Geht’s auch mal wieder um Punkte? Bislang müssen sich die Fußballer (hier der TSV Peißenberg, in Rot, und der TSV Peiting) mit Testspielen begnügen. Der für 19./20. September angepeilte Re-Start erscheint angesichts der jüngsten Ereignisse sehr fraglich.
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Geht’s auch mal wieder um Punkte? Bislang müssen sich die Fußballer (hier der TSV Peißenberg, in Rot, und der TSV Peiting) mit Testspielen begnügen. Der für 19./20. September angepeilte Re-Start erscheint angesichts der jüngsten Ereignisse sehr fraglich.

FUSSBALL

Hängepartie nervt die Landkreis-Kicker – Vermehrt Zustimmung zum BFV-Kurs

  • vonRoland Halmel
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  • Paul Hopp
    Paul Hopp
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Geht es los, geht es nicht los? Weiter herrscht Ungewissheit bezüglich des Re-Starts und das nervt die Fußballer im Landkreis.

Landkreis – Die Amateurfußballer in ganz Bayern werden derzeit auf eine harte Probe gestellt. Das am Dienstag erhoffte „Okay“ der Staatsregierung, das demnächst wieder Punktspiele bestritten werden dürfen, ist ausgeblieben. Die Hängepartie geht für die Kicker, die sich einen Re-Start am 19./20. September erhofft hatten, weiter. Der Bayerische Fußball-Verband möchte nun Druck machen – er schließt als allerletztes Mittel auch den Gang vors Verwaltungsgericht nicht aus. Um sich bei den Vereinen ein entsprechendes Votum zu holen, hat der BFV eine Online-Umfrage unter den Vereinen gestartet (wir berichteten). Die Heimatzeitung hat sich bei Klubs aus der Region umgehört, wie sie die Situation bewerten.

Thomas Fetzer, Abteilungsleiter des A-Klassisten FC Seeshaupt, moniert vor allem die Ungleichbehandlung gegenüber anderen Veranstaltungen wie etwa kulturellen Events und privaten Feiern, die bis zu einer gewissen Größe ja stattfinden dürfen. „Der Fußball hat da anscheinend ein Problem“, sagt der Seeshaupter. Für Fetzer ist klar: „Es muss ein Zeichen gesetzt werden.“ Deshalb beteiligt sich der Verein auch an der Online-Umfrage, unterstützt die Position des BFV – und ist auch dafür, dass der Verband notfalls vor Gericht zieht.

„Es geht bei uns ja nicht um 1000 Zuschauer“, sagt Fetzer. Selbst „die Zahl von 100 würden wir nicht sprengen“. Um den Seeshaupter Platz herum sind Sitzbänke aufgebaut. Dort könnte der Klub Plätze mit entsprechendem Abstand untereinander ausweisen. Für eine gewisse Zeit könnte sich der Abteilungsleiter selbst Pflichtspiele ohne Zuschauer vorstellen: „Ich will, dass die Jungs spielen.“ Und dabei soll es auch um etwas gehen. „Zwischen Testspiel und Punktrunde ist schon ein großer Unterschied“, sagt Fetzer. Auf Dauer, so der Abteilungsleiter, könne der Verein auf Zuschauereinnahmen aber nicht verzichten: „Dadurch bezahlen wir unter anderem die Schiedsrichter.“

Die Hängepartie sieht Fetzer auch aus sportlicher Sicht kritisch: Die Spieler „müssen sich fit halten, ohne zu wissen, wann es wirklich losgeht.“ Die Seeshaupter haben schon einige Vorbereitungsspiele absolviert, „doch irgendwann gehen uns die Gegner aus“. Weitere sechs Wochen lang nur Testpartien „machen wir nicht“, stellt der FC-Spartenchef klar. Wenn der Re-Start nun noch weiter nach hinten verschoben wird, „ist es irgendwann vorbei“, so Fetzer. „Im November brauchen wir keine Punktspiele mehr zu machen.“

