Simon Henseleit (Mitte) bei der Supersprint-EM in Kitzbühel. Links auf dem Foto der Russe Alexander Bryukhankov, rechts der Niederländer Donald Hillebregt.
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Kampf bis zur totalen Erschöpfung: Simon Henseleit (Mitte) musste im Semifinale der Eliteklasse schon auf der Radstrecke sehr viel Kraft investieren. Am Ende verpasste er knapp den Einzug ins A-Finale. Links auf dem Foto der Russe Alexander Bryukhankov, rechts der Niederländer Donald Hillebregt.

TRIATHLON: Franca und Simon Henseleit äußern sich zu Super-Sprint-EM

„Sport auf diesem Niveau ist einfach knallhart“

  • Paul Hopp
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Sieben Medaillen in acht Wettbewerben: Für die Deutsche Triathlon-Union (DTU) verlief die Europameisterschaft im Super-Sprint sehr erfolgreich. Franca und Simon Henseleit aus Steingaden erlebten in Kitzbühel Aufs und Abs.

Kitzbühel – Sieben Medaillen in acht Wettbewerben: Für die Deutsche Triathlon-Union (DTU) verlief die Europameisterschaft im Super-Sprint (500 Meter Schwimmen/12 Kilometer Radfahren/3 Kilometer Laufen) sehr erfolgreich. „Wir freuen uns riesig, dass es so ausgegangen ist. Das bestätigt einen sehr guten Trend und zeigt, dass wir in den vergangenen Jahren einiges richtig gemacht haben“, sagte Jörg Bügner, Sportdirektor der DTU. Mit Aufs und Abs verlief die EM für Franca und Simon Henseleit aus Steingaden.

Franca Henseleit: Zu Boden gingen im Ziel fast alle Athletinnen. Doch anders als die meisten ihrer Konkurrentinnen, die sich in den Schatten verzogen, blieb Franca Henseleit erst einmal schwer atmend in der prallen Sonne liegen. Irgendwie kam die 18-Jährige an eine Wasserflasche – den Inhalt kippte sie sich über den Kopf. Die Steingadenerin hatte im A-Finale der Juniorinnen absolut alles gegeben. Und deswegen war Henseleit mit ihrem Auftritt auch „voll zufrieden“, wie sie im Youtube-Kanal „reyemotion“ sagte. Dass es nicht zu einem absoluten Spitzenplatz reichen würde, war für sie keine Überraschung. „Dafür verlief die Vorbereitung nicht top und lang genug.“ Im Vorfeld hatte sie körperlich bedingt das Lauftraining reduzieren müssen. Auf dem Niveau einer EM ist so ein Nachteil nicht wettzumachen. „Ich wusste, im Laufen werden viele an mir vorbeiziehen.“

Zufrieden: Franca Henseleit qualifizierte sich fürs A-Finale der Juniorinnen und mischte dort lange unter den Besten mit.

Im Schwimmen und auch beim Radfahren zeigte Henseleit sowohl am Freitag (Semifinale) als auch am Samstag (A-Finale), dass sie mit den besten Nachwuchstriathletinnen des Kontinents mithalten kann. Im A-Finale der Top 30 kam sie elf Sekunden nach der Führenden aus dem Wasser. Die 500 Meter hatte Henseleit in 6:29 Minuten absolviert. Durch einen schnellen Wechsel schaffte es die Steingadenerin in die erste Radgruppe, die 20 Athletinnen umfasste. Dort fuhr sie – mit den anderen Deutschen – taktisch geschickt im Windschatten. Den Plan, sich zu viert abzusetzen, mussten die DTU-Juniorinnen begraben. „Auf der Strecke war es echt schwierig wegzukommen“, berichtete Franca Henseleit. Als es zum zweiten Wechsel ging, vermied sich jedes Sturzrisiko im Pulk und platzierte sich ganz vorn. Den Radsplit hatte sie in 18:14 Minuten (zehntbeste Zeit) geschafft. Auf die Laufstrecke ging Henseleit als Dritte.

