Eishockey-WM: Schweiz - Deutschland
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Der Jubel darf gern weitergehen: Die deutschen Nationalspieler (hier nach dem Viertelfinalsieg über die Schweiz) haben bei der WM in Riga für positive Schlagzeilen gesorgt.

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Freude über DEB-Auswahl und Hoffen auf einen Boom nach der WM

  • Paul Hopp
    vonPaul Hopp
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Mit dem Einzug ins WM-Halbfinale hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft für eine Überraschung gesorgt. Am Samstag (17.15 Uhr) spielt das Team gegen Finnland. Die Euphorie bei den Eishockey-Enthusiasten ist groß – auch im Landkreis.

Landkreis/Riga – Mit dem Einzug ins WM-Halbfinale hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft für eine Überraschung gesorgt. Am Samstag (17.15 Uhr) spielt das Team von Bundestrainer Toni Söderholm gegen Finnland um den Einzug ins Endspiel. Die Euphorie bei den Eishockey-Enthusiasten ist groß – auch im Landkreis.

Andreas Feuerecker ist vor dem Viertelfinale gegen die Schweiz ganz auf Nummer sicher gegangen. Der Kapitän des EC Peiting hat an seinem Fernseher extra den Timer gestellt, damit er auch ja nicht den Spielbeginn verpasst. „Die Spielzeiten bei einer WM sind ja doch etwas anders als sonst“, sagt der 29-Jährige. Gemeinsam mit seiner Freundin sah der Oberliga-Spieler das packende Duell mit den Eidgenossen – und war begeistert: „Das waren Emotionen pur.“ Da waren zum einen der 2:2-Ausgleich kurz vor Schluss und zum anderen der freche Move von Siegtorschütze Marcel Noebels im Penaltyschießen. Einen Penalty so zu verwandeln, „zeugt von Selbstbewusstsein“, sagt Feuerecker. „Das war richtig stark.“

Eishockeyspieler Andreas Feuerecker, Kapitän beim EC Peiting.

Dem deutschen Team traut der Wallgauer nun auch den Einzug ins Finale zu. Ein Erfolg wie im Viertelfinale „kann dir so einen Schub geben. Und wenn du im Flow bist, entwickelst du dich und dein Spiel weiter.“ Was mit Euphorie alles möglich ist, hat der 29-Jährige selbst beim EC Peiting schon diverse Male erlebt.

Auf einen deutschen Spieler achtet Feuerecker in Riga besonders: Maximilian Kastner. Mit dem DEL-Profi des EHC Red Bull München hat der ECP-Kapitän seinerzeit beim SC Riessersee den gesamten Nachwuchs durchlaufen. Gemeinsam feierten sie mit dem SCR 2011 auch den Titelgewinn in der Oberliga. Kontakt haben Feuerecker und Kastner „ab und zu“, während der WM allerdings nicht. Mit Verteidiger Marcel Brandt spielte Feuerecker übrigens 2012/2013 gemeinsam beim EV Regensburg. „Die Eishockey-Szene ist doch relativ klein“, sagt der Polizist.

Die Erfolge der DEB-Auswahl haben Feuerecker zufolge durchaus das Zeug dazu, „einen Schub fürs Eishockey“ auszulösen. Im Nachgang der WM könnten sich doch „vielleicht die einen oder anderen Eltern entschließen, mit ihren Kindern zum Eishockey zu gehen“. Es sei allerdings auch so, dass „leider alles neben Fußball bei uns Randsportart ist“. Der Oberliga-Spieler selbst hat die kommende Saison im Blick: Mit Rennradfahren, Mountainbiken, Tempoläufen und Krafttraining (im Corona-Lockdown hat er im Keller entsprechende Geräte aufgebaut) arbeitet er an seiner Form. Beim ECP ist Feuerecker als der Fitnesskönig im Team bekannt. Zum Halbfinale, das ist klar, geht es aber wieder vor den Fernseher.

Björn Michels und Ehefrau Bianca gaben sich am Viertelfinal-Tag bei der WM das volle Programm: Die beiden schauten sich alle vier Partien an. Die Freude über den deutschen Erfolg war groß. Das, was das DEB-Team in Riga abliefert, „ist sehr, sehr gut“, sagt Björn Michels. Der 40-Jährige, beruflich in der Werkzeugverwaltung tätig, ist bei der EA Schongau Hauptnachwuchstrainer (U7 bis U20) und zugleich BEV-Stützpunktleiter in Füssen. Bianca Michels ist beim BEV Jugend-Obfrau der Region 4 (mit den Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau, Landsberg). „Bei uns daheim dreht sich alles ums Eishockey“, sagt Björn Michels. Selbst im Urlaub gibt es keine Ausnahme: Vorige Woche, in Italien, setzten die beiden alles daran, die WM-Spiele anschauen zu können.

