So ist es derzeit erlaubt: Wer als eingetragener Gast in einer Gaststätte sitzt, darf von da aus Fußballspiele verfolgen. Zum Re-Start der Saison sollen dann aber wieder Fans am Spielfeldrand erlaubt sein, so fordert es der BFV.
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So ist es derzeit erlaubt: Wer als eingetragener Gast in einer Gaststätte sitzt, darf von da aus Fußballspiele verfolgen. Zum Re-Start der Saison sollen dann aber wieder Fans am Spielfeldrand erlaubt sein, so fordert es der BFV.

FUSSBALL

Re-Start verschoben - BFV übt Druck auf Regierung aus – Entscheidung naht

  • vonPatrick Hilmes
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  • Roland Halmel
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Das Warten geht weiter. Der BFV hat den Re-Start der Fußball-Amateurligen verschoben, erhöht aber den Druck auf die Regierung.

  • Der Re-Start der Amateurligen wurde verschoben
  • BFV-Präsident schreibt offenen Brief
  • Spielplan erst nach „Go" der Regierung

Landkreis – 1895 Zuschauer verfolgten in der vergangenen Woche zum Saisonstart in der Regionalliga Nordost das 1:1-Unentschieden zwischen Drittliga-Absteiger Carl-Zeiss Jena und dem SV Babelsberg. Das Eröffnungsspiel der Liga zwischen Lok Leipzig und Hertha BSC II wurde sogar vor 3115 Fans ausgetragen. In Bayern hingegen sind weiterhin keine Zuschauer erlaubt – zumindest offiziell. Denn trotz des Verbots der Bayerischen Staatsregierung suchen und finden Zuschauer Lücken, um beim Fußball vor Ort dabei zu sein.

Vereine mit einer öffentlichen Gaststätte, wie beispielsweise der TSV Altenstadt, befinden sich dabei in einer relativ komfortablen Lage. Rechtlich werden die Besucher, die auf der Terrasse sitzen und von dort das Fußballspiel verfolgen, als Gäste der Gastronomie bewertet und eben nicht als Zuschauer. Dies hatte der Bayerische Fußball-Verband in Abstimmung mit der Bayerischen Staatsregierung vor kurzem konkretisiert. Reine Vereinsheime, die von Ehrenamtlichen des Klubs bewirtschaftet werden, und die zum Teil auch über große Freiflächen weitab vom Spielfeld verfügen, wie beispielsweise beim SV Polling oder beim ASV Habach, dürfen hingegen keine Gäste bewirten.

Spaziergänger lauern hinter den Zäunen

Gänzlich vom Fußball ausschließen lassen sich die Fans deshalb aber nicht, auch wenn, wie etwa in Peiting, einfach das Sportgelände abgesperrt wird, nachdem alle Spieler, Betreuer und Schiedsrichter im Stadion sind. Wenn die Plätze direkt an eine Straße grenzen, und davon gibt es in der Region viele, versammeln sich nach Spielbeginn die interessierten „Spaziergänger“ hinter dem Zaun, um – eingerechnet einer viertelstündigen Halbzeitunterbrechung – eine 105-minütige Pause einzulegen, bei der sie zufällig in Richtung Sportplatz schauen.

Für die Vereine hat diese Situation jedoch nur Nachteile. Bilder in der Zeitung mit Fans am Zaun im Hintergrund sehen schlecht aus, und für die Einhaltung von Abstandsregeln gibt es keinerlei Handhabe. Zudem könnten die Klubs bei einer Bewirtung der Zuschauer bei Testspielen durchaus den einen oder anderen Euro einnehmen. Was angesichts der großen Löcher in der Kasse, da die Vereine seit März keinerlei Einnahmen verzeichnen, ein großes Problem ist. Die Situation wird sich bis auf Weiteres nicht ändern. Das Bayerische Gesundheitsministerium hat die sechste Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, die am vergangenen Sonntag ausgelaufen wäre, bis 2. September verlängert. Damit bleiben Zuschauer offiziell weiterhin ausgeschlossen.

Der Ton wird schärfer

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat nun reagiert und den Re-Start auf den 19. September verschoben. „Wir müssen unseren Vereinen auch etwas Zeit geben, um sich auf die Situation einstellen und Vorkehrungen treffen zu können – das geht nicht von heute auf morgen, daher ist eine möglichst rasche Entscheidung wünschenswert“, betont BFV-Präsident Rainer Koch. In einem offenen Brief schreibt er: „Der Ball liegt jetzt in der Spielhälfte der Politik, sie muss entscheiden, ob sie mitspielt oder ob sie Euch, unsere über 4500 Vereine, weiter im Abseits stehen lässt und damit Eure Existenz aufs Spiel setzt.“ Spiele vor Zuschauern, wenn auch in begrenzter Zahl, sollen erlaubt werden, fordert der BFV. Entsprechend hatte der Verband dem zuständigen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration am 13. August ein Hygiene-Musterkonzept vorgelegt. Dieses basiert auf dem für den Trainingsbetrieb.

Eine Entscheidung wird für den 1. September erwartet, wenn der Ministerrat zu seiner nächsten turnusgemäßen Sitzung zusammenkommt. Das Konzept sei laut Koch auf alle Mannschaftssportarten mit Körperkontakt übertragbar, die im Freien stattfinden. „Wir haben einen Weg aufgezeigt, wie wir den Spielbetrieb mit einem Höchstmaß an Gesundheitsschutz umsetzen können“, wird Koch auf der BFV-Homepage zitiert. Der bayerische Amateurfußball sei startklar. Das betont auch Heinz Eckl, Vorsitzender des Kreises Zugspitze. „Es muss jetzt losgehen, ansonsten geht zu viel kaputt.“

Zuschauer sollen für Amateur-Fußball erlaubt werden

Ebenso treffe das auf die Thematik „Spiele vor Fans“ zu. „An unserer Grundhaltung, dass Amateurfußball ohne Zuschauer nicht funktioniert, hat sich nichts geändert“, versichert Koch. Der Verband sowie Eckl verweisen hierbei darauf, dass bei Kulturveranstaltungen unter freiem Himmel bereits bis zu 400 Besucher zugelassen sind. „Warum also nicht auch beim Amateurfußball in Bayern“, fragt der Kreis-Vorsitzende.

Der BFV präferiert zudem nicht eine Einheitslösung für alle Spiele, vielmehr müsste die zulässige Zuschauerzahl anhand der Gegebenheiten vor Ort ermittelt werden. „Vereine, die beispielsweise eine Sitzplatztribüne haben und Plätze ausweisen können oder ein besonders weitläufiges Sportgelände besitzen, sollten in unseren Augen auch mehr Zuschauer zulassen dürfen“, sagt Koch. Die Zeit sei reif für den nächsten Schritt – auch im Amateurfußball.

Der Fall ASV Eglfing ändert nichts

Ändern würde daran laut Eckl auch ein Fall wie der beim ASV Eglfing nichts: „Die meisten Vereine bemühen sich und halten sich an die Regeln.“ Die meisten Vereine warten allerdings auch auf den Spielplan. Diesen gebe es aber erst, sobald die Regierung das „Go“ gibt. „Wir haben die klare Ansage, dass keine Spiele angesetzt werden, solange es kein grünes Licht gibt“, betont Eckl. Das Warten geht also weiter.

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