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Marathon-DM: Christian Scholz besiegt Zweifel und Schmerzen

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Von: Paul Hopp

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Erfolgsduo: Christian Scholz (l.) mit Gojko Nitschke. Er ist „Betreuer, Trainer und Freund“, sagt Scholz. Obendrein brachte Nitschke ihn 2012 zum Laufsport.
Erfolgsduo: Christian Scholz (l.) mit Gojko Nitschke. Er ist „Betreuer, Trainer und Freund“, sagt Scholz. Obendrein brachte Nitschke ihn 2012 zum Laufsport. © privat

„Durchkommen“, so lautete das oberste Ziel von Christian Scholz bei der Marathon-DM. Der Peitinger erreichte aber nicht nur das Ziel, sondern übertraf seine Erwartungen.

Hannover – Bei der deutschen Meisterschaft im Marathon gab es aus Landkreis-Sicht mehrere Top-Ergebnisse. Der Peitinger Christian Scholz (52) gewann in seiner Altersklasse Silber – ein Resultat, mit dem er nicht gerechnet hatte. Markus Brennauer (42) und Hugo Mann (69), beide vom TSV Penzberg, holten jeweils Bronze. Beide sicherten jeweils erst in der Schlussphase den Podestplatz.

Christian Scholz läuft bei Marathon-DM zu Silber

Als Christian Scholz nach der Halbmarathon-Marke auf seine Laufuhr blickte, bekam er es mit der Angst zu tun. „Das bringe ich nicht ins Ziel“, schoss es dem Peitinger durch den Kopf. Die ersten 21,1 Kilometer hatte Scholz in 1:21:45 Stunden absolviert – viel zu schnell für seine Verhältnisse. Zur Erinnerung: Bei seinem Sieg bei der bayerischen Halbmarathon-Meisterschaft 2021 in Augsburg war er nach 1:22:16 Stunden über die Ziellinie gelaufen. Und nun lagen noch einmal gut 21 Kilometer vor ihm. Der befürchtete Einbruch kam aber nicht. Scholz hielt das Tempo hoch, nach 2:47:01 Stunden passierte er in seinem fünften Straßen-Marathon die Ziellinie. In der Altersklasse M50 hatte der Peitinger die Silbermedaille gewonnen. Für ihn, der mittlerweile fünf DM-Medaillen (auch im Berglauf errungen) zu Hause hat, „der größte Erfolg“.

Christian Scholz übertrifft in Hannover seine Erwartungen

Den hat er sich auch teuer erkauft. „Ich habe immer noch geschwollene Sprunggelenke“, berichtete Christian Scholz zwei Tage nach dem Wettkampf. Für gewöhnlich trägt der Peitinger Einlagen, selbst in Hausschuhen. Für seine Carbon-Laufschuhe passen die Einlagen aber partout nicht. Die Unvernunft siegte: Scholz lief ohne Einlagen, was ihm auf der Strecke schon bald Beschwerden einbrachte. Die Wade schmerzte, obendrein drückte der Zeitmess-Chip unangenehm auf den Vorderfuß. Scholz schaffte es, das alles auszublenden. In einem Marathon „tut jedem etwas weh“.

Unter den besten drei der M50-Klasse: Christian Scholz (links) holte Silber hinter Topfavorit Markus Mey (Mi./2:37:35) vom TV Konzen und vor Lokalmatador Oliver Sonnemann (rechts/2:49:14) von Hannover 96.
Unter den besten drei der M50-Klasse: Christian Scholz (links) holte Silber hinter Topfavorit Markus Mey (Mi./2:37:35) vom TV Konzen und vor Lokalmatador Oliver Sonnemann (rechts/2:49:14) von Hannover 96. © privat

Dass er den Lauf schneller als gewollt anging, hatte auch mit der speziellen Rennsituation zu tun. Schon gleich nach dem Start fand er sich im direkten Umfeld diverser M50-Konkurrenten wieder. Er musste also wohl oder übel mitlaufen. Bei recht kühler Witterung blieb der befürchtete Regen aus. Dafür blies ein starker Wind um die Häuserzeilen. In Gruppen war es ihm möglich, Windschatten zu nutzen. „Ich konnte mich gut verstecken“, berichtet Scholz mit einem Schmunzeln.

Mit seinem direkten Konkurrenten, Olaf Schönenborn (LG Erlangen), traf er die Vereinbarung, sich gegenseitig in der Führungsarbeit abzuwechseln. Doch irgendwie klappte das nicht, Schönenborn lief, auch als er nicht Führen musste, zumindest neben Scholz. Das rächte sich für den Franken in einer Phase, als in der Gruppe das Tempo stark wechselte. Ab Kilometer 35 musste Schönenborn abreißen lassen; er wurde „nur“ Vierter. Scholz hingegen konnte weiter Druck machen. Im Verbund mit Klaus Mannweiler (TSV Wolfratshausen) – mit 2:46:38 Stunden Vierter in der M55-Klasse – lief er weiter.

Für echte Athleten: Die Medaille, die Christian Scholz bekam.
Für echte Athleten: Die Medaille, die Christian Scholz bekam. © privat

„Ich habe alle meine Ziele erreicht, ja übertroffen“, freute sich der Peitinger. Zunächst einmal galt es, überhaupt durchzukommen. Mit einem Podestplatz hatte er geliebäugelt, aber nicht gerechnet. Und dass er im Schnitt pro Kilometer unter vier Minuten blieb (es waren 3:57 Minuten), „ist ein Traum“. Seinen bisherigen persönlichen Rekord unterbot er um satte sechs Minuten. Schneller als Scholz war am Ende des Tages nur der absolute Topfavorit: Markus Mey (TV Konzen) holte sich in 2:37:35 Stunden Gold.

