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Wieder Gold für Schwarzgurt Manfred Stadtmüller.
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Ausschnitt aus dem Youtube-Video: Manfred Stadtmüller auf dem Video, das seine Frau aufgenommen hat.
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Die Wertung wurde live eingeblendet: Stadtmüller gewinnt mit 2,1 Punkten Vorsprung.

Taekwondo

Taekwondo mal anders: Per Livestream zur Goldmedaille

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Corona stellt die Sportverbände vor besondere Herausforderungen. Beim Taekwondo-Formenlauf wurde nun eine virtuelle Form gewählt, um die bayerischen Meister zu ermitteln. Auch Wolfgang Stadtmüller war dabei - mal wieder sehr erfolgreich.   

Peiting – Ein bisschen hat es Manfred Stadtmüller in den vergangenen Wochen am Trainingsehrgeiz gefehlt. Die Weltmeisterschaft wurde wegen des Coronavirus abgesagt, andere Wettkämpfe waren lange nicht in Sicht. Und dann waren da noch die fehlenden Möglichkeiten, Taekwondo vernünftig zu trainieren. „Ich hatte keine Lust, das im Wohnzimmer oder Garten zu machen“, sagt der Peitinger. Der richtige Boden fehlt da, ein Spiegel obendrein. Denn Stadtmüller betreibt Poomsae, den Formenlauf. Und das sehr erfolgreich. Nur das Virus, das warf ihn zurück. Wie so viele andere auch. Nun aber holte sich der 61-Jährige seine erste Medaille seit Monaten. Stadtmüller gewann Gold bei den bayerischen Meisterschaften. Besser gesagt: Bei den ersten Online-Meisterschaften.

Manfred Stadtmüller holt Gold bei bayerischer Meisterschaft

Denn das Turnier lief ganz anders ab, als es die Kampfsportler gewohnt sind. Es gab keinen Wettkampfort, kein Treffen mit den Gegnern. Die Meisterschaft wurde virtuell ausgetragen. Die Sportler reichten dafür Videos ein. Zuvor teilte ihnen der Verband online mit, welche Formen – es gibt insgesamt 16 – in welcher Reihenfolge gefragt sind. Drei Tage Zeit blieben dann, um den Mitschnitt hochzuladen.

Manfred Stadtmüller hatte kaum Zeit zum Üben

Das klingt erst einmal viel. War es aber nicht – denn Stadtmüller hat wie viele andere Sportler nur begrenzt Möglichkeiten zum Trainieren. Derzeit darf er den Fitnessraum der Schongauer Boxer nutzen. Am Freitag hatte er eine Stunde Zeit. „Da blieb kaum Zeit zum Üben“, sagt er. Drei Mal startete seine Frau Tanya die Kamera. „Beim ersten Mal gab’s was zu verbessern.“ Beim zweiten Mal reichte der Arm aus dem Bild – damit war die Aufnahme nutzlos. Das dritte Video reichten sie ein – die eine Stunde im Fitnessraum war ohnehin um. „Meine Frau meinte auch, dass die Leistung reicht. Sie ist mein Coach, hat ein gutes Auge.“ Kein Wunder, sie wurde Welt- und Europameisterin, ist nun unter anderem Trainerin. Dass sie Recht behielt, konnten Taekwondo-Fans am Wochenende live verfolgen.

Kampfrichter bewerten eingespielte Videos

Denn da hatte die Bayerische Taekwondo Union einen Livestream auf Youtube geschaltet, in den die eingereichten Videos eingespielt wurden. Viele entstanden in Hallen, andere auf Stegen und in privaten Gärten. Nach den Läufen wurden die Wertungen der online zugeschalteten Kampfrichter direkt eingeblendet, ebenso die Ergebnislisten. Und so wussten die Stadtmüllers gleich Bescheid: Manfred gewann die Klasse bis 65 Jahren mit 2,1 Punkten Vorsprung vor seinen beiden Konkurrenten.

Manfred Stadtmüller hofft wieder auf „normale“ Wettkämpfe

Den Peitinger freut’s, mal wieder ein Erfolgserlebnis für den Schwarzgurt (6. Dan). Und doch hofft er, dass diese Art des Wettbewerbs die absolute Ausnahme bleibt. Viele Sportler nahmen gar nicht erst teil, die Konkurrenz war kleiner als sonst bei Meisterschaften. „Und das Feeling in der Halle ist einfach nicht da“, sagt Stadtmüller. „Wenn man beim Wettkampf ist, sieht man die Gegner, man weiß, wie sie drauf sind. Man kann sich unterhalten, austauschen. Das alles fehlt jetzt.“ Ebenso die Siegerehrung. Die Goldmedaille kommt per Post.

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