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Gold-Schütze: Matthias Holderried (Mitte) gewann nach sensationeller Leistung vor Philipp Grimm (links) und Michael Heise.
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Silber-Schütze: Michael Holderried (links) hatte nur knapp das Nachsehen gegen Paul Fröhlich (Mi.). Dritter wurde Kilian Koch.

Schiessen: Bayerische Meisterschaft

Matthias Holderried kratzt am Weltrekord

Gold für Matthias Holderried, Silber für Michael Holderried: Bei der bayerischen Meisterschaft trumpften die Brüder mit der Luftpistole auf.

Tannenberg – Selbst Jan-Erik Aeply bewies kein bisschen Fingerspitzengefühl für den besonderen Moment. Der künftige Sportdirektor des Bayerischen Sportschützenbundes, der im Finale der Luftpistolenschützen als Kommentator fungierte, versuchte krampfhaft, die Spannung nach oben zu treiben. Die nährte sich schon bald nicht mehr aus dem Zweikampf zwischen Philipp Grimm und Matthias Holderried, sondern einzig allein aus den Zahlen, die für den Tannenberger auf der elektronischen Anzeigetafel erschienen. Holderried steuerte zumindest inoffiziell auf Weltrekordkurs.

243,6 Ringe beträgt die neue Final-Bestmarke, die der Ukrainer Oleh Omelchuk in diesem Jahr beim Weltcup in München aufgestellt hat. Zwar besitzt eine bayerische Meisterschaft nicht den Status, damit ein Weltrekord offiziell gilt, aber das hinderte Holderried nicht daran, ein Riesen-Finale abzuliefern. Mit 385 Ringen im Vorkampf hatte er sich als Zweiter für das Stechen der besten acht Konkurrenten qualifiziert. Schon da war abzusehen, dass an diesem Tag etwas ganz Außergewöhnliches auf der Olympiaschießanlage in München-Hochbrück in der Luft lag.

Der Bronzemedaillengewinner der Europameisterschaft in Györ hatte mit 99 und 98 Zählern zwei solche Prachtserien vorgelegt, dass ihm selbst etwas schwindelig von seinem Höhenflug wurde. Es folgte eine 92, die er jedoch schnell abhakte. „Danach bin ich wieder selbstsicherer geworden“, atmete er erleichtert auf, als er zum Abschluss seines Pflichtprogramms eine 96 erzielte. Mit seinem 385 Ringen war er nur um einen Zähler schlechter als Philipp Grimm. Weil im Finale aber alle Ergebnisse wieder auf Null gestellt werden, hatte dies keine Auswirkungen. Zumal Holderried die ersten fünf Schuss so zielsicher ins Schwarze lenkte, dass er mit 50,1 Ringen gleich die Führung übernahm.

Die hatte er nach der zweiten Fünfer-Serie und einer 48,3 zwar schnell wieder los, aber das hatte noch nichts zu bedeuten. Es folgte die Elimination. „Reiß dich zusammen“, ermahnte er sich selbst, bevor er sich bis in den siebten und letzten Durchgang durchboxte. Die Ergebnisse waren sensationell: Unter den 14 Schuss waren nur drei hohe Neuner, während sich bei den elf Zehnern tiefe wie hohe ungefähr die Waage hielten. Am Ende standen der Titel und 242,0 Ringe für ihn zu Buche. Das waren sieben mehr als Grimm und nur 1,6 weniger als der offizielle Weltrekord von Omelchuk.

Aber das bekamen die Zuschauer in Hochbrück gar nicht mit, weil der Kommentator darauf nicht einging. Vielleicht war Aeply noch kräftig davon mitgenommen, dass schon am Vormittag Michael Holderried ein ähnliches Spektakel bei den Junioren zur Aufführung gebracht hatte. „Am Anfang hat es noch nicht ganz so funktioniert“, sagte der große Bruder über die Leistung des Jüngeren, der mit einer 94 und 93 startete, bevor er eine kleine Lektion von ihm erhielt. Die zeigte sofort Wirkung (97), war jedoch im vierten Abschnitt (93) schon wieder vergessen. 377 Ringe bedeuteten trotzdem ein stattliches Resultat und den zweiten Rang nach dem Vorkampf. Irgendetwas von der Belehrung muss bei Michael Holderried hängen geblieben sein. Der Start ins Finale gelang ihm glänzend. Nach den beiden Fünfer-Serien (50,4 und 49,3) führte er das Klassement an und lag damit sogar besser als später sein Bruder.

In der Elimination verteidigte er seinen Vorsprung bis zum 14. Schuss. Sein stärkster Widersacher, Paul Fröhlich (SV Hubertus Hitzhofen), hatte zum Abschluss eine 9,6 vorgelegt. Holderried hätte mit einer 9,7 kontern müssen, um ganz oben zu stehen. Eine 6,6 brachte ihn um Gold, bescherte ihm aber die Vize-Meisterschaft. „Finale muss er halt noch lernen“, versuchte der Fast-Weltrekordler den Beinahe-Meister wieder moralisch aufzubauen. Zum Klagen hatten sie im Hause Holderried sowieso keinen Grund. Neben Gold und Silber in den Einzelwettbewerben sprang mit der Luftpistole noch eine weitere gute Platzierung in der Mannschaftswertung heraus. In Diensten des SSV Pfaffenwinkel wurde Matthias Holderried zusammen mit Thomas Landes (368) und Christian Lindinger (361) bei den Herren mit 1114 Ringen Fünfter.

Text: Christian Heinrich

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