Franca Henseleit gehört dem deutschen Nachwuchskader an. Das Foto zeigt sie am Triathlon-Stützpunkt Nürnberg.
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Junge Athletin mit großem Potenzial: Franca Henseleit gehört dem deutschen Nachwuchskader an. Seit 2016 lebt die Steingadenerin des Sports wegen in Nürnberg, dort gibt es einen Triathlon-Stützpunkt.

TRIATHLON

Franca Henseleit: Über Schongau zur Junioren-WM

  • Paul Hopp
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Franca Henseleit ist eine der großen Triathlon-Talente in Deutschland. Eines ihrer Saisonziel ist die Teilnahme an der Junioren-WM. Dafür muss sie ausgerechnet in der Heimat überzeugen.

Steingaden/Nürnberg – Franca Henseleit klingt gut gelaunt, auch wenn sie weiß, dass sie gleich leiden muss. Auf die Triathletin wartet an diesem Tag noch eine Schwimmeinheit – und dieses Mal „wird es sehr anstrengend“, sagt sie. Das Training der maximalen Sauerstoffaufnahme (Fachbegriff: VO2max) steht an. Im Falle von Henseleit heißt das, 3 x 800 Meter mit stetem Tempowechsel zu schwimmen.

Derartige Plagereien gehören für das Mitglied des DTU-Nachwuchskaders zum täglichen Geschäft. Und Henseleit macht es gern. Denn die 18-Jährige will – wie ihr älterer Bruder Simon – im Triathlon zu den Besten in Deutschland gehören. Heuer wartet auf die Steingadenerin ein besonderes Highlight: In ihrer Heimat soll am 17. und 18. Juli, im Rahmen des Schongau-Triathlons, die deutsche Junioren-Meisterschaft stattfinden. Der Wettbewerb hätte schon 2020 in der Lechstadt steigen sollen, musste wegen Corona aber verschoben werden.

Franca Henseleit gehört dem DTU-Nachwuchskader an

In der Lechstadt „habe ich meinen ersten Triathlon absolviert“, sagt Franca Henseleit. Doch nicht nur der Erinnerungen wegen ist der Wettkampf etwas Besonderes: Bei der Nachwuchs-DM über die Sprint-Distanz (750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren, 5 Kilometer Laufen) geht es auch um die Qualifikation für die Junioren-Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr auf den Bermudas (15. bis 17. Oktober) über die Bühne gehen soll. Dort möchte sie dabei sein, zumal es ihr letztes Jahr in der Altersklasse „Juniorinnen“ ist. Danach startet die Steingadenerin in der U23-Klasse. Was die Konkurrenz betrifft, „wird es dort noch anspruchsvoller“.

2019 nahm Franca Henseleit bereits an einer Junioren-WM teil. In Lausanne belegte sie den 17. Platz, war allerdings mit einem Handicap ins Rennen gegangen. Aufgrund einer Fußverletzung konnte sie im Vorfeld kein Lauftraining absolvieren, ihre Leistung ist daher umso höher zu bewerten. Die Atmosphäre bei den Titelkämpfen, bei der auch die Elite-Athleten ihre Sprint-Weltmeister ermittelten, beeindruckte die Steingadenerin. Klar also, dass sie unbedingt auf den Bermudas dabei sein will.

Da der Saisonhöhepunkt allerdings erst so spät im Jahr stattfindet, ist die sogenannte Trainingssteuerung heuer eine besondere Herausforderung. Der erste Wettkampf, bei dem es auch um die Qualifikation für die Junioren-EM geht, steigt am 16. Mai in Forst (Baden-Württemberg). Bei der Europameisterschaft kann man sich ebenfalls für die WM qualifizieren. Der derzeitige „Plan ist, den Schwerpunkt auf die zweite Saisonhälfte zu legen“, sagt Henseleit. Der erste Wettkampf in Forst liegt nicht nur der Jahresplanung wegen „leider ungünstig“, sagt die Steingadenerin. In dieser Zeit stehen die Abiturprüfungen auf dem Programm. Sie wird sich daher „vom Kopf her eher in der Schule“ befinden, mutmaßt Henseleit.

Franca Henseleit macht in diesem Jahr Abitur

Die Kader-Athletin, die seit 2016 die Eliteschule des Sports in Nürnberg besucht, hat die Möglichkeit genutzt, die Oberstufe auf drei Jahre auszudehnen. Die Prüfungen wird sie in Englisch, Sporttheorie, Mathematik, Geschichte und Deutsch ablegen. Das Internat in Nürnberg hat die 18-Jährige verlassen, mit drei Trainingskollegen lebt sie in einer WG. In einem Youtube-Video der Aktion „Class of 22“ im Hinblick auf die European Games 2022 in München (wir berichteten) sagt sie über ihre Mitbewohner mit einem Schmunzeln: „Noch kann ich alle ganz gut leiden.“ Zu Schule und Training kommt nun allerdings noch das Führen des Haushalts hinzu – für Henseleit ist das kein Problem: „Es gefällt mir richtig gut.“

Im vergangenen ersten Corona-Jahr konnte die deutsche A-Jugend-Meisterin und Europameisterin in der Mixed-Staffel von 2019 (das EM-Gold holte sie zusammen mit Bruder Simon) keinen Triathlon-Wettkampf bestreiten. Auch, weil ihr der Fuß erneut Probleme bereitete. Im Februar 2020 holte Henseleit bei der bayerischen Meisterschaft im Crosslauf in ihrer Klasse noch den Titel. Doch danach ging nichts mehr. Für die Teilnahme am einzigen Bundesliga-Rennen „wäre die Belastung für den Fuß zu hoch gewesen“, sagt sie. Henseleit machte aus der Not eine Tugend, reduzierte das Training und konnte so die Verletzung „gut ausheilen lassen“. Darüber hinaus hat sie für geraume Zeit „den Fokus weg vom Sport gelegt“.

Auch im Winter im Freien unterwegs: Franca Henseleit bei einer Radeinheit Ende Februar. Derzeit kommt die Athletin, die heuer Abitur macht, pro Woche auf bis zu 18 Stunden Training.

Derzeit sieht sich Henseleit, was ihre Form betrifft, „auf einem ganz guten Weg“. Je nach Belastungsprogramm trainiert sie zwischen zehn und 18 Stunden pro Woche. Sie versuche „nicht in eine Überlastung des Fußes reinzukommen“. Die Corona-Pandemie hat das Training der Kader-Athleten nur wenig beeinträchtigt. „Wir haben sehr gute Möglichkeiten. Wir durften zum Beispiel ununterbrochen das Schwimmbad nutzen.“ Einziger echter Negativaspekt: Trainingslager in südlichen Gefilden – beliebte Ziele sind die Toskana und Mallorca – fallen aus. In einem Trainingslager „ist der Fokus noch einmal ganz anders“, erklärt Henseleit. Der Athlet konzentriere sich voll auf den Sport, „das ist eine regelrechte Blase mit Training, Essen, Schlafen“. Die wärmeren Temperaturen im Süden machen sowohl Rad- als auch Laufeinheiten angenehmer, sagt Henseleit.

Bei ihrem jüngsten Besuch bei den Eltern in Steingaden konnte die Triathletin einen schönen Tag zu einer längeren Rad-Einheit nutzen. Insgesamt hat sie die Fahrten in die Heimat wegen Corona stark reduziert. „Wir versuchen, uns mit der Trainingsgruppe weitgehend zu isolieren“, so die 18-Jährige. Die wichtigste Reise heuer nach Schongau – im Juli – möchte Franca Henseleit ja topfit und coronafrei antreten.

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