Triumphfahrt: Günther Neureuther nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, als er in Peiting empfangen wurde.

Peitinger Günther Neureuther

Olympia-Held fiebert am TV mit

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Ein Sportler aus dem Schongauer Land als Medaillengewinner in Südkorea? Dürfte schwierig werden – außer Ski-Star Fritz Dopfer schafft eine Sensation. Der Peitinger Günther Neureuther hat sogar zwei olympische Medaillen im Schrank. Er fiebert jetzt vorm TV mit.

Peiting – Das Motto der Olympischen Winterspiele in Südkorea? „Passion. Connected“ – „Leidenschaft. Verbunden“. Das inoffizielle Motto dieser Spiele ist aufgrund der Zeitverschiebung (plus acht Stunden) hierzulande ein anderes: Schlaflos durch die Nacht. Weil viele Entscheidungen in der deutschen Nacht fallen. Günther Neureuther (62) wird sich das frühe Aufstehen schenken. Der Peitinger ist bekennender Olympia-Fan. Klar. Schließlich war er selbst Olympionike, hat sogar zwei Medaillen im Schrank. Deshalb mitten in der Nacht aus den Federn zu klettern, ist ihm dann aber doch zu viel. „Sollte ich früh aufwachen, werde ich aber schon den Fernseher anmachen“, sagt er.

Neureuther war nicht nur deutschlandweit, sondern auch international einer der besten Judokämpfer seiner Zeit: 1976 holte er bei den Olympischen Sommerspielen in Montreal die Silbermedaille, acht Jahre später bei den in Los Angeles kam Bronze hinzu. Der Peitinger weiß also wie es sich anfühlt, bei einer der größten Sportveranstaltungen der Welt an den Start zu gehen. Er kann verstehen, was in den Athleten vorgeht. Auch, wenn seine sportliche Karriere inzwischen für ihn „überhaupt nicht mehr so präsent ist“, wie er selbst sagt. „Manchmal denkt man natürlich zurück. Aber das Ganze ist schon eine ziemliche Weile her“, sagt er.

Der größte Unterschied zu früher? „Die Medienpräsenz. Es ist schon beeindruckend, wie viel und wie gut die Übertragungen mittlerweile sind“, sagt Neureuther. Auch deshalb sei der Druck auf die Sportler gestiegen. „Die Erwartungshaltung, vor allem an die Spitzenathleten, ist enorm.“

In Südkorea vertritt mit Skifahrer Fritz Dopfer nur ein Sportler den Landkreis Weilheim-Schongau. Der Schongauer startet am Sonntag im Riesenslalom (2.15 Uhr/5.45 Uhr) und am kommenden Donnerstag im Slalom (2.15 Uhr/5.45 Uhr). Ihm wird Neureuther die Daumen drücken. Ob Dopfer in seine Fußstapfen treten, eine Medaille holen kann? „Wir werden sehen. Es wird sicher schwierig für ihn. Nach seiner Verletzung ist er noch nicht in Top-Form.“

Neureuther hat seine Medaillen schon. Zuhause in Peiting liegen sie gemeinsam mit anderen Auszeichnungen in einem Pokalschrank in der Diele. Erst heuer im April bekam er ehrenhalber den 8. Dan verliehen, das macht ihn natürlich stolz: „Ich denke in meinem Alter gibt es da sonst keinen mehr in Deutschland, der so einen Meistergrad hat.“ Aber wie gesagt, Neureuther trauert der Judo-Vergangenheit nicht nach: „Es war eine schöne Zeit, aber auch die Zeit jetzt ist schön.“

Eine hohe Auszeichnung im Judo-Bereich wurde Neureuther im vergangenen Jahr zuteil. Er bekam den 8. Dan.

Im Mai 2016 hat der vierfache Familienvater bei der Polizei aufgehört und sich in den Ruhestand verabschiedet. Da bleibt nun viel Zeit für Freizeitaktivitäten, ausgedehnten Urlaubsreisen – bevorzugt in den sonnigen Süden – und die fünf Enkelkinder: „Da ist man a bisserl beschäftigt“, erzählt Neureuther schmunzelnd. Wie seine aktive Sportlerzeit hat er auch seine berufliche Karriere gedanklich abgeschlossen. „Bei der Polizei war es super. Aber die Arbeit wurde zuletzt immer anstrengender und die personelle Ausstattung immer weniger. Ich bin froh, dass es vorbei ist.“

Von 2002 bis zu seinem Ruhestand war Neureuther in der Schongauer Polizeiinspektion beschäftigt – oder, wie er es scherzhaft formuliert, „bei der RIPO, der ,Richtigen Polizei‘“. Zuvor war er jahrelang mehr oder weniger formal als Bereitschaftspolizist eingruppiert: „Ich konnte mich da voll auf den Sport konzentrieren.“ Nach der Judokarriere war Neureuther bei der Bereitschaftspolizei noch als Ausbilder und Einsatztrainer tätig. Sowohl die sportliche als auch die berufliche Laufbahn hat der gebürtige Steingadener ohne schwerwiegende körperliche Blessuren überstanden: „Wir sind im Training oft ans Limit gegangen. Für das, was ich da gemacht habe, bin ich mit meiner Gesundheit sehr zufrieden. Ich kann mich nicht beschweren“, bilanziert Neureuther, der lediglich einen Kreuzbandriss und eine Operation an der ramponierten Schulter über sich ergehen lassen musste.

Ob der einstige „Stier von Peiting“ – so wurde Neureuther während seiner aktiven Zeit in den Medien genannt – heute noch jemanden auf die Matte legen könnte? „Eher nicht“, fällt die Antwort skeptisch aus: „Mein Sohn macht auch Judo. Da komm’ ich mit der Kraft und Kondition nicht mehr nach. Ich hätte keine Chance gegen ihn – und es wäre zu gefährlich.“

Ohne Sport geht es bei Neureuther aber nicht. Bei den Spielen des EC Peiting ist er regelmäßig live dabei, und im Fernsehen werden sämtliche Sportarten angeschaut, „solange eine wirkliche sportliche Leistung dahintersteht“.

Handball hat es Neureuther dabei besonders angetan: „Das ist ein super Kampfsport.“ Ach ja: Seit 2011 bekleidet der Ex-Judoka übrigens beim TSV Peiting das Präsidentenamt: „Da hat man auch a bisserl was zu tun“, klingt es fast niedlich, wenn Neureuther über die Funktionärsarbeit im 2500 Mitglieder starken Verein spricht. Bescheiden relativiert er seine Rolle: „Wir haben beim TSV Abteilungen, die ziemlich selbstständig arbeiten.“

Ein Dauerjob soll das Präsidentenamt für Neureuther nicht werden: „Ich bin der Meinung, dass es alle zehn Jahre einen Wechsel geben sollte. Man verschleißt sich gedanklich, und die Jungen bringen neue Ideen.“ Ist 2021 also Schluss? „Das kann ich heute definitiv so noch nicht sagen“, lässt sich Neureuther aber ein Türchen offen.

Thomas Fritzmeier und Bernhard Jespen

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