Verdientermaßen im Mittelpunkt: Jacqueline Brans aus Wildsteig war die schnellste Frau beim Hero-Run, Toni Lautenbacher (grüne Jacke) der schnellste Mann.
+
Verdientermaßen im Mittelpunkt: Jacqueline Brans aus Wildsteig war die schnellste Frau beim Hero-Run, Toni Lautenbacher (grüne Jacke) der schnellste Mann.

BERGLAUF

Neues Format, alte Begeisterung - 35 Teilnehmer beim Hero-Run in Oberammergau – Brans schnellste Frau

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
    schließen

Berglauf geht auch in Zeiten von Corona. Ein besonderes Format ging jüngst in Oberammergau über die Bühne - mit einem guten Ende für Jacqueline Brans.

Oberammergau– Bislang ist der Berglauf doch eine sehr simple Angelegenheit gewesen. Es gab einen Start und ein Ziel, und wer am schnellsten von unten nach oben lief, der gewann. Nun mag Corona zwar die Sportwelt gebremst haben, nicht aber Norbert Kutschera und seine Kreativität.

Der Mann ist gerade dabei, diese Sparte zu revolutionieren. Wer es eine Nummer kleiner mag, geht auch: Kutschera passt gerade die Grenzen des Wettbewerbs an. Berglauf ist jetzt nicht mehr nur Start, rauf, Blumenstrauß. Der Mann aus Münsing denkt sich neue Formen aus. Im Spätsommer hat er an einem Tag die Bergläufer auf drei Gipfel gejagt. Demnächst möchte er den Blomberg mit dem Rad, auf Tourenskien und zu Fuß erklimmen lassen, was sich den ganzen Winter über hinziehen dürfte.

In Oberammergau hat Kutschera mit dem Hero-Run ein Modell geschaffen, das Schnelligkeit wie Beständigkeit bewertet. Mindestens fünf Mal sollten die Starter auf Laber und Kolbensattel laufen. Sie durften auch öfters, die jeweils fünf besten Zeiten gingen in die Wertung. Die Idee lieferte Kutscheras IT-Mann Robert Gaiswinkler. „Du kannst so viele Spielarten machen“, sagt Kutschera.

Brans stellt ihre Taktik um

Vor dem Sportgeschäft von Namensgeber Tobias Papistock haben sie die Preise verteilt. Es war sehr kalt, wenn überhaupt zwei Grad. Aber wer 20, 30 Mal in einem Monat auf den Berg läuft, für den mag dann Kälte auch nur marginal sein. Alle Preisträger kamen, eine gute Rückmeldung für den Macher. Kutschera verteilte Preise in drei Kategorien – Männer, Frauen und Höhenmeter. Die letzte Sparte war auch was für die Älteren, wie Christian Negura bestätigt, weil es nicht um die Zeit, sondern um die Zahl der gesammelten Höhenmeter ging. „Mit den 30-Jährigen kann ich’s nicht mehr aufnehmen.“ 34 Mal lief Negura einen der zwei Berge hinauf, an einem Tag sogar sieben Mal. „Wenn du den ganzen Tag vor dem PC hockst, ist das normal“, scherzt er. Er kam auf 16 100 Höhenmeter. Reichte für Platz drei. Nur seine Vereinskollegen von der LG Staffelsee, Gerd Brettschneider (39/20 020) und Yvonne Neugebauer (35/17 248), schafften noch mehr. Etwa 200 000 Höhenmeter legten die 35 Teilnehmer zurück.

Die Zeitwertung gewannen Jacqueline Brans und Toni Lautenbacher. Die Geschichten hinter ihren Siegen sind interessant. Brans erfuhr erst Ende Oktober von dem Format, da war die Hälfte der Zeit (zwei Wochen) schon rum. „Panik“ habe sie gekriegt, ob des zweiten Lockdowns. Die Wildsteigerin sagte sich: „Wenn der jetzt kommt, brauche ich eine Aufgabe.“ Sie lief dann gleich dreimal an einem Tag auf den Kolbensattel und merkte, dass das vielleicht nicht die klügste Herangehensweise war und ihr alle Muskeln weh taten. Sie passte ihre Taktik an. An Tagen, an denen die Pflegerin frei hatte, fuhr sie mit dem Rad nach Oberammergau und arbeitete die Berge ab. So passierte es, dass sie an einem Tag von Platz sechs auf Rang eins der Wertung hüpfte und merkte: „Die anderen kommen ja gar nicht mehr hin.“ Einen Verbesserungslauf am letzten Tag sparte sich die 39-jährige Triathletin, ging stattdessen mit ihrem Freund in die Berge.

Spannendes Finale bei den Männern

Bei den Männern verlief das Finale spannender. Da duellierten sich am letzten Tag Fabian Kutschera und Lautenbacher. Kutschera legte vor und lag nach seinem Spurt am Vormittag tatsächlich zeitgleich mit seinem Konkurrenten auf Rang eins. „Gibt’s ja nicht, dass wir gleich auf sind“, dachte sich der 32-Jährige. Für ihn war das wie ein Energieriegel, der ihm einen Extraschub verlieh. Lautenbacher verbesserte am Nachmittag seine schlechteste Zeit um mehr als zwei Minuten und schob sich auf Platz eins. Fairerweise muss man sagen, dass Arvis Robalds als Vertreter der Ammergauer Alpen sieben Minuten schneller war, aber außer Konkurrenz lief. Einen Preis bekam er trotzdem von Tobias Papistock: einen Gutschein für eine „fette Leberkassemmel“.

Die Sieger:

Höhenmeter: 1. Gerd Brettschneider 20 020, 2. Yvonne Neugebauer 17 248, 3. Christian Negura 16 100. Frauen: 1. Jacqueline Brans 6:39:04 Stunden, 2. Yvonne Neugebauer 7:01:22, 3. Barbara Lautenbacher 7:03:40. Männer: 1. Toni Lautenbacher 5:30:26, 2. Fabian Kutschera 5:32:43, 3. Gerd Brettschneider 5:38:18.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare