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Deutsche Vize-Meister sind Jule Kirchner und Paul Mattern.

Peitinger Rock‘n‘Roll-Tänzer werden deutsche Vizemeister - und erfüllen sich ungewöhnlichen Traum

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Vor fünf Jahren lernten sich Jule Kirchner und Paul Mattern beim Training kennen. Jetzt verfolgen die Rock‘n‘Roll-Tänzer gemeinsam ein Ziel: Pokale sammeln.

Peiting – Jule Kirchner kann sich gut erinnern. Vier Jahre ist es her, dass sie und die anderen Kinder des RRC Peiting von ihren Trainern gefragt wurden, was sie sich für die Zukunft wünschen. „Paul wollte Deutscher Vize-Meister werden“, sagt sie und grinst hinüber zu Paul Mattern. Der schmunzelt über seinen kuriosen Wunsch, der wohl daher kam, dass ein Team des Vereins gerade Dritter geworden war. Gemeinsam sitzen er und Kirchner auf einer Matte in der Turnhalle der Peitinger Mittelschule, das Training ist gerade vorbei. Und die beiden erzählen von dem Tag, an dem Pauls Traum in Erfüllung ging. Gemeinsam mit Jule Kirchner holte er bei den Deutschen Meisterschaften im Rock’n’Roll in Amberg Platz zwei. In der Schülerklasse gab es heuer in Deutschland nur ein Paar, das besser als der 14- und die 13-Jährige war.

Mit dem Auto waren die beiden, ihre Trainer und Familien zu den Meisterschaften in der Oberpfalz aufgebrochen. Drei Stunden Autofahrt. Stillsitzen vor dem großen Auftritt. Nicht leicht für zwei, die auf dem Parkett richtig Schwung haben. Geschadet hat’s nicht. Als in der ersten Runde „Ex’s & Oh’s“ von Elle King für alle Paare ertönte, waren Jule Kirchner und Paul Mattern sofort da. „Das war 1a“, lobt Stefanie Wenzel, eine von Matterns und Kirchners Trainerinnen. „Die beste Vorrunde, die sie jemals getanzt haben.“

Vizetitel bei den Deutschen Meisterschaften

Im Finale bekam dann jedes Paar seine eigene Musik zu gelost. Wenzel zog den Zettel. „Wenn das Lied schlecht ist, bin ich wenigstens schuld“, sagt die Trainerin. Es war nicht schlecht – „Applause“ von Lady Gaga wurde es, beide mögen den Song. Trotzdem leisteten sich Kirchner und Mattern im Finale kleine Taktschwierigkeiten. Doch die 22,08 Punkte reichten für Rang zwei. Nur Erika Haraschuta und Alexander Siwek vom RRC Teddybears Iserlohn waren mit 24,12 Punkten besser. „Das war verdient“, sagt Wenzel. „Sie haben die ganze Saison dominiert.“

Der Erfolg in Amberg war für Kirchner und Mattern der Höhepunkt einer überragenden Saison, in der die beiden drei Mal Dritter, vier Mal Zweiter und bei der Landesmeisterschaft in Baden-Württemberg sogar Erster wurden. Bei jedem Turnier standen sie auf dem Podest.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Seit die beiden vor fünf Jahren gemeinsam zum Schnuppertraining kamen, sind sie dem Sport verfallen. Kirchners Großvater erkannte damals die Gunst der Stunde, dass auch ein junger Bursche Interesse am Rock’n’Roll zeigte – und brachte seine Enkelin und Mattern als Tanzpaar zusammen. Längst hat sich gezeigt, wie gut die zwei zusammenpassen. „Sie sind ein harmonisches Tanzpaar“, sagt Wenzel. Und Kirchner bestätigt: „Wir sind uns eigentlich immer einig.“

Fleißig sind sie auch. Drei Mal in der Woche trainieren der Gymnasiast und die Montessori-Schülerin zusammen. Obendrein liest Paul Mattern alles, was er über seinen Sport wissen muss. Jede Änderung in der Tanzsportordnung schaut er sich durch – denn die kann Folgen für die Wertung im Wettkampf haben. Das alles gehört für ihn zum Sport dazu – und macht den Reiz aus. Am Rock’n’Roll gefällt ihm „einfach alles“, sagt er. „Ab dem ersten Tag haben mich meine Eltern da nicht mehr rausbekommen.“

„Einfach alles“ liebt Paul Mattern am Rock‘n‘Roll

Das wollten sie auch nicht. Sie sind ebenso vom Sport begeistert – und von den Outfits. „Die schauen erst mal schrill aus“, sagt Papa Thomas Mattern. „Aber wenn sie tanzen, wirkt’s wie Zauber.“

Jule Kirchner und Paul Mattern haben sich für orange-schwarze Kleidung entschieden. Die wird beim RRC, der zum TSV Peiting gehört, von einem Mitglied angefertigt – nach Wünschen der Sportler. „Es ist eben eine Randsportart“, sagt Thomas Mattern. „Da muss es Leute geben, die etwas anschieben. Und in Peiting wird angeschoben.“

Sein Sohn Paul und Jule Kirchner geben dem Verein dafür mit Engagement und guten Leistungen etwas zurück. Seit ihrem ersten Turnierauftritt am 12. April 2016 – Paul hat das Datum genau im Kopf – kamen viele Pokale zusammen. „Wir brauchen ein neues Regal, das alte ist voll“, sagt Thomas Mattern.

Im kommenden Jahr wird’s erstmal schwer mit neuen Trophäen. Dann rutschen die beiden Peitinger in die Juniorenklasse, weil Paul Mattern 15 wird. Das Paar und seine Trainerin entschied, schon heuer im Oktober in die nächste Altersklasse, in der die Konkurrenz zum Teil drei Jahre älter ist, raufzurutschen. „Das Maximum bei den Schülern ist erreicht“, sagt Wenzel. Bei den Junioren kommen zu den Tanzschritten akrobatische Elemente dazu. „Da dient die erste Saison erstmal zum Reinschnuppern.“ Und dann werden neue Ziele gesetzt.

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