Schwierig, die Motivation der Spieler hochzuhalten

Auf dem FC-Gelände in Seeshaupt gibt es sportlich eine besonders brisante Situation: Denn nach gegenwärtigem Stand dürfen die Fußballer keine Pflichtspiele bestreiten, die Kegel-Frauen des FC aber sehr wohl. Für den Zweitliga-Aufsteiger soll die Saison am Wochenende 12./13. September beginnen. Das erste Heimspiel auf den Bahnen im FC-Sportheim steht am 20. September gegen den SV Weidenstetten an. Dass man im Sport „auf keinen gemeinsamen Nenner kommt, finde ich merkwürdig“, sagt Fetzer.

Eher skeptisch zum Vorgehen des BFV äußert sich Johannes Franz, Trainer des Bezirksligisten SV Raisting: „Ich glaube nicht, dass eine Klage viel bringen würde. Das Thema jetzt zwanghaft durchsetzen zu wollen, bewirkt vielleicht sogar genau das Gegenteil.“ Bei ihm hat eine gewisse Schicksalsergebenheit eingesetzt: „Ich versuche, meine Mannschaft bestmöglich auf einen möglichen Start vorzubereiten und hoffe, dass es weitergeht. Alles andere nehme ich inzwischen einfach so hin, auch wenn ich es nicht verstehe.“ Was Fans angeht, sagt Franz: „Eine gewisse Anzahl an Zuschauern kann man unter gewissen Voraussetzungen problemlos auf den Anlagen und in den Stadien unterbringen.“

Martin Wagner, der Coach des Bezirksliga-Zweiten FC Penzberg, will eine Perspektive haben: „Ich hoffe, dass in den nächsten Tagen eine klare Aussage seitens des BFV kommt, damit alle Beteiligten planen können.“ Langsam werde es schwer, „die Motivation hoch zu halten. Das betrifft die Spieler aber auch das Trainerteam.“

Dass der Fußball unfair behandelt wird, findet Markus Ansorge, Coach des Kreisliga-Spitzenreiters VfL Denklingen. „Die Art und Weise, wie die Regierung vorgeht, finde ich nicht in Ordnung. Das ist keine Gleichbehandlung zu anderen Bundesländern und zu kulturellen Veranstaltungen.“ Für ihn ist klar: „Der Verband soll endlich was machen und klagen. Jeder Verein steht in den Startlöchern. Durch das ständige Verschieben merkt man langsam eine Resignation bei den Spielern.“ Regelrecht genervt ist Alex Sanktjohanser, Coach des Kreisklassisten TSV Hohenpeißenberg: „Überall wird gespielt, nur in Bayern bringen wir es nicht hin, eine vernünftige Lösung zu finden.“ Eine Klage würde „in meinen Augen nichts bringen, denn, bis die durch ist, ist Weihnachten“.

Jürgen Staiger, Trainer des Kreisligisten ASV Habach, blickt weit über den Tellerrand hinaus. „Es gibt Wichtigeres als Fußball, das ist mir bewusst, aber wir können uns nicht im Keller verstecken und hoffen, dass ein Impfstoff bald kommt“, sagt der Coach. „Bayern hat eine Vereinskultur, die sollte man nicht untergehen lassen.“ Staiger verweist auf bereits bestehende Hygienekonzepte, die in Testspielen zum Einsatz kommen: „Der ASV und die anderen Vereine halten sich mit größtem Aufwand vorbildlichst daran.“ Der nächste Schritt wäre dem Übungsleiter zufolge Punktspiele mit Zuschauern. Was Staiger nicht verstehen kann: „Der BFV legt wieder ein Hygienekonzept dafür vor – und wird ignoriert.“ Zusammen sollte man an Lösungen arbeiten. Klagen vor Gericht „sind immer mit etwas Negativem behaftet“. Er wäre für eine einheitliche Linie in ganz Deutschland – „bei allem“, so Staiger.

