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Trotz Pause auf zwei Rädern unterwegs: Der Moto2-Pilot Marcel Schrötter hält sich rund um seine Heimat Vilgertshofen mit dem Rennrad fit. Wann er das nächste Mal Motorrad fahren darf, ist noch nicht abzusehen.

Moto2

Marcel Schrötter wird bei virtuellem Rennen Sechster - nach Rennende hat er eine Forderung

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Die coronabedingte Zwangspause trifft auch Moto2-Pilot Marcel Schrötter aus Vilgertshofen hart. Er vertreibt sich die Zeit mit Fahrradfahren und virtuellen Rennen.

Update, 5. Mai: Strahlender Sonnenschein, glühende Hitze am Asphalt und tosende Motoren. Für die Motorrad-Fans wäre das vergangene Wochenende mit den Rennen im spanischen Jerez sicher ein Traum gewesen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde daraus bekanntlich nichts. Damit die Zuschauer aber nicht vollends ohne Motorsport auskommen mussten, haben sich die Verantwortlichen der Rennserien Moto3, Moto2 und MotoGP etwas einfallen lassen. An der Konsole traten in jeder Rennklasse die Fahrer gegeneinander an – einer pro Team. 

Mit dabei war auch der Vilgertshofener Marcel Schrötter. Er vertrat sein „Liqui Moly Intact“-Team bei dem virtuellen Rennen der Moto2, das die Zuschauer per Livestream verfolgen konnten. Dort war nicht nur die Rennstrecke zu sehen, sondern auf jeden Fahrer war eine Kamera gerichtet. Manche saßen in den Klamotten ihres Teams in richtigen Gaming-Stühlen in abgedunkelten Räumen. Andere waren eher gemütlich gekleidet und machten es sich im Wohnzimmer bequem. Bei Marcel Schrötter hingen im Bild-Hintergrund – für die Zuschauer gut sichtbar – Rennanzüge. 

Schrötter durch Kolission zurückgeworfen

Beim Rennen ging es dann hoch her. Beinahe jeder Fahrer verursachte eine Kollision. Zum Glück endet die an der Playstation ja deutlich glimpflicher als im echten Leben. Schrötter war im Qualifying die viertbeste Zeit gefahren. Der Vilgertshofener erwischte im Rennen allerdings keine gute erste Runde und fiel zurück. Danach fuhr er eher unauffällig und kam nach acht Runden als Sechster von zehn Startern ins Ziel. Den Sieg holte sich der Italiener Lorenzo Baldassarri, der auch den richtigen Grand Prix 2019 in Jerez gewonnen hatte. Umgehend nach Rennende forderte Schrötter eine Revanche. Dabei ging es aber nicht nur um den Spaß der Fahrer und Zuschauer, sondern um einen guten Zweck. Für die Stiftung „Two Wheels for Life“, die Hilfsprojekte in Afrika unterstützt, wurden Spenden gesammelt.

Marcel Schrötter startet bei virtuellem Rennen - „bin brutal nervös“

Erstmeldung, 3. Mai: Vilgertshofen – Normalerweise reist Moto2-Pilot Marcel Schrötter für seine Motorrad-Rennen quer durch die Welt. Doch das Coronavirus hat auch seinen Sport komplett lahmgelegt. Im Interview erzählt der 27-jährige Pflugdorfer, der normalerweise in der Nähe von Barcelona (Spanien) lebt, wo er sich jetzt fit hält, wie er sich trotz der Ausgangsbeschränkungen mit anderen Sportlern duelliert und was ihn noch nervöser macht als ein Moto2-Rennen.

Hallo Herr Schrötter, der Moto2-Pilot Xavi Vierge hat in einem Interview erzählt, dass Sie in der derzeitigen Zwangspause trotzdem gemeinsam radeln – und zwar virtuell. Wie kann man sich das vorstellen?

Ja, das geht über das Online-Portal Zwift. Da kann man sich virtuell messen. Das Rennrad wird daheim in einen Rollentrainer eingespannt. Der kann dann zum Beispiel auch Anstiege simulieren. Und dann kann man sich verabreden und gemeinsam trainieren oder eben auch Rennen fahren. Jeder hat wie in einem Rollenspiel einen eigenen Charakter, der auf dem Bildschirm zu sehen ist. Das ist eine coole Abwechslung. Auch viele Radprofis nutzen die Plattform. Ab und an sieht man mal einen an sich vorbeifliegen.

Nutzen Sie Zwift oft?