Markus Brennauer überwindet Tief und läuft zu Bronze

Im Ziel war die Freude bei Markus Brennauer groß. Praktisch auf den letzten Metern hatte er noch den Bronzeplatz in der Altersklasse M40 erobert. Nach 2:28:39 Stunden für die 42,195 Kilometer passierte der Penzberger die Ziellinie.

Auch das ist interessant: Beim Gögerltraillauf in Weilheim lief die schnellste Frau absichtlich ohne Uhr. Der TSV Bernbeuren und der TSV Weilheim waren die erfolgreichsten Vereine beim Ski-Kreiscup-Finale. Der Schongauer Leichtathletik-Nachwuchs holte in München mehrere Spitzenplätze.

Gleich nach dem Start hatte er sich hinter den beiden schnellsten Frauen, Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) und Rabea Schöneborn (SSC Berlin/Marathon Team), eingereiht. „Die Tempomacher der beiden wollten auf 2:27 Stunden anlaufen. Das war zwar minimal schneller, als ich geplant hatte, aber ich wusste, dass ich in dieser Gruppe einfach meinen Kopf ausschalten und mitlaufen kann“, berichtete der 42-jährige Penzberger. Mit dabei in dieser Gruppe war auch Andreas Hecht (DJK Weiden), einer seiner direkten Konkurrenten in der M40-Klasse. Mit circa 15 weiteren Männern lief die Gruppe Kilometer um Kilometer in jeweils 3:29 Minuten.

Markus Brennauer vom TSV Penzberg wurde in der M40 Dritter.
Markus Brennauer vom TSV Penzberg wurde in der M40 Dritter. © Conny Lechner-Brennauer

Bei Kilometer 25 zerfiel die Gruppe, nachdem die Tempomacher von Domenika Mayer minimal beschleunigt hatten. „Als ich mein Kohlenhydratgel zu mir nahm und mich dabei leicht verschluckte, reduzierte ich für zehn Sekunden kurz das Tempo. Als ich mich wieder auf die Läufer vor mir fokussierte, bemerkte ich, dass eine kleine Lücke von fünf Metern entstanden war“, berichtete Brennauer. Diese Lücke konnte er nicht mehr schließen und lief nun gemeinsam mit Schöneborn, ihrem Tempomacher Steffen Uliczka und Hecht weiter. Nach der 35-Kilometer-Marke verlor Brennauer den Kontakt zu seinen drei Mitläufern. „Ich war mental nicht auf der Höhe und hatte Zweifel, ob ich das Tempo durchhalten könnte.“ Doch ab Kilometer 38 bemerkte er, dass auch Hecht Probleme bekam und der Rückstand langsam schmolz.

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Als kurz vor der 41-Kilometer-Marke die Kroatin Matea Parlov Kostro an Brennauer vorbeizog, hängte er sich an ihre Fersen. „Obwohl die Kroatin zu diesem Zeitpunkt deutlich schneller als ich war, konnte ich erstaunlich locker das Tempo mit ihr mitgehen“, so Brennauer. Eine Minute später hatten beide Hecht überholt – und Brennauer beschleunigte seinerseits nochmals und lief den letzten Kilometer in 3:25 Minuten. Damit distanzierte er Hecht noch um 49 Sekunden. Auf die Goldmedaille, die an Christian Looschen (BV Garrel) ging, fehlten Brennauer knapp zwei Minuten.

Hugo Mann kämpft sich zur Bronzemedaille

Wie Brennauer hatte auch Vereinskollege Hugo Mann (68) nicht mehr damit gerechnet, die Bronzemedaille gewinnen zu können. Dann tat sich noch eine Chance auf: „200 Meter vor dem Ziel sah ich vor mir Wolfgang Rühlemann, einen meiner Konkurrenten in der Altersklasse M65. Ich wusste, den muss ich noch überholen.“ Also setzte Hugo Mann zum Endspurt an. Mit einem fulminanten Endspurt zog der 68-jährige Penzberger an seinem Gegner aus Niedersachsen vorbei und distanzierte diesen noch um fünf Sekunden. Mit 3:11:51 Stunden feierte Mann ein gelungenes Comeback nach mehr als sechsjähriger Abstinenz von der Marathonstrecke. Von 2014 bis 2016 hatte der promovierte Finanzwissenschaftler in seiner jeweiligen Altersklasse den DM-Titel gewonnen. 2016 siegte er mit persönlicher Bestzeit von 2:49:48 Stunden – damals fand die DM in Frankfurt/Main statt.

Hugo Mann (im orangefarbenen Trikot) vom TSV Penzberg lief in der M65 zur Bronzemedaille.
Hugo Mann (im orangefarbenen Trikot) vom TSV Penzberg lief in der M65 zur Bronzemedaille. © Lechner-Brennauer

„Da mir im Training drei Wochen Vorbereitung fehlten, habe ich es etwas ruhiger angehen lassen. Ich habe zwar hinten raus den Trainingsrückstand gemerkt, aber es ging doch erstaunlich gut“, so der Penzberger. Die Halbmarathon-Marke hatte er nach 1:32:55 Stunden überquert, knapp eine Minute langsamer als Rühlemann. An diesem Rückstand änderte sich bis zur 40-Kilometer-Marke nichts. Doch Rühlemann war zu offensiv angelaufen und wurde auf den letzten zwei Kilometern immer langsamer, musste sogar gehen. Mann wurde zwar auch langsamer, konnte aber den Rückstand deutlich minimieren, sodass er sich doch noch die Medaille holte. Gold ging in der Altersklasse M65 an Peter Eckes (LG Bad Soden-Sulzbach-Neuenhain) mit 2:58:20 Stunden.

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