürlich ging es auch um einen Pokal: Volontär Phillip Plesch (l.) und Redakteur Paul Hopp lieferten sich ein Darts-Match nach den Regeln, die bei der derzeit laufenden WM des Verbandes PDC gelten.

DARTS

Gefangen im „Mad House“ - Selbstversuch der Sport-Redaktion zur Weltmeisterschaft – Mit Höhen und Tiefen

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Wie schwer ist es, Darts im Wettkampf zu spielen? Der Selbstversuch der Sportredaktion war ein Trip mit besonderen Erfahrungen, Freude - und viel Frust. 

Die Herausforderung

Derzeit läuft im Alexandra Palace die 28. Darts-Weltmeisterschaft des Verbandes PDC. Der Sport ist in den vergangenen Jahren – auch durch vermehrte TV-Übertragungen – immer populärer geworden. Doch wie schwer ist es eigentlich, Darts im Wettkampf zu spielen? Das wollten die Redaktionsmitglieder Phillip Plesch und Paul Hopp herausfinden und absolvierten einen Selbstversuch. Der fand unter den derzeit geltenden Hygienevorschriften statt.

Die Regeln

Gespielt wurde ein Match im Modus „501 Straight In – Double Out“. Das Format gilt auch bei der PDC-Weltmeisterschaft. Der Spieler darf mit einem Wurf auf ein beliebiges Feld beginnen. Es gilt, mit möglichst wenigen Würfen von 501 Punkten auf Null herunterzuspielen. Das ist dann ein Leg. Der Wurf, mit dem letztlich auf Null gestellt wird, muss auf ein Double-Feld erfolgen. Der schnellste Weg, 501 Punkte auf Null zu bringen, ist das perfekte Spiel – der sogenannte Neun-Darter. Insgesamt gibt es 71 Varianten, das Nine-Dart-Finish zu schaffen. Das Redaktionsinterne Duell wurde auf zwei Gewinnlegs ausgetragen. Aufgrund der Corona-Beschränkungen gab es keinen Caller; die Punkte notierten die Teilnehmer selbst.

Der Match-Verlauf

Das obligatorische Ausbullen (Wurf auf das Bull’s Eye) vor dem Spielbeginn entscheidet Phillip Plesch für sich – er darf somit das erste Leg beginnen. Den Sieg holt sich allerdings Paul Hopp mit durchschnittlich 19,8 Punkten pro Aufnahme und seinem 24. Wurf auf ein Doppelfeld. Im zweiten Leg gelingt Plesch gegen den Anwurf der Ausgleich zum 1:1. Sein Drei-Dart-Average liegt bei 41,8 (den Rekord für den höchsten Average vor TV-Kameras hält Michael van Gerwen aus dem Jahr 2016 mit 123,40). Mit dem fünften Wurf auf ein Doppel beendet Plesch das zweite Leg. Den dritten Durchgang und damit den 2:1-Erfolg holt sich nach rund 90 Minuten erneut Hopp. 34 Aufnahmen braucht er dafür. Insgesamt sind das 14,6 Punkte pro Aufnahme. Bis zum Rest von 54 Zählern spielt er allerdings einen Schnitt von 49,7.

So erlebte Phillip Plesch die Partie

So einfach kann es sein. Nach neun Runden stehe ich bei 74 Punkten Rest. Der gängige Weg, um mit einem abschließenden Doppelfeld auf Null zu stellen, ist Triple-14, Doppel-16. Und tatsächlich. Mein erster Pfeil landet mittig im roten Triple-14-Feld. Davon selbst überrascht, verliere ich kurz die Konzentration. Jetzt heißt es, sich wieder sammeln. Der nächste Pfeil gleitet mir mit einem guten Gefühl aus den Fingern. Schon beim Loslassen merke ich zumeist, ob die Richtung des Darts stimmt. Der Pfeil schlägt mit einem leisen metallischen Klacken in die Scheibe aus Sisalfasern ein. Die Spitze des Darts hat einen der Begrenzungsdrähte berührt. Zu meinem Missfallen aber leider auf der falschen Seite.

