Auf dem Platz der Führenden: Dort durfte Nadine Kapfer beim Slalom-Bewerb aber nicht bis zum Ende sitzen dürfen. Am Ende erreichte sie Rang 17.
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Auf dem Platz der Führenden: Dort durfte Nadine Kapfer beim Slalom-Bewerb aber nicht bis zum Ende sitzen bleiben. Am Ende erreichte sie Rang 17.

Ski alpin: Peitingerin überzeugt bei ihren ersten großen Titelkämpfen den sportlichen Leiter

Nadine Kapfer besteht den WM-Test

Zu einer Medaille reichte es bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Bansko nicht, dennoch zog Nadine Kapfer ein positives Fazit.

Peiting/Bansko – Internet-Live-Stream, Moderation im Zielbereich und Videowall: Die Junioren-Weltmeisterschaften im alpinen Skilauf waren wirklich etwas Besonderes für Nadine Kapfer (SC Garmisch). Und obwohl sie ein Fehler im Schlussteil des Super-Gs einen Top-Fünf-Platz oder vielleicht sogar eine Medaille gekostet hat, fährt die Peitingerin mit einem richtig guten Gefühl von Bansko (Bulgarien) zum Europacup-Finale nach Saalbach (15. bis 18. März).

Ski alpin: Nadine Kapfer im Super-G lange Zeit auf Medaillenkurs

Bis zur letzten Zwischenzeit lag Kapfer im WM-Super-G auf Rang fünf, der Abstand zur Führenden betrug 0,37 Sekunden. Dieser Zeitrückstand hätte im Ziel für die Bronzemedaille gereicht. Und vor ihr lag nur noch der flachere Schlussteil, der der 21-Jährigen eigentlich mehr entgegenkam als der schon so flott zurückgelegte, anspruchsvolle, steile Teil der Strecke. „Aber dann hab ich leider einen Fehler gemacht, und die Zeit war weg“, ärgert sich Kapfer. „Und auf so einem kurzen Kurs (die Siegerzeit lag bei 53 Sekunden, d. Red.) darfst du dir einfach nichts erlauben.“ Schlussendlich reichte es zu Rang zehn. „Ein wirklich sehr gutes Ergebnis, das für die Zukunft hoffen lässt“, findet der sportliche Leiter im Deutschen Skiverband, Andreas Ertl.

Ski alpin: Kapfer hat ihre Technik umgestellt - dadurch ist sie fehleranfälliger

Mit etwas Abstand ist auch Kapfer sehr zufrieden. „Logisch ärgert mich der Fehler, aber ich kann mitnehmen, dass ich bis dahin wirklich voll mit dabei war. Und das obwohl steile Passagen nicht so meins sind.“ Die kleinen Fehler verfolgen Kapfer diesen Winter ein wenig. Die Peitingerin führt das darauf zurück, dass sie ihre Technik heuer umgestellt hat. „Dadurch bin ich einfach noch fehleranfälliger.“ Früher sei sie in die Schwünge hineingedriftet, nun versuche sie, von Beginn an auf Zug zu fahren. „So wird das Tempo im Schwung natürlich höher, und damit muss ich noch sicher umgehen lernen“, analysiert die 21-Jährige selbstkritisch. „Wenn es aber klappt, bin ich richtig schnell.“ Das haben die ersten 40 Sekunden in Bansko eindrücklich bewiesen.

Ski alpin: Kapfer im Slalom mit Startnummer 47 auf Platz 17

Schnell war Kapfer dann auch im Slalom. Zwar stand am Ende „nur“ ein 17. Platz auf der Ergebnisliste. „Aber dafür, dass ich nie Slalom fahre, war das echt super.“ Ihr Ziel mit Startnummer 47 waren eigentlich nur die Top 30. Dass es die Top 20 geworden sind, freut sie umso mehr. Damit war dann auch der Ausscheider im ersten Riesentorlauf-Durchgang wieder vergessen, in dem die Sportsoldatin gar nicht zurechtkam. „Der war mir eindeutig zu eng und zu drehend.“ Einen Vorwurf macht ihr daraus niemand, schließlich war sie als Speedspezialistin für den Super-G zuständig – und in dem hat sie überzeugt. Der gute Slalom ist eine tolle Zugabe. Eine schöne Erfahrung neben den erfolgreichen Rennen – auch Kapfers Teamkolleginnen haben in ihren jeweiligen Spezialdisziplinen mit Top-Ten-Plätzen überzeugt – war für die Läuferinnen auch die Reise nach Bulgarien.

Lange Zeit auf Medaillenkurs: Im Super-G lag Nadine Kapfer lange nur knapp hinter der Führenden. Im Schlussteil unterlief ihr aber ein Fehler, sodass es nur zu Rang zehn reichte.

„Die Leute vor Ort, vor allem die Helfer, haben sich richtig gefreut, dass wir da waren“, erzählt Kapfer. Zwar waren alle Athletinnen in einem separaten Hotel untergebracht und auch im Skigebiet über abgesperrte Pisten und Liftspuren vom Rest der Bevölkerung abgeschirmt. Aber dennoch habe man die Freude und neugierigen Blicke von den anderen Skifahrern mitbekommen. In Bulgarien läuft das Leben momentan normal, Cafés und Lifte sind geöffnet; alle tragen Masken. „Es ist schon fast traurig, aber ein offenes Café war für uns schon ein ungewohnter Anblick“, so Kapfer.

Ski alpin: Kapfer spürt bei Wettkämpfen in Bansko so etwas wie WM-Flair

Ungewohnt war auch die große Aufmerksamkeit, die den Athletinnen im Wettkampf zuteil wurde. Im Internet auf der Website der FIS lief ein Live-Stream. „Wir wussten, die Familie kann uns live zuschauen.“ Im Ziel gab es einen Kommentator, der mit jedem mitgefiebert und super moderiert hat: „Das war echt was anderes als die Rennen der vergangenen Wochen, die so ruhig und unscheinbar abgelaufen sind.“ Trotz kompaktem Zeitplan – drei Tage, drei Rennen – und reduzierter Wettkampfanzahl (keine Abfahrt, keine Kombination, kein Team-Wettbewerb) hat Nadine Kapfer also auf ihren ersten großen Titelkämpfen doch richtiges Weltmeisterschafts-Flair genießen können. Ein Erlebnis, das sie sobald sicher nicht vergisst und das ihr Auftrieb für das anstehende Europacup-Finale in Abfahrt und Super-G in Saalbach gibt. Und dort soll es auch endlich klappen: „Mal ohne Fehler ins Ziel zu kommen.“ KATHRIN EBENHOCH

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