Björn Michels, Haupt-Nachwuchstrainer (U7 bis U20) bei der EA Schongau.

Dass nun Eishockey in den Blickpunkt der Berichterstattung gerückt ist, sei „für den Nachwuchs ganz wichtig“, sagt Björn Michels. So würden die jungen Mädchen und Buben, die wegen der Corona-Beschränkungen weder trainieren noch spielen durften, sehen: „Hey, Eishockey gibt es noch!“ Und Eltern, die für ihre Kinder einen Sport suchen, werden leichter darauf aufmerksam. Nach Silber bei Olympia 2018 gab es kurzzeitig einen Hype, „doch der war schnell wieder vorbei“, sagt Michels. Durch die WM erhofft sich der Coach mit Lizenz schon auch einen Boom. Der macht zumindest „für kleine Vereine die Rekrutierung junger Spieler einfacher“. In seiner Jugend hat Michels auch Fußball und Handball gespielt. Doch zum „Spirit in einer Eishockey-Mannschaft gibt es nix Vergleichbares“, schwärmt er. Der Sport bietet ein umfassendes Training und ist auch taktisch anspruchsvoll.

Um Eishockey für Eltern und Kinder attraktiv zu machen, reicht es heutzutage nicht, einfach nur mal das Stadiontor zu öffnen. „Die Eltern schauen genau, wo sie das Bestmögliche bekommen“, sagt Michels. Entsprechend versucht er, das Angebot bei der EA Schongau zu gestalten. Und siehe da: Trotz Corona „hat es schon Früchte getragen“, berichtet der gebürtige Hesse, der einst in Limburg und Bad Nauheim seine Laufbahn begann. Für die deutsche Mannschaft bei der WM „ist jetzt alles möglich“, sagt Michels. Fürs Halbfinale tippt er auf einen 3:2-Sieg nach Verlängerung.

Die Frage, wie sie die WM verfolgt, „ist wirklich spannend“, sagt Monika Häring (früher Bittner) – und lacht. Vor fünf Wochen wurde die ehemalige Nationalspielerin aus Peißenberg zum zweiten Mal Mutter. Zu einem Sohn (3) ist nun eine Tochter hinzugekommen. Das verschiebt die Prioritäten – und verringert auch die Möglichkeiten, Partien überhaupt anzuschauen. Die Endphase des Viertelfinales gegen die Schweiz verfolgte Häring – zu Besuch bei den Eltern – aber doch am Fernseher. „Da ist man von null auf hundert wieder dabei“, sagt die 33-Jährige.

Monika Häring (damals noch Bittner) bei einem Vorrundenspiel bei Olympia 2014 in Sotschi.

Die WM ist auch dadurch etwas Besonderes, dass „der Name ,Bittner‘ wieder international dabei ist“. Weitschichtig ist die Peißenbergerin, die seit 2014 in Bad Tölz wohnt, mit Dominik Bittner verwandt. In ihrer Laufbahn bestritt Monika Häring mit den DEB-Frauen diverse Weltmeisterschaften in der Top-Gruppe und der Division I (2011 war sie Torschützenkönigin). Ein Höhepunkt war 2014 die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Sotschi. Sie weiß, wie es ist, bei Titelkämpfen enge Spiele zu absolvieren. Dass das DEB-Team nun ein solches gewonnen hat, „freut mich ungemein“.

2017 beendete Häring, die mit dem ESC Planegg unter anderem fünf deutsche Meistertitel gewann, ihre Karriere. Es sei aber doch erstaunlich „wie schnell man aus dem Ganzen raus ist“, sagt die ehemalige Sportsoldatin. Hin und wieder werde sie gefragt, ob sie nicht doch wieder aufs Eis gehen möchte, doch das Kapitel ist für Häring vorbei: „Ich genieße mein jetziges Leben.“

Für die DEB-Auswahl ist im Halbfinale „nix unmöglich“. Realistischer jedoch, so Häring, sei aber, dass es am Ende um Bronze geht. Immerhin steht das Team unter den letzten vier, „man kann jetzt schon drauf stolz sein“. Und das Ergebnis zeige auch, „dass Olympia 2018 keine Eintagsfliege war“.

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