Sich immer wieder zu konzentrieren, war für Phillip Plesch eine der großen Herausforderungen.

Die Doppel-16 habe ich um Haaresbreite verfehlt. Den nächsten Pfeil werfe ich ohne großes Zögern hinterher. Doppel-8. 16 Rest. Mein Kontrahent Paul Hopp ist zwar schon im Finishbereich, kommt mit seiner nächsten Aufnahme aber nicht über acht Zähler hinaus und steht jetzt bei 120 Rest. Ich darf noch einmal ran und diesmal mache ich es besser. Voll konzentriert taste ich mich von außen an die Doppel-8 heran und checke mit dem 33. Wurf aus. Ich balle die Faust zum Jubel. Rund eine Viertelstunde dauert dieses Leg. Zum Vergleich: Die Profis bei der WM spielen einen ganzen Satz, für den drei Leggewinne nötig sind, teilweise in weniger als sechs Minuten. Das gute Gefühl lasse ich mir aber nicht nehmen. Zu zäh war das Duell im ersten Leg.

Dort treffe ich gleich in meiner ersten Aufnahme zweimal die einfache 20. Ein guter Beginn für mich als Laien. Was folgt, ist allerdings allzu typisch. In meiner zweiten Aufnahme setze ich alle drei Darts neben die Scheibe – Null Punkte. Freud und Leid liegen im Dartssport nur Zentimeter, manchmal sogar Millimeter auseinander. In der Folge sammle ich immer ein paar Punkte mehr als mein Gegner. Einmal treffe ich sogar die Triple-20. Mit 60 Zählern das punkthöchste Feld auf dem Dartboard. Häufiger fliegen die Pfeile allerdings in die 5 und die 1, die direkt neben der 20 liegen.

Zermürbende Minuten bis zum Auschecken

Nach 24 geworfenen Pfeilen habe ich mit 157 Rest ein mögliches Finish stehen. Mit drei Pfeilen und einem abschließenden Wurf auf ein Doppel könnte ich diese Zahl auf Null bringen – theoretisch. Das bloße Sammeln von Punkten zu Beginn eines Legs macht Spaß und spornt an. Nun wird es kompliziert. Es muss gerechnet und vor allem genau gezielt werden. Es reicht jetzt nicht mehr, einfach nur das Board zu treffen. Nach 121 Punkten in einer Aufnahme ist auch Paul Hopp mittlerweile unter 50 Punkten angekommen. Wir bringen uns beide in Stellung. Es sind zähe Minuten. Wir beide sprechen wenig, sind zu sehr mit uns selbst beschäftigt. Ich hadere, bin unzufrieden. Irgendwann entscheidet Paul das erste Leg für sich. O Mann!

Das entscheidende dritte Leg darf ich wieder beginnen. Ein Vorteil ist das für uns beide im Gegensatz zu den Profis allerdings nicht. Der Zufall spielt eine viel zu große Rolle. So auch zum Abschluss der Partie. Paul spielt diesmal einen klasse Beginn und bringt sich schnell unter hundert Punkte. Ich folge ihm ein paar Runden später. Und dann geht es wieder los. Das ewige Werfen auf die Doppelfelder. Im Fernsehen sieht das deutlich einfacher aus. Meine Augen beginnen zu jucken, ich merke, wie ich imme müder werde. Minutenlang drehen Paul und ich unsere Runden: Werfen, wegtreten, hinstellen, werfen... Und plötzlich ist alles vorbei. Paul trifft die Doppel-1 und gewinnt. Erleichterung macht sich in mir breit und überlagert sogar den Frust über die Niederlage. Ein Gefühl, das die Sportler bei der Weltmeisterschaft wohl nicht kennen.

