Harte Konkurrenz im Weltcup: Beim Super-G in Val Gardena musste sich Simon Jocher unter 54 Fahrern, die ins Ziel kamen, mit Rang 52 begnügen.
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Harte Konkurrenz im Weltcup: Beim Super-G in Val Gardena musste sich Simon Jocher unter 54 Fahrern, die ins Ziel kamen, mit Rang 52 begnügen.

SKI ALPIN

Keine Punkte, aber viel gelernt - Simon Jocher beim Weltcup in Gröden, Nadine Kapfer mit Debüt in Val d’Isère

Jetzt hat es geklappt: Nadine Kapfer hat im Weltcup ihr Debüt gegeben. Punkte gab es keine, aber viel Erfahrung. Das gilt auch für Simon Jocher.

Schongau/Peiting – Es ging nicht um die Ergebnisse, sondern darum, Erfahrung zu sammeln. So gesehen war das vergangene Wochenende für den Schongauer Simon Jocher und die Peitingerin Nadine Kapfer auch ohne Weltcup-Punkte erfolgreich. Im Speedbereich ist für junge Rennläufer im Weltcup die Definition eines erfolgreichen Wochenendes eine andere. Auch ohne Top-Ergebnisse und Punkte auf dem Konto kann ein Rennwochenende durchaus zufriedenstellend verlaufen sein. Oder „lehrreich“, wie Simon Jocher es formuliert. Dabei ist „lehrreich“ keineswegs negativ gemeint. Denn Fakt ist einfach: „Wir müssen noch viel lernen und viele Erfahrungen sammeln“, so der für den SC Garmisch startende 24-jährige Schongauer. Ein Weltcuprennen sei einfach etwas ganz anderes als der Europacup.

Das sieht auch Nadine Kapfer so, die sich nach der Absage der beiden Super-G-Rennen in St. Moritz nun in Val d’Isère (Frankreich) tatsächlich zum ersten Mal aus einem Weltcup-Starthaus abstieß. „Es war cool, aber auch alles total ungewohnt und auch deutlich anspruchsvoller als beim FIS- oder Europacuprennen.“ Allein die Strecke sei eine ganz andere Herausforderung. „Da muss man sich erst herantasten“, sagt Kapfer, mit 20 Jahren eine der jüngsten unter den Speedfahrerinnen im Weltcup. „Im ersten Training ist mir das im oberen Abschnitt überraschend gut gelungen, aber dann hab’ ich verschnitten und bin gestürzt. Das bremst einen dann wieder ein wenig ein“, gab sie unumwunden zu.

Schockmoment bei Sturz von Kontrahentin

Ihre ersten Zwischenzeiten lagen im Bereich der Top 20. Nach dem Sturz reihte sie sich weiter hinten ein, ließ das Abfahrtsrennen wie geplant aus und kam dann im Super-G nicht ins Ziel. „Aber dennoch habe ich viele Erfahrungen gesammelt.“ Dazu gehörte auch, den Sturz der Österreicherin Nicole Schmidhofer – sie durchschnitt dabei mit ihren Skiern das Fangnetz und zog sich eine schwere Knieverletzung zu – hautnah mitzubekommen. „Da macht man sich dann schon seine Gedanken, dass das selbst den Besten passiert“, gesteht Kapfer. Natürlich gebe es auch bei Europacuprennen schwere Stürze. „Aber die sieht man nicht.“

Es lief noch nicht alles rund: Nadine Kapfer schied im Super-G von Val d’Isère aus. In der Abfahrt ging sie nicht an den Start.

Auch Jocher empfindet den Weltcup noch als etwas ganz anderes. Außerdem sei jede Strecke auch etwas Neues. „Gröden zum Beispiel hat viele hohe Sprünge“, sagt der 24-Jährige. Man sei da ziemlich lange in der Luft. Da brauche es eine andere Herangehensweise als in Val d’Isère. Die war bei Jocher im ersten Training, das er auf Rang 27 beendete, sowie im Abfahrtsrennen, als ein 37. Platz heraussprang, als durchaus gut gelungen zu bezeichnen. Und obwohl er mit hohen Sprüngen noch nicht so erfahren ist, hatte er just über die berüchtigten Kamelbuckel jeweils seinen schnellsten Teilabschnitt hingelegt, was im Rennen die 19. Zeit auf diesem Streckenteil der „Saslong“ bedeutete.

Die entscheidende Zeit auf einen Rang unter den besten 30 Fahrern hatte er allerdings schon oben in der Gleitpassage liegen lassen. „Das Gleiten ist immer noch nicht so meins, und wenn du dann einen kleinen Fehler vor dem Flachstück einbaust, ist im Weltcup einfach zu viel Zeit weg“, analysierte der Schongauer.

Immer Vollgas geben

Ähnlich gnadenlos geht es auch im Super-G zu. „Klar bekomme ich durch meine hohe Startnummer viele Infos von der Strecke. Trotzdem musst du im Weltcup immer Vollgas geben, und dann passieren einfach Fehler und du landest hinten im Feld“, so Jocher. In Val Gardena musste sich der Schongauer unter 54 Fahrern, die ins Ziel kamen, mit Platz 52 bescheiden. Um das zu ändern, braucht es Erfahrung, Erfahrung, Erfahrung. Diese möchte Jocher zwischen den Jahren nun auch beim Weltcup in Bormio (Italien) sammeln und dann im neuen Jahr auf möglichst vielen weiteren Weltcupstrecken. „Ich bin neugierig darauf. Und je mehr Strecken ich kennenlernen kann, umso besser.“

Für Nadine Kapfer geht es nach Weihnachten wohl erst einmal zurück in den Europacup. „Darauf liegt heuer mein Fokus, hier möchte ich gern richtig Fuß fassen.“ Aber sollte noch einmal ein Einsatz im Weltcup kommen, wird die Peitingerin sicher nicht nein sagen: „Denn Val d’Isére hat definitiv Lust auf mehr gemacht.“ KATHRIN EBENHOCH

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