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Mit Wettkämpfen wird’s vorerst nichts: Iris Schmidbauer (hier beim Springen in Beirut im vergangenen Jahr) muss sich mit dem Start der „Red-Bull-Cliff-Diving“-Serie noch mindestens bis August gedulden.

Cliff Diving

Das Neuseeland-Abenteuer von Iris Schmidbauer

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Klippenspringerin Iris Schmidbauer ging dieses Jahr einen besonderen Weg. Sie zog nach Neuseeland. Auf den nächsten Wettkampf muss sie aber erst einmal warten.

Auckland/Pähl– Bislang war Iris Schmidbauer von der Corona-Pandemie verschont geblieben. Doch seit vergangenem Freitag ist auch die Klippenspringerin betroffen – das Schwimmbad in Auckland (Neuseeland), in dem die Pählerin zuletzt trainierte, ist für zwei Wochen geschlossen. Anfang der Woche veröffentlichte dann auch noch die Organisation der „Red-Bull-Cliff-Diving“-Serie, dass der Saisonstart bis August verschoben ist. Ursprünglich hätte der erste Wettkampf am 16. Mai in Bali stattfinden sollen.

Schmidbauer gehört heuer erstmals zu den acht Athletinnen, die fest für alle Wettkämpfe der weltweiten High-Diving-Serie gesetzt sind. Die Verschiebung ist für sie besonders bitter. Die 25-Jährige hatte gehofft, dass die Saison planmäßig stattfinden kann. Denn Preisgelder spielen in ihrer Finanzkalkulation eine gewichtige Rolle. In Neuseeland hat sie schon begonnen, als selbstständige Sporttherapeutin zu arbeiten – „als zweites Standbein“, wie die zweifache WM-Teilnehmerin sagt. Die Arbeit wirkt sich dann jedoch wieder auf die Zeit aus, die fürs Training übrig bleibt. Ein schwieriger Akt, den Schmidbauer da bewältigen muss.

Neben dem Training im Wasser arbeitet Schmidbauer an der körperlichen Fitness

Ursprünglich hatte sie nach der vergangenen Saison die Idee, für ein, zwei Monate Neuseeland zu besuchen. Freunde warnten sie aber schon vor, dass der Trip länger dauern könnte. „Sie haben zu mir gesagt: Es wird dir dort super gefallen“, berichtet Schmidbauer. Sie entschied sich für ein Jahresvisum „Work and Travel“. Über Internet und Instagram stellte die Pählerin Kontakt zum Klub „Auckland Diving“ her – einem Verein, der unter anderem neuseeländische Olympia-Teilnehmer betreut. Die zweifache WM-Starterin Shaye Boddington nahm sich der Pählerin an und vermittelte ihr eine Unterkunft, „dabei kannte sie mich gar nicht“, so Schmidbauer. Recht schnell stellte Schmidbauer fest, dass der Verein der richtige für sie sei: „Es geht relaxed und familiär, aber gleichzeitig sehr professionell zu.“ In dem Team der Brett- und Turmspringer ist Schmidbauer die einzige High-Diverin – also eine Sportlerin, die aus 20 Metern Höhe ins Wasser springt.

Bis zur Schwimmbad-Schließung standen für die 25-Jährige an sechs Tagen die Woche (nur der Sonntag ist frei) mehrere Stunden Training auf dem Programm. Mit dem Coach komme sie sehr gut klar, berichtet Schmidbauer. „Er macht keine komplizierten Pläne und legt den Fokus auf die Basics.“ Neben dem Training im Wasser müssen die Athleten viel an ihrer körperlichen Fitness arbeiten – Gewichte-Stemmen gehört ebenso dazu wie Übungen für Schultern, Beine und den Rumpf. Die Bewegungen, die in der Luft gezeigt werden, müssen auch ständig geübt werden. So absolviert Schmidbauer in einer Art Schnitzelgrube bis zu 100 Salti (vorwärts, rückwärts, Auerbach, Delfin) hintereinander. „Dafür brauche ich um die 45 Minuten.“

Klippenspringerin hat klare Ziele für kommende Saison

Im Herbst, als sie in Neuseeland ankam, unternahm sie einen zweiwöchigen Roadtrip, um das Land am für uns Deutsche anderen Ende der Welt kennenzulernen. Dabei besichtigte sie die Nord- und die Südinsel samt deren Natur-Sehenswürdigkeiten. Unter anderem absolvierte Schmidbauer den „Routeburn Track“ auf der Südinsel. Entweder übernachtete sie im Zelt oder bei Menschen, „die ich unterwegs kennengelernt habe“. War sie per Anhalterin unterwegs, ging Schmidbauer auf Nummer sicher: Sie fotografierte das Nummernschild und schickte es an Freunde. „Ich habe keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht“, berichtet sie. Mittlerweile hat sie auch zum Surfen begonnen, vom Piha-Beach wohnt sie nicht allzu weit entfernt. Das Hauptaugenmerk gilt freilich dem High-Diving. Eine eigene Sprung-Anlage gibt es in Auckland nicht, allerdings hat Schmidbauer einige Klippen und Brücken ausfindig gemacht, die sich für Sprünge eignen: „Die sind zwar nicht so hoch, aber man bleibt ein bisschen drin.“ Derzeit arbeitet sie an einem neuen Sprung, den sie aus dem Handstand heraus absolviert. Der Handstand klappt, „aber der Absprung ist noch nicht ausgereift genug“.

Mit dem Sprung möchte sie ihren Dreifachen-Delfin-Salto samt halber Schraube ablösen. „Mit dem bin ich nicht so zufrieden.“ Für die Saison ist das Ziel, einen Podestplatz zu erreichen. Diverse Male war Schmidbauer schon ganz knapp dran. In Beirut fehlte ihr nur die Winzigkeit von 0,1 Punkten – bei einem Gesamtergebnis von 242,15 Zählern. In der Gesamtwertung strebt Schmidbauer einen Platz in den Top-Fünf an. „Damit wäre ich schon sehr happy.“ Seit 2016 springt Schmidbauer in der Red-Bull-Cliff-Diving-Serie; bis dato war sie als Wildcard-Springerin nur zu einzelnen Wettbewerben eingeladen.

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