So erlebte Paul Hopp die Partie

Es ist mir längst egal, wer gewinnt. Ich möchte nur, dass diese zähe Geschichte vorbei ist. In der rechten Schulter zwickt es bereits vernehmlich nach gut eineinhalb Stunden Werfen. Ja, Dartsspielen macht Spaß. Aber ewig dazu verdammt zu sein, die Doppel-Eins zu treffen – das macht mürbe. Seit einer gefühlten Ewigkeit muss ich nun ins „Mad House“, wie das acht Millimeter breite grüne Rechteck im Fachjargon heißt. Links daneben liegt die 20, rechts davon die 18. Und nur der direkte Treffer in die Doppel-Eins beendet für mich das Spiel.

Zum nunmehr 21. Mal, seit ich auf dem Restwert von zwei Punkten gelandet bin, stelle ich mich ans Oche, die 2,37 Meter von der Scheibe entfernte Abwurflinie. Der erste Dartpfeil verlässt die Hand, ich blinzle kurz – und plötzlich steckt der Pfeil tatsächlich im grünen Feld. „Yeah“, ruft Kollege Phillip Plesch (mein Gegner) und klatscht anerkennend in die Hände. Ich habe das Entscheidungsleg und damit auch unser Duell mit 2:1 gewonnen.

Darts, das zeigt mir der Selbstversuch, ist eine Gaudi, aber zugleich – unter sportlichen Aspekten betrachtet – eine hochkomplexe Sache. Geschicklichkeit, Konzentrationsfähigkeit, Nervenstärke und nicht zuletzt sicheres, schnelles Kopfrechnen sind gefragt.

Zum Glück gibt es die Checkout-Tabelle

Immerhin: Das bloße Treffen der Scheibe, das stellt sich für mich als absoluten Debütanten zum Glück heraus, ist gar nicht so schwer. Gut, der allererste Wurf im ersten Leg geht in die Schutzumrandung aus Schaumstoff, aber dann gelingen doch regelmäßig Punkte. Die Streuung ist allerdings enorm. Und so wirklich dahin, wo ich gerne möchte, fliegen die Darts nie. Erstaunlich auch, wie klein die Triple- und Doppelfelder sind, wenn man an der Abwurflinie steht. In der 13. Aufnahme dann aber ein echtes Highlight: Triple-19, Single-Bull und Triple-13. Das sind insgesamt 121 Zähler – ich stehe nun auf 39 Punkten. Das Rechnen, wie ich nun auschecken könnte, fällt mir schwer. Zum Glück haben wir eine „Checkout-Tabelle“ am Tisch liegen. Während der Kollege sich an der Doppel-Vier abarbeitet, habe ich Dusel und treffe bei der 26. Aufnahme die Doppel-Eins. Ich führe mit 1:0.

Darts-Debütant: Redakteur Paul Hopp warf zum ersten Mal überhaupt Pfeile auf eine Scheibe.

Im zweiten Leg zeigt mein Gegner, dass er schon ein wenig Übung hat. In einem guten Rhythmus und mit eleganter Bewegung wirft er die Pfeile. Nach 33 Darts ist er auf 16 Punkte herunten und checkt im dritten Versuch mit einer Doppel-Acht souverän aus. Ich stehe zu diesem Zeitpunkt auf 120 Punkten.

Nun kommt es zum Entscheidungsleg. Und warum auch immer, liege ich ständig in Führung. Nach der siebten Aufnahme (1/11/Triple-19) ist ein Finish (137) erreicht. Sechs Aufnahmen später ist der Restwert Zwei erreicht. Der Kollege steht derweil bei fünf Punkten. Was folgt, sind zermürbende Versuche des Aus-Checkens. Am Ende ist die Erleichterung groß – und die Hochachtung vor den Profis, die im „Ally Pally“ unter Druck so verlässlich treffen, stark gewachsen.

Ein paar einfache Tipps für Anfänger hat uns Sebastian Windirsch vom DC Pfaffenwinkel im Interview verraten.

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