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Fritz Aigner und sein selbst gewählter Königlich-privilegierter Altersruhesitz

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Von: Christian Heinrich

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Fritz Aigner (70) schießt für das Schongauer Luftpistolenteam in der höchsten Klasse des Schützengaus Schongau.
So ganz kann er’s dann doch nicht lassen: Fritz Aigner (70) schießt für das Schongauer Luftpistolenteam in der höchsten Klasse des Schützengaus Schongau. © Hans-Helmut Herold

Die Peitinger Luftpistolenschützen hätten ihn schon gern in ihrem Team, doch Fritz Aigner hat eine Entscheidung gefällt: Der Routinier tritt nicht mehr in der Bundesliga an. So ganz kann er es aber mit dem Sportschießen doch nicht lassen.

Schongau – Thomas Schneider hatte wirklich alles versucht. Aber die Überredungskünste des Kapitäns der Peitinger Luftpistolenschützen führten zu nichts. Fritz Aigner blieb stur. „Ich hätte es ihm auf jeden Fall noch zugetraut“, stellt Schneider klar, dass er seinen ehemaligen Mitstreiter gern reaktiviert hätte. Aber Aigner wollte nicht mehr in der 2. Bundesliga schießen.

Vor vier Jahren hat der inzwischen 70-Jährige für sich entschieden, seinem Sport nicht mehr auf hohem Niveau zu frönen. Die Schulter macht nicht mehr so mit, und bei den Schützen der FSG Schongau ist der Stress längst nicht so groß wie in der Zweiten Liga, wo es in direkten Duellen um wertvolle Punkte geht. „Irgendwann ist alles vorbei“, stellt Aigner klar. „Der Beckenbauer spielt ja auch nicht mehr in der Bundesliga.“

Der Hinweis auf das vorgerückte Alter eines Athleten ist ein Argument, das ins Schwarze trifft. Nach sieben Lebensjahrzehnten und 58 Jahren als Schütze darf sich Aigner auch in den verdienten Ruhestand verabschieden. Schon vor sieben Jahren, als er bei den Bayerischen Meisterschaften noch drei Titel gewann, erfüllte ihn ein Anflug von Altersmüdigkeit. „Die Hürden werden immer höher, die ich überspringen muss“, klagte er damals und spürte, „dass es nicht mehr endlos so weitergeht“.

In seinem Sport hat der Steuerberater so gut wie alles erreicht, und mit dem SV Peiting ohnehin. Zehn Jahre legte er für den Schützenverein in der ersten und zweiten Bundesliga an. Als seine Mannschaft ins Oberhaus aufstieg, steuerte er 384 Ringe bei und zermürbte im Stechen den amerikanischen Bronzemedaillen-Gewinner von Peking, Jason Turner. Seine beste Leistung in der Bundesliga waren 382 Zähler. Selbst Angehörige des Nationalkaders wie Matthias Holderried aus Tannenberg bringen es bei dieser Wettkampfform kaum auf wesentlich höhere Ergebnisse. Am 3. Dezember 2017 bestritt er seinen letzten Kampf gegen Altheim-Waldhausen. Peiting gewann mit 3:2 und Aigner steuerte einen wichtigen Punkt zum Sieg bei.

Fritz Aigner schoss mit dem SV Peiting in der 1. und 2. Bundesliga

Wer sich einmal in solchen Gefilden bewegt hat, verlernt das Schießen nicht mehr, auch wenn die körperlichen Zipperlein ab einem bestimmten Alter das Leben ständig begleiten. Allerdings hat ein Top-Athlet wie Aigner auch einen Ruf zu verlieren. Die Sportwelt hat schon viele Legenden gesehen, die ihr eigenes Denkmal selbst zerstört haben, weil sie glaubten, es noch einmal mit der Jugend aufnehmen zu können. Es existieren aber auch die Beispiele der so genannten Altmeister, die noch einmal die große Bühne betraten und an die Erfolge von einst anknüpften. Oder nie wirklich von ihr verschwanden wie Bernhard Langer. Der Augsburger golft noch mit 63 Jahren auf den Plätzen dieser Welt. Da könnte Aigner locker auch noch ein bisschen in der Bundesliga mit schießen.

„Ich weiß, dass er immer noch eine gute Leistung bringen könnte und vorne mitgemischt hätte“, ist sich Schneider sicher. Der Kapitän der Peitinger quält sich an Nummer fünf durch die Saison und kommt auf einen Schnitt von 342,6 Ringen. Seine Teamkollegin Steffi Böhm-Lutzenberger zählt mit 367,6 Ringen im Mittel schon zu den besseren Schützen an Position zwei. Irgendwo dazwischen wäre sicherlich auch noch ein Plätzchen für Aigner frei, wenn es der eigene Ehrgeiz zuließe.

„Wenn ich in den Stand gehe und schieße 370 Ringe, dann würde ich es machen“, versichert er. Alle anderen Ergebnisse wären bei seiner Vorgeschichte unter seiner Würde. Zumal dann schnell das Gerede einsetzt, dass es der Alte nicht lassen kann und es immer noch nötig hat. Solche Kommentare erspart er sich besser. „Ich habe keine Lust, mich lächerlich zu machen“, gibt er offen zu. Da schießt er lieber im stillen Kämmerlein in der Gauliga. Bisher kam er für Schongaus Königlich-Privilegierte auf 354 und 357 Ringe. Gut, wenn jemand weiß, wann er sich selbst nichts mehr vorzumachen braucht.

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