Packen wir’s an: Beim Gletschertraining im schweizerischen Saas-Fee schnallte sich Simon Jocher erstmals nach längerer Zeit wieder die Skier an.
+
Packen wir’s an: Beim Gletschertraining im schweizerischen Saas-Fee schnallte sich Simon Jocher erstmals nach längerer Zeit wieder die Skier an.

SKI ALPIN

Simon Jocher hat nicht nur Olympia im Blick

Simon Jocher ist schon fleißig auf Schnee unterwegs, um sich für den kommenden Winter fit zu machen. Die Olympischen Spiele in Peking hat der Schongauer zwar im Blick, doch vornehmlich konzentriert er sich auf andere Dinge.

Schongau – Die Saisonvorbereitungen von Simon Jocher nehmen Fahrt auf. Unlängst absolvierte der Schongauer in Diensten des SC Garmisch seine ersten Speedtage am Gletscher in Saas-Fee in den Schweizer Alpen unweit der italienischen Grenze. In den kommenden Wochen wird er mit seinen Teamkollegen noch viel Zeit auf den Gletschern in der Schweiz, in Südtirol und in Österreich verbringen, ehe es dann im November nach Copper Mountain in den Vereinigten Staaten geht, um dort in die Rennsaison im Weltcup zu starten.

Die ersten Tage auf den langen Latten fühlten sich für den 25-jährigen Schongauer eigenen Worten nach noch ein bisschen nach Rantasten an. „Aber nach drei Super-G- und drei Abfahrtstagen war das Skigefühl wieder voll da“, berichtete Jocher, der sich auch konditionell top vorbereitet fühlt. Dafür hat er den ganzen Sommer über fleißig gearbeitet. In Maria Alm (Salzburg) gab es einen Konditions-Lehrgang gemeinsam mit allen Weltcupfahrern. „Außerdem hab’ ich viel im Allgäu mit Andreas Sander und Manuel Schmid trainiert“, berichtet der Sportsoldat. Hinzu kommen die unzähligen Stunden nach Trainingsplan zuhause in Garmisch-Partenkirchen, wo Jocher lebt.

Viel Urlaubszeit ist da nicht geblieben, die Sommerpause, die eher zu einer Frühlingspause wurde, war kurz. „Im April hätten wir Zeit gehabt, um länger Urlaub zu machen, aber da ging es wegen Corona nicht. So sind es halt im August nur ein paar Tage Gardasee geworden“, so Jocher, der diesen Umstand gelassen nimmt. Corona hat nicht nur die Urlaubsplanung beeinflusst, es wird auch weiter Thema bleiben. „Manchmal stelle ich mir persönlich schon Fragen“ so der Schongauer. Was passiert jetzt mit der vierten Welle? Wann wäre eine Impfauffrischung nötig? „Womöglich genau im Winter während der Rennsaison“, gibt Jocher zu bedenken. „Aber dann blend’ ich es wieder aus, denn beeinflussen kann ich es ja eh nicht. Und sind wir ehrlich, es geht uns eh gut.“

Diesmal kein Trainingslager in Chile

Generell sei die Lage ohnehin viel entspannter als vergangenen Sommer. Man wisse, wie man zu handeln habe. Da eigentlich alle im Team geimpft seien, ginge vieles einfacher. Sogar das geplante Trainingscamp im Chile hätte geklappt. Gescheitert ist es nicht wie befürchtet an Corona, sondern am Schneemangel auf der Südhalbkugel. Durch den Ausfall des Trainingslagers ist dem Team aber auch einiges an Reiseaufwand erspart geblieben. In einer Saison, in der die Olympischen Spiele in Peking und damit lange Zeiten fort von der Heimat anstehen, ist das vielleicht auch kein Nachteil.

Olympia, das Thema des Winters 2022, beschäftigt auch Jocher. „Logisch möchte ich mich dafür gern qualifizieren, vor allem, nachdem ich vergangene Saison bei der WM in Cortina starten durfte“, gibt der Schongauer freimütig zu. Seine Einschätzung: „Möglich ist es, aber es wird sicher sehr schwierig.“ Sein Primärziel sind die Speed-Disziplinen, aber auch die Kombination, in der er in Cortina hervorragender Fünfter wurde, ist natürlich ein Thema. „Allerdings weiß noch keiner, wie das laufen wird.“ Im Weltcup sei vorerst keine Kombination geplant, „daher ist noch komplett offen, was die Qualifikationskriterien sein könnten“, so Jocher. Es heißt also: abwarten und sich einfach in jedem Rennen gut verkaufen.

Der Sportsoldat möchte nicht in alte Verhaltensmuster verfallen und zu viel auf Ergebnisse und Punkte schauen. „Was hab’ ich mir früher den Kopf über FIS-Punkte zerbrochen, und das ist immer nach hinten losgegangen.“ Mittlerweile sei er eher handlungsorientiert. „Ich fokussiere mich auf meine Technik und mein Skifahren und versuche, mich dort zu verbessern. Dann kommt der Rest von selbst.“ Der Rest wäre, im Weltcup weiter Fuß zu fassen, Punkte zu sammeln und sich damit für Olympia zu empfehlen. Blickt man zurück auf den vergangenen Winter, den Jocher genauso handlungsorientiert angegangen war und letztlich mit 40 Weltcuppunkten und zwei tollen WM-Ergebnissen abschloss, dann scheint dies die richtige Taktik für den Schongauer zu sein. Text: Kathrin Ebenhoch

Schongau-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Schongau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Schongau – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare