Verfolgter Lokalmatador: Lukas Krämer (r.) beim Wechsel vom Radfahren zum Laufen. Die Kemptener sind ihm auf den Fersen. Fotos (3): Halmel
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Verfolgter Lokalmatador: Lukas Krämer (r.) beim Wechsel vom Radfahren zum Laufen. Die Kemptener sind ihm auf den Fersen. Fotos (3): Halmel

Lokalmatador Vierter

Kemptener jubeln in Schongau: Von Regenkapriolen und einem ersten Dreifachsieg

  • Roland Halmel
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Viel Wasser und zu viel Schwemmholz: Mit dem Schwimmen wurde es beim Triathlon in Schongau am Wochenende nichts. Das wussten einige Sportler für sich zu nutzen.

Schongau – An einem lauen Sommerabend in Schongaus Fußgängerzone gemütlich in einem Cafe sitzen und dabei den besten Triathleten Bayerns zuschauen. Das war der Plan beim „Saturday Night Triathlon“, dem neuen Format beim neunten Schongau-Triathlon. Das Wetter spielte aber nicht mit. Dauerregen sorgte nicht nur für leere Stühle am Marienplatz. Die Rennverantwortlichen mussten mehrmals umplanen und letztlich den geplanten Schwimmpart im Lech streichen. Stattdessen gab es am Samstag vor der Raddistanz einen fünf Kilometer langen Lauf durch die Altstadt.

Am besten mit diesen Umständen und der Lauf-Rad-Lauf-Kombination kam bei den Männern ein Trio aus Kempten zurecht, das in beeindruckender Manier einen Allgäuer Dreifachsieg, den ersten beim Schongau-Triathlon, feierte. Bei schweren Bedingungen kam Lokalmatador Lukas Krämer vom Tri-Team Schongau als Vierter ins Ziel. „Ich kenne die Kemptener, die können Laufen“, sagte Krämer nach der Zielankunft nach 1:33:04 Stunden. „Ich musste nach dem ersten Laufteil die Lücke zu ihnen zufahren und das hat enorm Kraft gekostet“, berichtete der Peißenberger, der auf dem Radl lange Zeit solo unterwegs war, während die Führenden beim Windschattenfahren Körner sparen konnten.

Erfolgreiche Kemptener bei Triathlon in Schongau: „Wir haben eine coole Truppe“

Nach der dritten von fünf Radrunden mit der schwierigen Abfahrt am Rößlekellerberg sowie dem giftigen Anstieg zum Frauentor war Krämer an der Spitzengruppe dran. „Wenn Lukas gewinnen will, braucht er vor dem abschließenden Lauf einen ordentlichen Vorsprung“, sagte Wolfgang Ahrens der Chef des Tri-Teams, der das Rennen mit Andreas Groß fachmännisch kommentierte. Krämer schaffte es, als Erster in die abschließende fünf Kilometer lange Laufdistanz zu starten. Die Kemptener saßen ihm aber im Nacken und zogen schnell auf dem winkeligen Kurs durch die Altstadt vorbei. Im Zielsprint schlug René Höchenberger seinen Teamkollegen Yannic Baier nach 1:31:22 Stunden mit einer Sekunde Vorsprung.

Schnelles Trio: Sieger René Höchenberger (Mitte) mit dem Zweiten Yannic Baier (l.) und dem Dritten Tom Hohenadl (r.). Alle starten für den RSC Kempten.

„Wir haben eine coole Truppe, da gönnt jeder dem anderen den Sieg“, sagte Höchenberger strahlend, der mit dem RSC Kempten in souveräner Manier auch den Regionalliga-Sieg holte. „Das Rennen war sehr anspruchsvoll, aber beim Laufen auch sehr kurzweilig und durch die Zuschauer sehr stimmungsvoll“, ergänzte der neue Bayerische Meister.

Für viele war es aber auch eine Quälerei. Am von vielen Zuschauern gesäumten Frauentor stöhnte ein Starter aus Amberg: „Die Strecke ist so schwierig.“ Wohl wahr: Immerhin waren mit dem Rad 600 Höhenmeter auf der 38 Kilometer langen Strecke zu überwinden.

Beim Windschattenfahren das Spritzwasser im Gesicht

„Und dann war es auf dem Rad auch kalt und man bekam beim Windschattenfahren das Spritzwasser des Vordermanns ins Gesicht“, beschrieb Dominic Wimmer vom Post SV Weilheim, der bei den bayerischen Meisterschaften am Start war und unter 96 Finishern auf Rang 62 landete. In der Altersklasse 35 wurde Wimmer Achter.

Eine Klasse für sich war Maria Paulig (Team Icehouse) bei den Frauen, bei denen vier Mannschaften und insgesamt 21 Teilnehmerinnen an den Start gingen. Sie holte in 1:45:24 Stunden nach 2016 ihren zweiten Sieg in Schongau. „Es war hart und nass. Weil ich im Vorfeld wenig Schwimmen trainieren konnte, war ich nicht unglücklich, dass stattdessen gelaufen wurde“, sagte Paulig im Ziel erschöpft, aber zufrieden.

Mit einem Lächeln im Gesicht überquerte Maria Paulig die Ziellinie. Sie wurde Bayerische Meisterin.

Ein positives Fazit zog auch die neue Regionalliga-Chefin Andrea Becker-Pennrich. „Ich war sehr angenehm überrascht, wie die Teams so unkompliziert die Umplanungen mitgingen. Und die Strecke ist super toll, weil sie für die Zuschauer so gut einsehbar ist“, urteilte Becker-Pennrich, die zusammen mit Verbandschef Gerd Rucker und Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman die Siegerehrung durchführte.

Auf dem Stockerl waren auch die Tri-Team-Männer vertreten, die in der Besetzung Krämer, Johannes Zappe, Simon Langwieser, Felix Zimmermann und Jan Heinrich zusammen mit dem punktgleichen TSG Roth hinter Kempten und Ingolstadt Platz drei belegten. Bei den Frauen holte sich Schweinfurt den Sieg vor „Velosoph Oberbayern“ aus Freising und Amberg.

Ganz anders endeten für die Organisatoren und Nachwuchssportler allerdings die Wettkämpfe am Sonntag in Schongau: Wegen schwerer Stürze wurde die Deutsche Meisterschaft abgebrochen.

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