Die Geräte stets fest im Griff: Über 20 Jahre turnte Nicolai Ullrich, hier auf dem Pauschen-Pferd beim Liga-Duell seines TSV Buttenwiesen 2017 in der Weilheimer Sporthalle, in Wettkämpfen um Punkte und Medaillen.
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Die Geräte stets fest im Griff: Über 20 Jahre turnte Nicolai Ullrich, hier auf dem Pauschen-Pferd beim Liga-Duell seines TSV Buttenwiesen 2017 in der Weilheimer Sporthalle, in Wettkämpfen um Punkte und Medaillen.

Turnen

Nicolai Ullrich beendet seine Karriere und startet ein neues Kapitel

  • Phillip Plesch
    vonPhillip Plesch
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Nicolai Ullrich aus Peiting turnte lange für den TSV Weilheim. Jetzt ist mit dem Leistungssport Schluss und es beginnt ein neues Kapitel.

Peiting – Jetzt ist Schluss. Nach vielen Jahren im Leistungsturnen hat Nicolai Ullrich seine Karriere beendet. Nun beginnt für den Peitinger ein neues Kapitel. Dabei blickt der 30-Jährige zufrieden auf die vergangenen Jahre zurück und freut sich auf seine neue Aufgabe als Lehrer am Gymnasium in Neufahrn.

Mit dem Eltern-Kind-Turnen fand Ullrich schon als kleiner Bub den Weg in den Turnsport. Stephan Bertl nahm ihn schließlich mit zum TSV Weilheim. „Dort ging es auf Leistung“, berichtet Ullrich. Ende 1997 turnte er seinen ersten Wettkampf, 1998 nahm er erstmals an einer Meisterschaft teil. Bei Einzelbewerben trat er stets für den TSV Weilheim an. Sein Trainer war Michael Krocka, der auch heute noch beim TSV aktiv ist. „Ihm verdanke ich alle Grundlagen“, sagt Ullrich. Seinen Höhepunkt erlebte der Peitinger bei der Deutschen Meisterschaft 2015.

In einem Wettbewerb mit Fabian Hambüchen

Im Einzel traf Ullrich unter anderem auf die deutschen Top-Turner Fabian Hambüchen, Andreas Toba und Marcel Nguyen. Den Sieg im Mehrkampf sicherte sich damals Hambüchen, Ullrich landete unter 27 Startern auf dem 20. Platz. Gerne erinnert sich der Peitinger an die Meisterschaft zurück, denn viele der anderen Turner kennt er schon seit Kindheitstagen.

Danach war mit der Einzelkarriere Schluss – mehrere Oberbayerische und Bayerische Meistertitel hatte er schon in der Tasche. Denn die DM war vor dem Staatsexamen. Ullrich hatte sich noch einmal die Kapazität für das nötige Training geschaffen. Anschließend erhielt er eine Planstelle als Lehrer. „Da bleibt dann nicht mehr so viel Zeit“, sagt der 30-Jährige, der in München studiert hat.

Ein Jahr Bundesliga mit Buttenwiesen

Seine Karriere in der Mannschaft setzte er aber fort, auch wenn er etwas kürzertrat und weniger Geräte turnte. Seit 2006 ist Ullrich für den TSV Buttenwiesen (Landkreis Dillingen) aktiv. Just in der Saison, in der er erstmals bei den Erwachsenen turnen durfte, war Buttenwiesen in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Ullrich entwickelte sich zunehmend zum Leistungsträger, wuchs mit dem Team. Höhepunkt mit der Mannschaft war der Aufstieg in die Bundesliga Ende 2012. Nach einem Jahr im Kreise der besten deutschen Turner war für den TSV Buttenwiesen aber wieder der Gang in die Zweitklassigkeit angesagt.

Die letzten zwei Jahre seiner Karriere führte er das Team als Kapitän an. „Es ist eine Ehre“, sagt Nicolai Ullrich. Diese Rolle übernimmt nun sein jüngerer Bruder, Fabian. Der kam vor rund zehn Jahren nach Buttenwiesen. Die Brüder konnten bei Wettkämpfen die Wochenenden zusammen verbringen. „Das war was tolles“, sagt Nicolai Ullrich, da sie sonst nicht so viel Zeit zusammen hatten. Außerdem seien es noch einmal andere Emotionen, wenn der eigene Bruder turne. In den vergangenen Jahren hatte Fabian Ullrich viele Verletzungsprobleme. „Er möchte so nicht aufhören“, sagt sein älterer Bruder. Also schaut der 28-Jährige, wie lange es noch geht.

Vom Verletzungspech blieb Ullrich weitestgehend verschont

Nicolai hingegen blieb vom Verletzungspech weitestgehend verschont. Mal ein angerissenes Kreuzband, mal ein gebrochener Finger, mal eine kaputte Kapsel – das war es. Um die Schulteroperation, die viele seiner Kollegen über sich ergehen lassen mussten, kam Ullrich herum. Den Verschleiß des Körpers merkt er dennoch. Ein weiterer Grund, sich jetzt etwas neuem zu widmen.

Ullrich war es von Beginn an wichtig, sich ein zweites Standbein aufzubauen. Denn Turnen in Deutschland ist kein lukrativer Sport. „Das ist ein Riesenproblem, der Leistungssport lohnt sich nur für eine handvoll“, sagt Ullrich. In Buttenwiesen erhielten die Sportler zumindest Fahrtgeld und einen finanziellen Ausgleich. Bei anderen Vereinen sei das nicht der Fall, sagt der Peitinger. Zudem ist er dankbar für sein Umfeld: Seine Eltern, die ihn von Beginn an motiviert haben, und seine Frau, die ihm stets den Rücken gestärkt hat. Da kann es Ullrich auch gut verschmerzen, dass aus seinem Kindheitstraum, einmal bei den Olympischen Spielen zu starten, nichts wurde. „Ich bereue nichts“, sagt er.

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