Nach einigen hundert Metern war allerdings klar, dass sie im Kampf um die Medaillen nicht würde eingreifen können. Vorn machten die Spanierin Maria Mojica und die Deutsche Jule Behrens enorm Tempo. Was mit einer starken Laufzeit alles möglich ist, zeigte die Schwedin Tilda Mansson: Sie, beim Radfahren bisweilen schon abgehängt, stürmte mit 10:40 Minuten noch auf den Silberplatz zwischen der neuen Europameisterin Behrens und der Dritten, Mojica. Franca Henseleit landete mit 12:12 Minuten im Laufen (29. Rang, aber immer noch ein Durchschnittstempo von 14,8 km/h) und der Gesamtzeit von 38:08 Minuten auf dem 21. Platz. Neben Behrens (1./36:41) landeten auch die anderen Deutschen, Julia Bröcker (4./37:02) und Finja Schierl (10./37:29) vor Henseleit. Die Kolleginnen „haben es mega-gut gemacht“, zollte die Steingadenerin Respekt. Ihre insgesamt gute Laune nach dem A-Finale hatte auch mit einer Nachricht abseits des Sports zu tun: Zwischen ihren beiden Einsätzen erfuhr sie ihre Abi-Note – die fiel mit 1,2 erstklassig aus. „Das fühlt sich cool an.“

Simon Henseleit: Es war schon eine Leistung, dass Simon Henseleit am zweiten Tag das Wettkampfgelände überhaupt erreicht hatte. Zum B-Finale der Eliteklasse, verriet der 21-Jährige, hatte er zunächst nur wenig Lust. Die Enttäuschung über das verpasste A-Finale war groß. Doch „irgendwie bin ich dann doch ein bisschen in den Wettkampfmodus gekommen“, sagte Henseleit. Ein Verzicht war für ihn nicht wirklich eine Option: „Immerhin ist es eine Europameisterschaft, und viele Topathleten und auch einige Olympiakandidaten hatten es nicht ins A-Finale geschafft.“ Obendrein „wollte ich auch einen versöhnlichen Abschluss für das Wochenende finden und einfach mal wieder etwas Selbstvertrauen für die nächsten Wettkämpfe mitnehmen“. Das gelang: Henseleit zeigte eine gute Leistung und belegte mit der Gesamtzeit von 33:19 Minuten den vierten Rang. Im Zielsprint setzte er sich noch gegen den Russen Alexander Bryukhankov durch.

Anders als bei der DM in Berlin und auch im EM-Semifinale schaffte es Henseleit, in der abschließenden Disziplin auf Augenhöhe mit den Besten zu agieren. Die drei Kilometer lief er in 9:42 Minuten, dies war der fünftbeste Wert im 30er-Feld. Mit so einer Laufzeit am Tag zuvor „hätte ich mich auch locker fürs A-Finale qualifiziert“. Warum er zuletzt bei den Wettkämpfen nicht so hundertprozentig fit war wie gewünscht, darüber rätselt der Kaderathlet selbst. Ein größerer Check in dieser Woche samt Blutbild soll klären, „ob es einen klaren Grund für mein schlechtes Gefühl in den letzten Wochen gibt“.

Im B-Finale im Laufen in einem guten Rhythmus

Im Semifinale war Simon Henseleit bis zum Laufen in der 16 Mann umfassenden Spitzengruppe dabei, hatte beim Schwimmen und beim Radfahren aber schon viel Kraft verbraucht. Nach der ersten Laufrunde lag er an siebter Stelle, befand sich aber „komplett am Anschlag“. Als Elfter verpasste er um zwei Plätze die direkte A-Finalqualifikation und auch über die Zeit scheiterte er knapp. Im Ziel „übergab ich mich mehrmals und konnte längere Zeit nicht aufstehen, weil meine Hüftbeuger auf beiden Seiten krampften und ich komplett erschöpft war“. Als positiv darf Henseleit verbuchen, dass er sich bis zum Tag darauf wieder erholte. In der Addition beider Endläufe belegte Simon Henseleit den 32. Rang in der Eliteklasse und den 13., Platz in der U23-Wertung. 92 Männer waren zu der EM angetreten.

„Der Sport ist auf diesem Niveau einfach knallhart, und neben den Höhen muss es einfach auch die Tiefen geben“, so der 21-Jährige. Am Sonntag, 27. Juni, steht in Potsdam das zweite Bundesliga-Rennen der Saison an. „Das wird dann der erste Reiz nach meiner ruhigen Woche“, so Henseleit. „Mal sehen, ob das funktioniert, aber ich bin optimistisch.“

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