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Rallye-Pilot Jetzt erfüllt sich WM-Traum

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Ein Mann und sein Auto: Der Peitinger Werner Jetzt in seinem Subaru Impreza N 15, in dem er gemeinsam mit Steffi Fritzensmeier bei der Deutschland-Rallye gestartet ist. © Friebel

Peiting - Der Peitinger Rallye-Pilot und Mechaniker Werner Jetzt erfüllt sich einen Wunsch, startet bei einem WM-Lauf. Das Rennen endet an einer Mauer – aber der Traum lebt.

Er versteht es, Autos zu steuern. Das hat Werner Jetzt bei seinen mehreren hundert Rallye-Fahrten hinlänglich bewiesen. Allein heuer fuhr der Peitinger, der demnächst 50 Jahre alt wird, bei seinen Einsätzen schon drei Gesamtsiege heraus. Der Einsatz bei der Deutschland-Rallye, dem einzigen in Deutschland stattfindenden Lauf zur Weltmeisterschaft, war der Höhepunkt. Vielleicht sogar seiner gesamten Karriere. Wenngleich der 49-Jährige nicht ins Ziel kam, sein Fahrzeug nach einem Ausrutscher frühzeitig abstellen musste.

Werner Jetzt ist nicht der Mann, der sich und seine Erfolge groß herausstellt. Vielmehr arbeitet er im Hintergrund in dem Bewusstsein, dass er alles Menschenmögliche versucht hat.

Beruflich gilt der 49-Jährige als findiger Mechaniker. „Ein ,das gibt’s nicht’ gibt es für mich nicht“, lautet seine Devise als Tuner und Restaurator für Autos aller Art. Bevorzugt Fiat 131 der Baujahre vor 1980, von denen er zur Zeit allein vier in Arbeit hat. Vom Fahrwerk über die Motoren bis zur Karosserie restauriert Jetzt die Fahrzeuge in Kleinarbeit und macht sie auch für sportliche Einsätze fit. Auch um Roller und Motorräder kümmert sich „Jetty“, wie er von seinen Bekannten genannt wird. Den Handel mit Motorrollern (Rollertreff) hat er inzwischen allerdings eingestellt, wenngleich bei ihm noch alles zu haben ist.

Genauso akribisch wie im Beruf als Mechaniker bringt Jetzt seine Fahrzeuge bei den Rallyes zum Einsatz. Das kam ihm bei den Wettbewerben zugute, vor allem mit seinem selbst aufgebauten Fiat 131 Abarth der Baureihe 1976.

In solch einem Fahrzeug wurde Walter Röhrl 1980 Weltmeister. Erst heuer weilte der zweimalige Weltmeister in Peiting und attestierte „Jetty“ nach einer Probefahrt: „Das ist der beste 131, den ich je gefahren bin.“

Wie viele Rallye-Einsätze Jetzt gefahren ist, das weiß er nicht mehr so genau. „Mehrere hundert werden es schon gewesen sein“, verweist er auf seine Pokale im Ausstellungsraum. Seit er 18 ist, fährt der 49-Jährige, der vorher auf den Rennplätzen auch mit Karts und mit der Motocross-Maschine unterwegs war, Rallye-Einsätze. Mit Pausen. Denn der Motorsport hat seinen Preis. Zwischendurch begab er sich auch bei Bergrennen auf die Piste und galt als einer der Besten im Tourenwagen.

Voriges Jahr gewann der Peitinger im Fiat 131 Abarth die Sachsen-Rallye

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Flotter Flitzer: In seinem Fiat 131 Abarth gewann Werner Jetzt die Sachsen-Rallye. © Friebel

gegen drei allradgetriebene Mitsubishi Evo mit Turbomotoren, und heuer wurde er schon dreimal bei Rallyes Gesamtsieger. Zudem verwirklichte Jetzt bei der Deutschland-Rallye seinen Traum, einmal bei einem Lauf zur Weltmeisterschaft zu starten. Unterstützt von den Sponsoren Maschinenbau Bihler aus Halblech, der Firma Kugelmann, die Winterdienstfahrzeuge aufbaut, und der Autolackiererei Keller aus Bernbeuren, erwarb er von WRC-Auto Stohl in Österreich einen renntauglichen Subaru Impreza N 15 der Gruppe N, den er selbst rennfit machte. „Das kann ich mir nur leisten, weil ich viele Teile selbst produziere“, so der Rennfahrer. Das Startgeld allein beträgt für die Deutschland-Rallye 2800 Euro. Dazu kommen für die Woche Übernachtung und Verpflegung. Mit der erfahrenen Steffi Fritzensmeier aus Heilbronn an seiner Seite lief es recht gut. „Wir sind auf den schmalen und winkligen Weinbergswegen verhalten gefahren, weil wir unbedingt ins Ziel kommen wollten“, klagte Jetzt nach dem erstmaligen Subaru-Einsatz allerdings über Zündaussetzer. Platz vier war bei den Produktionswagen zunächst das Resultat.

Das Abenteuer auf der 46 Kilometer langen Marathon-Wertung auf dem Truppenübungsplatz Baumholder erlebte er allerdings nicht mehr. Zuvor rutschte sein Fahrzeug weg und schlug mit dem Heck an einer Betonmauer ein. „Die Radaufhängung ist gebrochen, das war für uns das Aus“, bedauert Jetzt. „Als Neuling haben wir mit einer hinteren Startnummer vor einer Kuppe nicht gesehen, dass die Strecke voller Schmutz und Split von vorherigen Fahrzeugen war. Da hat es uns erwischt.“ Der Subaru ist inzwischen gerichtet, und nächstes Jahr will der Peitinger wieder bei dem WM-Lauf starten.

Zuvor steht allerdings der Einsatz bei der Rallye Oberland am 7. November auf der Agenda. Mit dem 260 PS starken Fiat 131 Abarth. Hier hat er bisher gute und schlechte Erlebnisse. 2001 gewann er das Heimrennen. 2008, als die Oberland Rallye ein Lauf zur Deutschen Meisterschaft war, fuhr er fünf Bestzeiten raus und musste sich angesichts einer Fehlentscheidung eines Sportkommissars mit Platz fünf begnügen. Ganz dick kam es voriges Jahr, als für ihn die Prüfung in Altenstadt Endstation war. „Früher sind wir dort zwei Runden gefahren, doch diesmal nur eine“, erinnert er an den Patzer, noch eine zweite Runde zu drehen. „Das wird diesmal nicht vorkommen“, verspricht Jetzt und bereitet sich intensiv auf den Einsatz vor. Mit dem Ziel, um die Medaillenplätze mitzureden.

Dietmar Friebel

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