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Den Fokus verloren hat Matthias Holderried (mitte) beim Bundesliga-Wettkampf in Sch euring. Mit 372 Ringen schoss der Tannenberger in Diensten des SV Waldkirch sein schwächstes Saisonergebnis.

Luftpistole-Bundesliga

Schwacher Auftritt vor großer Kulisse für Luftpistolen-Schützen Matthias Holderried

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Die Stimmung war großartig, die Leistung von Matthias Holderried weniger. Beim Bundesliga-Wettkampf in Scheuring musste sich der Tannenberger als einziger Luftpistolenschütze des SV Waldkirch geschlagen geben.

Tannenberg – Die Anfeuerungsrufe der Fans steigerten sich zum ohrenbetäubenden Lärm. Matthias Holderried trug zwar einen Kopfhörer, doch der Krach in der Mehrzweckhalle von Scheuring war einfach enorm. Ebenso gut hätte auch ein Düsenjäger neben dem Luftpistolenschützen aus Tannenberg landen können, das Getöse wäre nicht geringer gewesen. Aber irgendwie blendete der 24-Jährige die Stimmung im Saal einfach aus. „Der Fokus ist ganz woanders“, verriet die Nummer Drei des SV Waldkirch. Sein Duell beim Wettkampf gegen die HSG München verlor er zwar, am Sieg seines SV Waldkirch, dem Tabellenführer in der Bundesliga Süd, änderte das aber nichts.

Bei den ersten zehn Schüssen in der Auseinandersetzung mit der HSG München lag seine Konzentration allein auf sich selbst und seiner Waffe. Holderried lenkte die Schüsse mit schlafwandlerischer Sicherheit ins Ziel. Die Fans aus Waldkirch, die in der Liga als „schwarze Wand“ berühmt sind, johlten nach jedem Treffer. Der Schreiner ging mit einer 98 aus dem Stand, die selbst den meisten Luftgewehrschützen zur Ehre gereicht hätte. Es schien eine lockere Angelegenheit zu werden. Sein direkter Konkurrent, Andreas Martin, kam auf 92 Ringe.

Holderried schießt sein schwächstes Saisonergebnis

Als vier Duelle von fünf absolviert waren, war der Jubel im eigenen Lager groß. Der Tabellenführer der Bundesliga Süd hatte dem Herausforderer aus der Landeshauptstadt eine empfindliche Niederlage beigebracht. Es stand 4:0 für die Schwaben, als noch ein bedeutungsloses Stechen anstand. Holderried musste in die Verlängerung, weil sein Gegner völlig unaufgeregt Ring für Ring aufgeholt hatte, während ihm bei den verbleibenden 30 Schüssen nicht mehr viel gelang. Knapp die Hälfte waren Zehner, aber es fielen auch einige Achter und Neuner. Die 372 Zähler, die es am Ende wurden, waren für ihn enttäuschend. Es war die schwächste Ausbeute in dieser Saison, die bisher an Höhepunkten reich war.

„Du kannst nicht immer Vollgas da sein“, entschuldigte er sich. Warum er auf einmal völlig seine Linie verlor, war für den Tannenberger unerklärlich. Holderried kennt solche Situationen aus seiner reichen nationalen und internationalen Erfahrung. „Ich war schon öfter in einer Lage, wo es nicht läuft“, räumte er ein. Er versuchte gegenzusteuern: Zur Hälfte des Wettkampfs nahm er auf seinem Stuhl hinter dem Schießstand Platz und schien sich in eine andere Welt zu begeben. Als er wieder seine Position einnahm, holte ihn die Gegenwart sofort ein. Es wurde nicht besser. Der Kaderschütze der deutschen Nationalmannschaft nahm die Waffe aus seiner rechten in die linke Hand, um seinen Griff zu lösen und ihn hinterher wieder neu aufzubauen. „Das macht man, um aus dem Schießtrott rauszukommen“, erklärte er. Doch der Trott blieb derselbe.

Holderried unterliegt im Stechen

Am Ende seines Programms konnte er nur noch warten, dass Martin unter seiner Vorgabe blieb. Der tat ihm aber nicht den Gefallen und verließ mit demselben Ergebnis wie er den Stand: Stechen. Als sich alle Augen auf Holderried und seinen Kontrahenten richteten, war der Wettkampf zwischen Waldkirch und München bereits entschieden. Entschieden war aber auch, wie das Stechen ausgehen würde. „Es ist ein Unterschied, wenn du vorher keine Zehner mehr geschossen hast“, sagte Holderried, der den Glauben verloren hatte, seiner Mannschaft noch den fünften Punkt einzubringen.

Es kam dann auch so, wie er es erwartet hatte. Der Tannenberger schoss schnell, um seinen Kontrahenten unter Druck zu setzen, doch er zielte nicht genau genug. Der Achter, den er vorlegte, stellte für Martin kein Problem dar, der auf eine Neun kam. „Das ist Tagesform“, versuchte er seine Leistung zu erklären. Kurz nach dem Wettkampf schien er noch keine endgültige Antwort auf seine Achterbahnfahrt gefunden zu haben.

Besser lief es für Matthias Holderried bei der Deutschen Meisterschaft. Dort holte er mit Monika Karsch den Titel. 

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