Spieler und Trainer wollen Klarheit

Für eine Gleichbehandlung des Fußballs mit anderen Bereichen ist Florian Heringer, der Trainer von Kreisliga-Aufsteiger TSV Peißenberg. Was das Sportliche betrifft, fordert er Klarheit: „Wir brauchen endlich einen festen Starttermin oder eine Absage für dieses Jahr.“ Kurz und prägnant zu der Thematik äußert sich Anton Panholzer: „Nach Dienstag sage ich: Das war’s. Wir sollten einen Schlussstrich machen und die Saison beenden“, sagt der Vorstand des Kreisklassisten ASV Antdorf.

Fabian Melzer, der den Kreisliga-Dritten TSV Peiting trainiert, zeigt sich „verwundert, da ich nicht mit so einer Entscheidung der Politik gerechnet habe und sich der Re-Start erneut verzögert“. Er wünscht sich, „dass vom BFV und der Regierung eine klare Linie gefahren wird. Entweder heuer keine Amateurspiele mehr oder es geht jetzt weiter.“ Der Start könne nicht immer wochenweise verschoben werden: „Wir können so nicht die Spieler bei der Stange halten. Da wird man irgendwann unglaubwürdig.“

Christoph Schmitt, Trainer des Kreisligisten TSV Altenstadt, sieht die Besucherfrage als lösbar an: „An jedem Sportplatz wäre genug Platz für eine gewisse Zuschauerzahl mit den einzuhaltenden Abständen. Notfalls kann es ja auch ein Zuschauerlimit geben.“ Er verstehe nicht, dass der Verband „immer erst im Nachhinein handelt. Ich denke nicht, dass der BFV von dieser Entscheidung überrascht wurde.“

Verständnis für die Vorsicht der Regierung hat Hubert Strobel, Trainer der SpVgg Schwabbruck-Schwabsoien, die in der Kreisklasse spielt. Und zwar „wegen deren Sorge aufgrund der Urlaubsheimkehrer“. Die Vereine müssten freilich für Zuschauer an den Plätzen sein. Dass derzeit gar keine Fans erlaubt sind, „ist aber schon komisch, nimmt man als Vergleich beispielsweise kulturelle Veranstaltungen“. Der Klageweg sei da durchaus eine Möglichkeit. „Für uns Trainer“, so Strobel, „wird es immer schwerer, die Spieler zu motivieren. Sie möchten Wettkämpfe und nicht nur Trainingsspiele haben.“

Unverständnis äußert Tim Erdt, der den A-Klassisten TSV Rott trainiert. „Überall wird wieder gespielt, nur in Bayern klappt es nicht. Die Vereine haben alle ein Hygienekonzept erstellt und bei den Testspielen funktioniert es super. Warum dann nicht bei Pflichtspielen?“ Erfolge nicht bald der Re-Start, „werden viele Vereine Probleme haben. Besonders zweite Mannschaften und Jugendteams werden rückläufige Zahlen melden.“ Nach so einer langen Pause „werden viele Spieler das Interesse verlieren und eventuell ein anderes Hobby ausüben“, ist Erdt überzeugt.

BFV-Online-Umfrage

Folgende Fragen können die vereine in der Online-Umfrage des BFV beantworten: Frage 1: Halten Sie diese Entscheidung der Staatsregierung, Wettkampfspiele im bayerischen Amateurfußball nach wie vor nicht zu erlauben und auch keine Zuschauer in begrenztem Umfang zuzulassen, für richtig? Frage 2: Wollen Sie, dass der Wettkampfspielbetrieb im Jahr 2020 baldmöglichst wieder aufgenommen wird und der BFV sich dafür einsetzt? Frage 3: Soll der BFV rechtlich gegen das Verbot des Wettkampfspielbetriebs im Amateurfußball vorgehen und gegebenenfalls gerichtlich Gleichbehandlung mit Freiluft-Kulturveranstaltungen (analog §21 Abs. 2 der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung). Die Umfrage läuft bis kommenden Montag, 7. September.

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