+
Schrötter (Nummer 23) hatte lange Zeit den Australier Remy Gardner (87) im Nacken.

Marcel Schrötters Millimeterarbeit auf der Zielgeraden

  • schließen

Marcel Schrötter ist ein guter Start in die Moto2-Weltmeisterschaft gelungen. Zum Saisonstart zeigte der Vilgertshofener, dass er in diesem Jahr ganz vorn mitfahren kann.

Vilgertshofen/Katar – Die letzte Kurve ist geschafft, nun noch eine lange Gerade, dann wartet die Ziellinie. Die beiden Führenden sind enteilt, Marcel Schrötter liegt auf Rang vier. Zwischen seinem Vorderrad und dem Hinterrad von Remy Gardner liegen nur Zentimeter. Dann zieht Schrötter an, tankt sich an dem Australier vorbei – mit wenigen Zentimetern Vorsprung jagt er über die Linie. Platz drei zum Saisonauftakt der Moto2-Weltmeisterschaft in Katar. Starkes Finish, starkes Ergebnis – doch der 26-Jährige vom Team „Dynavolt Intact GP“ ist trotzdem nicht ganz zufrieden. „Ein wenig überwiegt die Enttäuschung“, gibt er zu.

Platz zwei und drei holten sich Marcel Schrötter (links) und Thomas Lüthi vom Team „Dynavolt Intact GP“.

Denn die Tage davor hatten auf Großes hingedeutet. Im Training holte Schrötter in Katar zwei zweite und einen ersten Platz, sichert sich dann sogar die Pole-Position. Die Freude ist riesig. „Es ist einfach großartig“, schwärmt er am Samstag, nachdem er die Bestzeit geholt hat. „Ich bin stolz auf unsere Arbeit.“ Es ist seine achte Saison in der Moto2, der weltweit zweithöchsten Motorradrennklasse. Bisher gelang es ihm nie, sich den besten Startplatz zu sichern, „aber wir waren immer in Schlagdistanz zu den Top-Jungs“.

Und so geht Schrötter mit großen Hoffnungen am Sonntag ins Rennen. Doch die Führung ist er schon vor der ersten Kurve los. Schrötter fällt auf Rang drei zurück, hält aber lange den Kontakt zu den Führenden. Immer im Nacken: der grün gekleidete Gardner, der am Hinterrad des Vilgertshofeners zu kleben scheint. Als Schrötter nach acht Runden wieder auf Platz zwei vor kommt und den Führenden Lorenzo Baldassarri jagt, bleibt der Australier als Dritter hinter ihm. Ab und an versucht er, vorbeizuziehen, aber der Deutsche passt auf. Nur seinen Teamkollegen, den ehemaligen Weltmeister Thomas Lüthi, kann Schrötter sich nicht vom Leib halten. Der Schweizer fährt ein sensationelles Rennen, arbeitet sich von Startplatz sieben immer weiter vor. Fünf Runden vor Schluss zieht er auf einer Geraden an Schrötter vorbei. „Als Tom von hinten angeflogen kam, konnte ich einfach nicht mehr zulegen“, sagt der Vilgertshofener später. Es gelingt ihm auch nicht, an Lüthi und Baldassarri dran zu bleiben. Jetzt gilt es, Platz drei zu sichern – aber Gardner bleibt lästig. In der ersten Kurve der letzten Runde ist der Australier dann doch vorbei. Schrötter rutscht damit von den Podestplätzen, und während Lüthi vorn um den Sieg kämpft, beißt sich Schrötter an Gardner fest. Dann kommen die letzten Meter, nur noch gerade aus. Schrötter kämpt sich zurück, zieht aus dem Windschatten – und holt Platz drei. Lüthi rauscht kurz zuvor über die Linie – 0,026 Sekunden nach Baldassarri.

Platz zwei und drei für das deutsche Team „Dynavolt Intact GP“ – das kann sich im Saisonauftakt sehen lassen. Auch, wenn nicht alles glatt lief. „Aus Teamsicht haben wir einen schönen Erfolg eingefahren“, sagt Schrötter. „Trotzdem wollen wir immer mehr.“ Im vergangenen Jahr stand nur ein Podium zu Buche – damals gehörte Lüthi aber auch noch nicht zum Team. „Wir können nicht erwarten, dass wir nun jedes Rennen gewinnen“, gibt Schrötter zu. „Das muss aber das Ziel sein und wir werden es auch versuchen.“ Denn nur mit vielen Punkten kann das große Ziel klappen: „Wir wollen um die Meisterschaft kämpfen.“

So geht die Saison weiter

Das nächste Rennwochenende findet vom 29. bis 31. März in Argentinien statt.

Auch interessant

Kommentare