Eigentlich vor allem im Winter. Jetzt, wenn es schön ist, fahre ich vor allem draußen. Aber ab und an fahre ich auch jetzt mit anderen online.

Wo leben Sie denn zurzeit?

Normalerweise bin ich ja die meiste Zeit des Jahres in Spanien. Doch als es ernst wurde mit dem Coronavirus, bin ich Gott sei Dank noch rechtzeitig heim nach Deutschland gekommen. Ich teile mir in meiner Heimat Pflugdorf eine Doppelhaushälfte mit meiner Mama.

Warum wollten Sie unbedingt nach Deutschland?

Ich wollte in der Nähe meiner Freunde und Familie sein. Und ich bin jetzt auch sehr froh, hier zu sein. Spanien hat es hart getroffen, da gilt deshalb auch eine Ausgangssperre. Bei uns in Deutschland kann ich zumindest im Freien trainieren, zum Beispiel mit dem Rennrad fahren.

Allerdings nicht mit dem Motorrad.

Nein, da sind jetzt alle Strecken geschlossen. Die Verletzungsgefahr ist auch zu groß. Deshalb ist es ja auch verboten, Ausflüge mit dem Motorrad zu machen.

Es ist nicht absehbar, wann Sie wieder auf dem Motorrad sitzen können. Wie schwer fällt es da, sich fitzuhalten?

Das fällt mir nicht wirklich schwer. Klar fragt man sich manchmal, ob man heute wirklich nochmal aufs Rad steigen muss. Es ist einfacher, wenn man weiß, wann das nächste Rennen ist. Wenn man Ziele hat, auf die man hinarbeiten kann. Aber in diesen Momenten kommt es eben auf die mentale Stärke an. Ich bin so glücklich, dass mein Sport auch mein Job ist. Und dann gehört es sich auch, jeden Tag etwas dafür zu tun. Und das mache ich auch – obwohl ich auch gern auf der Couch liege.

Wie sieht der Rennkalender derzeit aus?

Das Rennen am Sachsenring am 21. Juni wurde abgesagt. Das nächste wäre dann am 28. Juni in Assen. Ich gehe aber davon aus, dass auch das ausfällt und auch im Juli und August noch nichts stattfindet. Das ist dann schon eine sehr lange Pause. Aber ich bin froh, dass die Verantwortlichen dran bleiben und versuchen, Möglichkeiten auszutüfteln, damit heuer noch Rennen stattfinden können. Aber klar ist schon, dass es dann große Unterschiede zwischen den Fahrern geben wird. Da die Ausgangsbeschränkungen in den einzelnen Ländern unterschiedlich sind, hat auch nicht jeder die gleichen Möglichkeiten zu trainieren.

Virtuell hingegen können sich derzeit alle messen. Die MotoGP hat bereits zwei Mal einen „Virtual Grand Prix“ ausgetragen, bei dem zehn Fahrer auf der Playstation gegeneinander angetreten sind. Am Sonntag gibt’s die Premiere in der Moto2. Sind Sie dabei?

Es dürfen zehn Fahrer dabei sein, einer pro Team. Ich hatte meinem Teamkollegen (Tom Lüthi, Anm. d. Red.) angeboten, dass er mitmachen kann, aber er hat keine Playstation. Dann bin ich natürlich dabei. Das ist eine schöne Abwechslung. Und auch wichtig für die Außendarstellung. Es wird ja live im Internet übertragen. Wir wären an diesem Wochenende in Jerez gewesen, deshalb wird auch virtuell auf dieser Strecke gefahren.

Waren Sie schon mal bei einem solchen Rennen dabei?

Ja, bei den Motocrossern war ich schon vier Mal dabei. Dort sind es teilweise bis zu 200 Anmeldungen und es wird sogar eine Quali gefahren. Man muss da echt gut und sauber fahren. Ich bin immer brutal nervös, wenn es losgeht. Ehrlich, warum auch immer, ich bin aufgeregter als bei einem echten Rennen.

Virtueller Grand Prix

Die virtuellen Rennen der MotoGP, Moto2 und Moto3 können am Sonntag, 3. Mai, live verfolgt werden. Ab 15 Uhr übertragen unter anderem der Sender ServusTV, der Streaming-Dienst DAZN und die Website motogp.com die Rennen. Sie sind zudem auf verschiedenen Social-Media-Kanälen zu sehen. Mit der Veranstaltung werden Spenden für die Wohltätigkeitsorganisation der MotoGP, „Two Wheels for Life“, gesammelt.

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Eigentlich war Marcel Schrötter mit großen Ambitionen in die Saison gestartet. 

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